Renault Kadjar: Mit der Kraft neuer Motoren

Der Renault Kadjar steht in Konkurrenz zum VW Tiguan. © Renault

Der Renault Kadjar will keinem Geringeren als dem VW Tiguan Konkurrenz machen. Damit das gelingt, haben die Franzosen ihrem Kompakt-SUV nicht nur neue WLTP-Motoren verpasst.

Sie nutzten die Renovierungsmaßnahmen auch dazu, dem Renault Kadjar nach knapp dreieinhalb Jahren ein kleines Facelift zu spendieren. Um den überarbeiteten VW-Tiguan-Konkurrenten als solchen auszumachen, muss man aber schon zwei Mal hinschauen: Die Änderungen am Design des ab Januar 2019 für mindestens 22.490 Euro beim Händler aufwartenden Viereinhalbmeter-Renault sind äußert gering.


Der Kühlergrill ist etwas breiter und in der Top-Ausstattung mit Chromzierrat geschmückt, die Stoßfänger erstrahlen dezent überschminkt und auch die optionalen Voll-LED-Scheinwerfer wurden angefasst.

Kadjar mit Haifischantenne

Wer sicher gehen will, dass es sich um den neuen Kadjar handelt, wirft am besten einen Blick aufs Dach: Dort sorgt ab sofort eine zeitgemäße Haifischantenne für besseren Radio- und GPS-Empfang. Ähnlich marginal sind die Änderungen im geräumigen Innenraum: Neue Getränkehalter zwischen den Sitzen, Ambiente-Licht, eine überarbeitete Klimabedienung und der jetzt bündig in die Mittelkonsole eingelassene 7-Zoll-Infotainment-Touchscreen – mit dem der klassische Lautstärkeregler entfällt – kennzeichnen die Facelift-Version.

Zusätzliche Lüftungsdüsen und zwei USB-Anschlüsse im Fond versüßen zudem auch den Hinterbänklern die Reise. Nach wie vor eher mittelmäßig sind Materialauswahl und Verarbeitung, und auch den Sitzen hätte eine Überarbeitung hinsichtlich des Langstreckenkomforts gutgetan.

Neues Motorenangebot

Das Cockpit des Renault Kadjar. Foto: Renault

Das Hauptaugenmerk der Ingenieure lag bei der Renovierung allerdings auf der Motorenpalette, die Euro-6d-Temp-tauglich gemacht werden musste. Die beiden bisherigen Turbo-Benziner mit 1,2 und 1,6 Liter Hubraum sind rausgeflogen und wurden durch einen aufgeladenen und partikelgefilterten 1,3-Liter-Vierzylinder ersetzt. Dadurch steigt die Basisleistung geringfügig auf 140 PS, die Top-Version gibt ein paar Zähler ab und kommt auf 159 PS.

Serienmäßig sind beide Ottos an eine Sechsgang-Handschaltung gekoppelt, optional steht ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe zur Wahl. Für die 1900 Euro teure Automatik sollte man sich allerdings erst nach einer ausgiebigen Probefahrt entscheiden: Obwohl der Doppelkuppler den Standardspint auf dem Papier verkürzt, wirkte auf unserer Testfahrt – bei der sich der Kadjar wie gehabt weich federnd und indirekt lenkend präsentierte – der selbstschaltende stärkere Otto deutlich zäher als sein kleiner Bruder mit manuellem Getriebe.

Überhaupt macht man mit dem Einstiegs-Otto wenig falsch: Mit 240 Newtonmeter ist er nur unwesentlich schwächer, und dass er bei der 0-auf-100-Messung 10,4 statt 9,9 Sekunden braucht, ist in der Praxis ähnlich unerheblich wie die mit 203 km/h etwas geringere Vmax. In der Anschaffung spart man dafür eintausend Euro, außerdem ist der 140-PS-Motor der einzige, der in der Basis-Ausstattung Life (mit Klimaanlage, CD-Radio und Tempomat) erhältlich ist; der stärkere beginnt erst in der Limited-Edition für 26.790 Euro. Dafür gibt es dann zusätzlich den Licht- und Regensensor, eine Klimaautomatik, Nebelleuchten, den umklappbaren Beifahrersitz und einen variablen Ladeboden für den mindestens 472 Liter großen Kofferraum. Beim Unterhalt nehmen sich beide Benziner nichts, hier wie da verspricht Renault einen Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern.

Diesel kostet ab 27490 Euro

Der Renault Kadjar hat neue Motoren bekommen. Foto: Renault

Ebenfalls erst ab der zweiten Ausstattung erhältlich ist der SCR-Kat-gereinigte Diesel, der ab 27.490 Euro zu haben ist: Vorerst muss man sich auf Selbstzünderseite allerdings mit einem 1,5-Liter-Vierzylinder mit 85 kW/115 PS, 260 Newtonmeter Drehmoment und einem Normverbrauch von 4,4 Litern begnügen. Der stärkere 1.7er mit 110 kW/150 PS folgt etwas später und hebt durch seine Zwangsehe mit der „Bose Edition“-Top-Ausstattung das Preisniveau auf 34.590 Euro. Noch tiefer in die Tasche greifen muss, wer Allrad haben will: Nur der starke Diesel beherrscht die 4×4-Technik, die nochmal mit 2000 Euro zu Buche schlägt. Für die sonst allesamt frontgetriebenen Kadjars gibt es für günstige 200 Euro lediglich eine Grip-Kontrolle, die das Antriebsmoment an den Vorderrädern über Bremseingriffe regelt.

Ebenfalls aufpreispflichtig sind übrigens, vom Tempomat mal abgesehen, alle Assistenzsysteme. Dass Renault für das automatische Einparken, den Spurhaltewarner und die Tot-Winkel-Überwachung Geld nimmt, ist aus Vertriebssicht nachvollziehbar. Dass aber auch der Notbremsassistent nur in der Top-Version und gegen Geld zu haben ist, ist schade. Und: Hightech-Features wie ein Staupilot sind dem Kadjar völlig fremd. Das ist umso erstaunlicher, als das sein technisch eng verwandter Konzernbruder Nissan Qashqai seit kurzem damit aufwartet. (SP-X)

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