Skoda Citigo iV: Der kann nicht nur Stadt

Gerade in der Stadt zeigt der Skoda Citigo iV seine Stärken. © Skoda

Klar, Elektroautos wie der Skoda Citigo iV machen vor allem in der Stadt Sinn. Doch der Kleinstwagen der Tschechen hinterlässt auch auf der Langstrecke einen stimmigen Eindruck.

Das Elektroautos nicht immer futuristisch aussehen müssen, das beweist Skoda mit dem Citigo iV. Kein Wunder, basiert der Kleinstwagen doch wie auch seine baugleichen Geschwister VW e-up und Seat Mii electric auf der gleichen Plattform, auf der sie bis Ende des vergangenen Jahres noch als Verbrenner unterwegs waren.


Doch während Skoda und Seat mit dem Marktstart der Elektrovarianten die Verbrenner-Variante haben auslaufen lassen, kann der up noch mit einem Otto-.Motor bestellt werden. Da sich die Basis des Stadtflitzers bei allen drei Herstellern seit 2011 bewährt hat, war eine Elektroausführung naheliegend. Für Skoda ist der Citigo iV nicht nur das erste vollelektrische Serienfahrzeug, sondern auch das erste Fahrzeug der neuen Submarke “iV”.

Optisch kaum Unterschiede zum Verbrenner

Das Cockpit des Skoda Citigo iV mit der Dockingstation auf der Mittelkonsole. Foto: Skoda

Neben dem veränderten Kühlergrill und der Modellbezeichnung am Heck verrät nur noch das „E“ im Kennzeichen, dass hier ein Elektroauto vor einem steht. Die Verarbeitung ist, wie man es von der VW-Tochter gewohnt ist, grundsolide. Dass es sich beim Citigo um ein in bereits in die Jahre gekommenes Modell handelt, sieht man indes im Innenraum. Da gibt es keine Digitaldisplay oder großen Touchscreens – hier ist noch alles analog und es gibt Knöpfe beispielsweise für die Bedienung des Radios.

Selbst Ladestand und Leistungsverfügbarkeit werden in zwei Anzeigen neben dem Tacho analog angezeigt. Hier ist alles recht simpel gehalten. Doch das ist keineswegs etwas Schlechtes, findet man sich doch ziemlich schnell in der analogen Welt zurecht.

Wer dennoch etwas mehr Modernität wünscht, kein Problem. Das Smartphone lässt sich per App mit dem Auto verbinden. Damit man es während der Fahrt nicht in die Hand nehmen muss, gibt es auf der Mittelkonsole eine fest verbaute Docking-Station. Mittels der Skoda Move & Fun-App lassen sich Fahrdaten, Ladezustand und weitere Nutzungsstatistiken, Radio und vor allem ein Navigationssystem anzeigen. Wenn man es geschafft hat das Handy mit dem Auto zu verbinden, funktioniert sie gut, trotzdem habe ich die meiste Zeit Google Maps zum navigieren benutzt. Der Livetraffic fließt hier doch am besten in die Navigation mit ein.

Ein Auto vor allem für die Stadt

Wer besonders effizient im Skoda Citigo unterwegs sein will, wählt der Fahrmodus Eco+. Foto: Skoda

Wie der Name vermuten lässt, ist der Citigo vor allem ein Auto für die Stadt. Dies spiegelt sich in der angegebenen Reichweite wider. Die 36,8 kWh (Nettogehalt 32,3 kWh) starke Batterie ermöglicht eine Reichweite von bis zu 260 Kilometer. Ein durchaus realistischer Wert, wie unser Test bestätigte. Wer langsam beschleunigt und vorausschauend fährt, schafft gut und gerne über 300 Kilometer, zumindest in der Stadt, wo der Citigo viel rekuperieren kann. Hier kann man ihn dann auch mit einem Verbrauch von unter 10 kWh bewegen.

Angetrieben wird der Citigo iV, wie auch der e-Up und Mii, von einem 83 PS starken Elektromotor an der Vorderachse. Mit den sofort verfügbaren 212 Newtonmetern Drehmoment kann man mit dem Kleinen ordentlich Spaß haben. Zwischen 0-80 Stundenkilometern zieht er richtig gut an, auch beim Überholen auf der Landstraße ist er nicht träge. So vergehen 12,3 Sekunden bis Tempo 100, bei 130km/h ist dann aber Schluss. Wer so schnell unterwegs sein mag, der liegt bei Verbrauch dann aber schnell bei 17 bis 18 kWh. Ein Tempo von 110 km/h schont entsprechend die Reichweite.

Locker durch den Feierabendverkehr

Für unseren Test haben wir den Skoda Citigo iV sowohl in Berlin als auch auf der Langstrecke getestet. In der Stadt ist der Kleinwagen in seinem Element. Durch die dynamische Beschleunigung und die kompakte Größe schlängelt man sich mit Leichtigkeit durch noch so dichten Feierabendverkehr. Stellt man die Rekuperation auf die höchste Stufe (B), lässt sich der Stadtverkehr fast ohne Bremsen und mit ordentlicher Energierückgewinnung bezwingen. Einmal am Ziel angekommen, ist die Parkplatzsuche deutlich erleichtert. Zwar hat man keine Rückfahrkamera sondern nur Parkpiepser, aber mehr braucht es auch nicht, denn man hat eine gute Rundumsicht. Neidische Blicke von SUV-Fahrern inklusive.

Und wie schaut es beim Laden aus? Gegen Aufpreis ist der Citigo mit einem CCS-Ladesteckplatz zu erhalten, kann ihn als auch einer Schellladestation an den Strom hängen. Von 0 auf 80 Prozent vergehen gut eine Stunde. Deutlich länger dauert es an einer Wallbox mit 7,2 kWh: hier muss man 4:15 Stunden einkalkulieren.

Und wenn es dann doch mal auf die Langstrecke gehen soll? Wir sind mit dem Skoda Citigo iV von Berlin zum Bilster Berg nahe Paderborn gefahren. Rund 375 Kilometer, zwei Drittel Autobahn, ein Drittel Landstraße. Für die Strecke, die laut Google Maps 4,5 Stunden dauert, haben wir knapp 6 Stunden gebraucht. Das lag zum einen an unserer Geschwindigkeit von nur 110 km/h auf der Autobahn und zum anderen an dem 60 minütigen Ladestopp auf halber Strecke. Wer die möglichen 130 km/h auskosten will, spart keine Zeit, da der Verbrauch exponentiell steigt und man deutlich früher wieder Strom tanken muss.

Geringere Geschwindigkeit entspannt

Klar, als junger Fahrer mag ich es, auch einmal schneller als 130 km/h unterwegs zu sein. Aber die geringere Reisegeschwindigkeit habe ich als angenehm, geradezu entspannend empfunden. Der Kompakte bietet im Innenraum ausreichend Platz und vor allem Kopffreiheit. Auf der Rückbank will man zwar nicht unnötig viel Zeit verbringen aber es reicht, wenn auf den Vordersitzen nicht Sitzriesen Platz genommen haben. Der Kofferraum fasst bescheidene 250 Liter, mit umgeklappten Sitzen immerhin 923 Liter.

Das Heck des Skoda Citigo. Foto: Skoda

Durch die im Unterboden verbauten Akkus hat das Fahrzeug einen tiefen Schwerpunkt und somit eine gute Kurvenlage. Das machte sich auf den kurvigen Landstraßen im Weserbergland bezahlt und bewies, dass der Citigo iV eben nicht nur Stadt kann. Wer häufig durch Deutschland oder gar ins europäische Ausland fährt, sollte sich aber entweder nach einem anderen Auto umschauen oder viel Geduld mitbringen. Für die meisten Leute, die in der Stadt wohnen und nur gelegentlich eine Reise jenseits der 200 Kilometer antreten, reicht der Citigo aber allemal.

Nur noch als „Best of“

Ärgerlich ist, dass Skoda die bisher möglichen Ausstattungsvarianten Ambition und Style ersetzt hat und den Citigo nur noch als “Best of”, also in der Top Ausstattung, anbietet. Das schlägt dann mit 24.990 Euro zu Buche, wobei davon dann noch die Innovationsprämie von 9000 Euro abgeht. Damit ist der E-Flitzer für unter 16.000 Euro zu haben. Dann hat man aber auch alles an Bord, was die Aufpreisliste zuvor zu bieten hatte wie eine Sitzheizung, Tempomat, Spurhalteassistent, Klimaautomatik, Regensensor, CCS-Stecker (für die Schnellladestation).

Auch wenn das überwiegend sinnvolle Extras sind, ist es doch schade, dass Skoda die Entscheidung nicht dem Kunden überlässt. Wer dennoch bereit ist, soviel Geld für einen E-Kleinwagen auszugeben, der muss sich in Geduld üben. Die Wartezeit beträgt derzeit zwischen neun und 12 Monaten.

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