Seat Ibiza: Kleinwagen für Junggebliebene

Der Seat Ibiza liegt satt auf der Straße. © Seat

Der Seat Ibiza ist die moderne Version des VW Polo. Kein Wunder, dass der Spanier gerade bei jungen Käufern gut ankommt.

Der durchschnittliche Seat-Käufer ist rund ein Jahrzehnt jünger als der der Schwestermarke VW. Kein Wunder, dass sich der Kleinwagen Ibiza demonstrativ als optisch junge Alternative zum Polo positioniert. Unter dem zackigen Blech ist der Spanier aber nicht weniger erwachsen als sein norddeutscher Cousin.


Wo der Polo zurückhaltend und fast schon elegant auftritt, lässt der Ibiza zackige Formen sprechen. Spitze Winkel, Dreiecke und Trapeze ziehen sich über die komplette Karosserie und finden sich auch als Gestaltungselemente im Innenraum wieder. Die prägnanten Formen gehören zur Seat-Designsprache, werden aber in keinem anderen Modell der Spanier so demonstrativ ausgestellt. Vor allem gilt das beim Ibiza in der getesteten Ausstattungslinie „FR“, die den sportlichen Anstrich des Fünftürers noch einmal besonders betont.

Kleinwagen-Dimensionen entwachsen

Der Seat Ibiza hat ein sachlich gestaltetes Cockpit. Foto: Seat

Der flotte Auftritt verdeckt ein wenig, dass auch der Ibiza mittlerweile den typischen Kleinwagen-Dimensionen entwachsen ist. Eine Handbreit mehr als vier Meter Länge und vor allem 1,80 Meter Breite (mit Spiegeln: 1,94 Meter) sind nur noch gerade so city-freundlich zu nennen. Allerdings sind die Platzverhältnisse an Bord mitgewachsen: Vorne wie hinten sind sie so großzügig, dass auch lange Touren außerhalb der Stadt ohne steife Glieder bei Fahrern und Passagieren absolviert werden können. Der Kofferraum fasst schon in Grundstellung wirklich üppige 355 Liter. Wer die Rückbanklehnen umklappt, darf sich sogar zum Einkaufen ins Mitnahme-Möbelhaus trauen. Die Tage, in denen Kleinwagen auch kleine Einkäufe bedeuteten, sind beim Ibiza auf jeden Fall vorbei.

Die gewachsene Spur sorgt aber nicht nur für Schulterfreiheit und ordentlich Ladebreite, sondern auch für eine satte Straßenlage. Der sportlich-straff, aber nie unkomfortabel abgestimmte Seat fährt souverän und stabil auch über schlechte Straßen. Geräuschkomfort und Vibrationsdämmung stimmen ebenfalls, so dass der Ibiza eine halbe Klasse hochwertiger und größer wirkt als er ist. Der 110 PS starke 1,0-Liter-Dreizylinder, an ein komfortables Automatikgetriebe gekoppelt, verzichtet passend dazu auf zu viel hörbare Präsenz und bleibt akustisch im Hintergrund. Auch ansonsten ist er ein angenehmer, wenn auch nicht charismatischer Begleiter, der in der Stadt vollkommen ausreicht, auf der Autobahn aber jenseits der Richtgeschwindigkeit nicht mehr viel Durchzug für Überholmanöver bietet. Rund 5,5 Liter Verbrauch gehen im Gegenzug in Ordnung.

Breite Auswahl an Extras

In Sachen Ausstattung bietet Seat mittlerweile ein breites Portfolio an Extras, steht allerdings immer noch einen halben Schritt hinter den Schwestermodellen von Audi und VW zurück. Die Konzernhierarchie greift auch bei der Materialauswahl im Cockpit und dem Innenraum-Finish, so dass es sich beim Ibiza in dieser Hinsicht besonders lohnt, zu einer der höheren Ausstattungslinien (ab „Style“) zu greifen. Zwar kommt auch dort viel Hartplastik zum Einsatz, aber immerhin in bunteren Farben.

Und der Farb-Touchscreen mildert das generell etwas preissensibler produzierte Ambiente. Auch die Ausstattung stimmt ab dem „Style“-Niveau, an Bord sind Klimaanlage, Leichtmetallräder und Multifunktionslenkrad. Lücken gibt es allerdings bei der Sicherheitsausstattung. Zwar ist ein City-Notbremsassistent immer an Bord, viel mehr ist in Sachen moderner Helfer aber auch für Geld beim Ibiza nicht zu bekommen.

Auch die Preise sind selbstbewusst

Das Fahrwerk des Seat Ibiza ist straff abgestimmt. Foto: Seat

So erwachsen das ganze Auto, so erwachsen sind auch die Preise. Das Basismodell für 15.173 Euro ist kaum attraktiv, so dass für ein vernünftig ausgestattetes Modell mit 17.156 Euro zu Buche schlägt (80 PS). Wer auch noch etwas mehr als die allernötigste Motorleistung will, zahlt für 95 PS und Turboladung bereits 18.300 Euro. Der Testwagen-Antrieb ist ab 19.200 Euro zu haben, mit Automatik (und 5 PS weniger) kostet er 20.600 Euro. Wer ein entsprechendes Budget hat, kann den Preis für den Kleinwagen aber auch locker auf 25.000 Euro hochtreiben.

Erwachsensein hat also nicht nur Vorteile – das gilt auch beim Auto. Das selbstbewusste Preisniveau und der insgesamt gediegene Charakter stehen ein Stück weit im Kontrast zum juvenilen Auftritt des spanischen Kleinwagens. Fahranfänger und junge Stadtbewohner sind somit wohl eher nicht die Zielkundschaft. Für Junggebliebene, denen der VW Polo zu bieder und der Audi A1 zu teuer ist, dürfte der Ibiza aber auf jeden Fall taugen. (SP-X)

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