Skoda Roomster: Mut zur Innovation

Skoda Roomster © Foto: dpa

Skoda schickt mit dem Roomster im September seine vierte Modellreihe auf den deutschen Markt. Die Tschechen setzen hohe Erwartungen in ihr neustes Auto.

Von Frank Mertens

Skoda eilt von Erfolg zu Erfolg. Der tschechische Autobauer konnte allein im ersten Halbjahr den Gewinn um 61,4 Prozent auf umgerechnet 224,6 Millionen Euro steigern. Bei den Auslieferungen erzielte man weltweit mit 274.904 Fahrzeugen ebenfalls ein beachtliches Plus von 12,4 Prozent.

Außergewöhnliches Auto

Dieser Trend soll auch im zweiten Halbjahr 2006 und darüber hinaus anhalten. «Wer auch zukünftig erfolgreich sein will, muss jetzt etwas Außergewöhnliches schaffen», sagt Skoda-Entwicklungsvorstand Harald Ludanek. Und wenn Ludanek von etwas Außergewöhnlichem spricht, dann meint der Manager damit nach dem Octavia, Fabia und Superb die vierte Modellreihe der Tschechen: den Roomster. «Er ist ein trendiges Fahrzeugkonzept», sagte Ludanek bei einer Fahrveranstaltung in Frankfurt/Main.

Auf den Roomster, der am 2. September in Deutschland seinen Marktstart feiern wird, legen die Verantwortlichen im tschechischen Skoda-Werk in Mlada Boleslav große Erwartungen. Schließlich hebt sich der Skoda mit seinem äußeren Erscheinungsbild und seinem Raumkonzept deutlich von den anderen Modellen des Unternehmens ab. Der Roomster soll - so heißt es in der Sprache der Marketingstrategen - dem Kunden die «Dynamik eines Flugzeuges» mit dem «Raumangebot eines Hauses» bieten.

Junge Kunden ansprechen

Am Heck sieht alles ganz normal aus Foto: Werk

Mit diesem Konzept sollen vor allem neue, junge Kunden angesprochen werden. Solche, die sich bisher eher nach einem Citroen Berlingo oder einen Renault Kangoo umgeschaut haben. Oder nach Fahrzeugen wie einem Opel Meriva, Renault Modus, Fiat Idea, Nissan Note oder Ford Focus C-Max. Marken, die Skoda-Deutschlandchef Alfred E. Rieck als potenzielle Mitbewerber sieht.

Damit der Roomster sich von der etablierten Konkurrenz abhebt, hat man beim Design ohne Frage Mut bewiesen. Das Auto polarisiert: entweder man mag es oder man mag es nicht. Gewöhnungsbedürftig ist ohne Frage die Seitenansicht. Eine durchgehende Linienführung ist an den Seitenscheiben nämlich nicht festzustellen. Die vorderen Scheiben sind etwas höher angebracht als die hinteren. Das irritiert zunächst, zumindest von der Außenbetrachtung.

Sitzt man jedoch erst einmal im Roomster, weicht diese anfängliche Irritation. Durch die großen Fensterflächen entsteht ein luftiges Gefühl im Innenraum, vor allem dann, wenn man den Roomster mit dem optionalen Panoramadach bestellt. Es kostet zwar 630 Euro Aufpreis, ist aber unbedingt zu empfehlen. Die tief nach unten gezogenen hinteren Fenster stören zwar die Linienführung, doch das dürfte denjenigen egal sein, für die sie gedacht sind: Kinder nämlich. Sie genießen dadurch einen ungehinderten Blick nach draußen.

Bequemlichkeit für zwei

Großzügiges Raumangebot Foto: Werk

Ohnehin sind die Fondpassagiere gut aufgehoben. Zwei Erwachsene können bequem auf der hinteren Sitzreihe Platz nehmen. Die Beinfreiheit ist großzügig bemessen. Wer jedoch ein dritten Passagier im Fond mitnehmen will, sollte dies nur auf kurzen Strecken tun. Denn der Mittelsitz ist nur ein Behelf. Gelungen ist indes das Sitzkonzept: Die hintere Rückbank ist verschiebbar, der Mittelsitz herausnehmbar. Das schafft Platz. Und wer den Roomster als Transporter braucht - kein Problem. Dann können alle hinteren Sitze raus: So entsteht dann schnell ein Ladevolumen von 1780 Litern. Ein glänzender Wert.

Die Verarbeitung des Innenraums gibt kaum Anlass zu Beanstandungen. Sie ist, wie man es von den Tschechen kennt, gut. Mit einer Ausnahme: Das Handschuhfach auf der Beifahrerseite klappert dank der Plastikscharniere. Das klingt billig und passt sogar nicht zum Image von Skoda. Doch hier soll Abhilfe geschaffen werden, verspricht Ludanek.

Seitenhalt verbesserungswürdig

Viel Platz im Kofferraum Foto: Werk

Wenn wir schon beim kritisieren sind: Wer mit dem Roomster auch mal schneller in die Kurven geht, dürfte sich einen deutlich besseren Seitenhalt wünschen. Die Seitenwangen der vorderen Sitze sind schlichtweg zu weich. Unverständlich ist zudem, weshalb für die beiden Einstiegsversionen ESP nicht zur Serienausstattung gehört. Begründet wird dies von Skoda damit, dass der Preis mit ESP nicht unter der 13.000 Euro-Grenze hätte gehalten werden können. Doch manchmal muss man den Kunden halt zu seinem Glück, sprich Sicherheit, zwingen. ESP (Aufpreis 300 Euro) gehört wie ABS einfach zur Serienausstattung.

Der von uns gefahrene 1.9 TDI mit 77 kW/105 PS, der Einstiegspreis mit Dieselpartikelfilter liegt bei 18.890 Euro, machte seine Sache im Alltagsgebrauch recht gut. Klar, er ist ein wenig zu laut und kein Ausbund an Sportlichkeit. Dennoch erfüllt er die in ihn gesetzten Erwartungen im Kontext eines Fahrzeugkonzeptes wie dem des Roomster zur vollsten Zufriedenheit. Sein maximales Drehmoment von 240 Nm stellt er bereits bei 1800 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Den Sprint von 0 auf 100 km/h legt er in 11,5 Sekunden zurück. Mehr braucht man nicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 182 km/h erreicht. Der Durchschnittsverbrauch liegt laut Hersteller bei 5,6 Liter. Allesamt akzeptable Werte. Das Fünfganggetriebe arbeitet exakt. Schade allerdings, dass kein Sechsganggetriebe im Angebot ist.

Tausende Vorbestellungen

Praktisch gestaltete Armaturen Foto: Werk

Mit diesen Daten und vor allem mit seinem Raumkonzept dürfte der Roomster die Erwartungen der Skoda-Verantwortlichen nicht enttäuschen. Offensichtlich haben Skoda-Kunden auf ein Auto wie den Roomster gewartet. Denn bereits vor dem offiziellen Marktstart am 2. September liegen 5000 Vorbestellungen vor, wie Skoda-Deutschlandchef Alfred E. Rieck sagt. Rieck, seit Jahresbeginn im Amt, hat sich für den Rest des Jahres weiter hohe Ziele gesetzt. Skoda Deutschland konnte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit 58.295 abgesetzten Einheiten eine Steigerung von 16,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum erzielen. Derzeit liegt Skoda bei den Marktanteilen mit 3,4 Prozent hinter Toyota (4,3 Prozent) auf Platz neun.

Der Roomster jedenfalls soll mithelfen, diesen Platz am Ende des Jahres zu halten, wenn nicht sogar zu verbessern. Die Chancen dazu stehen mit der vierten Modellreihe der Tschechen auf jeden Fall nicht schlecht.