Skoda Praktik: Nicht ganz so praktisch

Skoda Praktik © Foto: press-inform

Skoda hat den Familienlaster Roomster mit wenigen Handgriffen in das Gewerbemobil Praktik verwandelt. Für einen Kampfpreis von 11.888 Euro tritt der Kasten-Van gegen VW Caddy, Opel Combo oder Renault Kangoo Rapid an.

Von Sebastian Viehmann

Für Handwerker, Bäcker und Apotheken-Lieferanten muss es nicht immer gleich der große Laster sein. Kompakte Kastenwagen reichen für viele Transportbedürfnisse völlig aus. Skoda drängt mit seinem Praktik auf einen Markt, der bereits dicht besiedelt ist. VW Caddy, Renault Kangoo Rapid, Opel Combo, Peugeot Partner oder Fiat Doblò heißen die Konkurrenten. Dafür war der Entwicklungsaufwand des neuen Skoda überschaubar: Der Praktik basiert auf dem Familienauto Roomster. Die seitlichen Türen unterscheiden sich von den Roomster-Pforten nur dadurch, dass statt Scheiben Bleche vorhanden sind. Hinten gibt es eine normale Heckklappe, die nach oben öffnet. Der Laderaum ist vom Fahrerabteil durch eine verstellbare Wand mit Schutzgitter abgetrennt.

Schlechte Sicht beim Spurwechsel

Die enge Verwandtschaft zum Roomster bringt leider ein paar Nachteile mit sich. So sind im Lieferverkehr, bei dem das Parken in zweiter Reihe und das Verladen sperriger Gegenstände zum Alltag gehören, Schiebetüren sind einfach praktischer. Damit kann der Praktik aber nicht dienen. Außerdem ist die hintere Ladekante mit mehr als 60 Zentimetern deutlich höher als etwa beim Renault Kangoo. Während der Fahrt stört die geschwungene B-Säule des Praktik. Sie erschwert beim Spurwechsel die Übersicht nach hinten. Der zwei Quadratmeter große Laderaum des Skoda ist 1,43 Meter breit (1,02 Meter zwischen den Radkästen) und 1,13 Meter hoch. Der tschechische Lastesel hat Platz für 1,9 Kubikmeter Ladung bei einer maximalen Nutzlast von 565 Kilogramm. Das ist nicht besonders üppig - der Caddy zum Beispiel bringt es auf mindestens 612 Kilogramm Nutzlast und 3,2 Kubikmeter Stauraum, der Kangoo Rapid auf 2,75 Kubikmeter.

Sparsamer TDI

Skoda Praktik Foto: press-inform

Als Motorisierung stehen für den Praktik ein von Skoda entwickelter Dreizylinder-Benziner mit 70 PS sowie zwei Aggregate aus dem VW-Regal zur Verfügung (1.4 16V mit 86 PS und 1.4 TDI mit 70 oder 80 PS). Geschaltet wird bei allen Motoren mit einem sehr leichtgängigen Fünfgang-Getriebe. Wir sind den 1.4 16V gefahren. Der Motor ist für die City ausreichend, bei höheren Geschwindigkeiten aber ziemlich zäh und träge. Der Praktik beschleunigt in 13 Sekunden auf 100 Km/h und verbraucht im Schnitt 6,8 Liter pro 100 Kilometer. Mit dem 1.4 TDI wird der Skoda zum Sparbrötchen (Durchschnittsverbrauch 5,3 Liter), aber auch zur Wanderdüne (Beschleunigung von 0 auf 100 in 16,5 Sekunden). Das Fahrverhalten ist durchweg unproblematisch, die Federung nicht zu hart.

Skoda Praktik: Innen solide und bequem Foto: press-inform

Der Innenraum des Praktik ist einfach gehalten, aber solide verarbeitet und durchaus bequem. Statt eines Handschuhfachs gibt es zwei kleine offene Fächer, außerdem sind mehrere Flaschenhalter an Bord. Die Ausstattung ist im Vergleich zum Roomster deutlich abgespeckt. Servolenkung, Zentralverriegelung und vier Airbags sind serienmäßig. Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber, Klimaanlage oder ein höhenverstellbarer Fahrersitz gibt’s gegen Aufpreis. Auch ESP gibt es nur als Option, aber das ist in dieser Fahrzeugklasse ja immerhin etwas. Für 549 Euro ist - wie schon beim Roomster - ein Navigationssystem von Michelinan Bord, das mit einer eigenen Konsole zur Befestigung und Stromversorgung zwischen A-Säule und Lenkrad montiert ist.

Dacia sagt den Preiskampf an

Skoda Praktik: kleiner Laster zum kleinen Preis Foto: press-inform

Skodas Kleintransporter ist ab 11.888 Euro zu haben, der 1.4 16V kostet 12.840 Euro. Damit ist der Praktik günstiger als viele seiner Konkurrenten. Die Basisversion des Renault Kangoo Rapid zum Beispiel gibt es mit einem 1,2-Liter Benziner (75 PS) erst ab 13.149 Euro. Der günstigste VW Caddy kostet mit einem 1,4-Liter Benzinmotor (90 PS) 15.416 Euro. Einen Opel Combo (1.4 Benziner, 90 PS) bekommt man ab 13.726 Euro. Das teuerste Modell des Skoda Praktik ist der 1.4 TDI mit 80 PS und Partikelfilter (15.220 Euro). Der wohl ultimative Preisbrecher unter den kleinen Kastenwagen kommt aber erst noch auf den Markt. Die Renault-Tochter Dacia will nämlich die Kasten-Version des Logan MCV demnächst auch in Deutschland anbieten. Der Logan Van hat Platz für 2,5 Kubikmeter Ladung und dürfte weniger als 10.000 Euro kosten.