Range Rover Evoque: In Schönheit erben

Gene vom Range Rover

Auch drei Jahre nach dem Marktstart drehen sich viele nach dem Range Rover Evoque um.
Auch drei Jahre nach dem Marktstart drehen sich viele nach dem Range Rover Evoque um. © AG/Flehmer

Mit dem Evoque hat Range Rover das ausdrucksstärkste Pferd im Stall. Das SUV hat viel von den größeren Brüdern geerbt – leider auch bei der Preisgestaltung.

Von Thomas Flehmer

Allein der Name Victoria Beckham gab die Richtung vor. Das ehemalige Spice-Girl und heutige Ehefrau von Ex-Fußball-Profi und Unterhosenmodell David Beckham lebt in der Welt der Reichen und auch manchen Schönen und sollte diesen Glamour als mitverantwortliche Designerin auf den Range Rover Evoque übertragen. Das Konzept ging vollends auf. Auch drei Jahre nach dem Marktstart bleibt der kleinste Range ein großer Hingucker.

Range Rover Evoque für den Boulevard

Während die großen Brüder Range Rover und Range Rover Sport mehr das Edle der Marke austragen, ist der Evoque mit seiner coupéhaften Linie der kleine Krawallbruder, der den Boulevard aufmischen möchte – was ihm ebenso mühelos gelingt. Die gedrungene Optik und die eher kleinen Fenster, die natürlich die Sicht beeinträchtigen, unterstreichen den sportlichen Anspruch des Evoque.

Dabei hat das SUV viel von den Großen geerbt. Allein schon vor dem Einstieg in der Dunkelheit wird die Silhouette des 4,37 Meter langen Evoque leuchtend auf den Asphalt geworfen, nachdem die Türen entriegelt wurden.Beim großen Range Rover ist es der Schriftzug "Range Rover", der vom Außenspiegel aus auf die Straße projiziert wird.

Edle Gene im Cockpit des Range Rover Evoque

Auch drei Jahre nach dem Marktstart drehen sich viele nach dem Range Rover Evoque um.
Das Cockpit des Range Rover Evoque ist sehr wertig ausgefallen AG/Flehmer

Im Gegensatz zum betont sportlichen Äußeren übernimmt das Innere ebenso die edlen Gene der größeren Brüder. Bequeme, aber sehr passende Sitze, wertige Materialien, übersichtliche Instrumente – hier kann man sich sauwohl fühlen. Auch in Kombination mit dem 2.2 SD4 4WD, der in seiner größeren, von uns gefahrenen Variante 140 kW/190 PS sowie ein Drehmoment von 420 Newtonmetern zur Verfügung stellt.

Zwar vergehen glatte zehn Sekunden, bis Tempo 100 erreicht wird und bei 200 km/h ist auch schon Schluss, doch fühlt sich der 1,7 Tonner zu keinem Zeitpunkt untermotorisiert an. Die Neunstufen-Automatik für 2350 Euro schaltet fast unbemerkbar sanft und führt den Evoque schnell in höhere Geschwindigkeitsbereiche. Der Selbstzünder selbst ist dabei kaum zu hören. Die angegebenen 5,7 Liter Diesel werden im Alltag um gut 1,5 Liter überboten, aber das ist zum einen trotzdem ein anständiger Wert, zum anderen wird er die Eigentümer eines Evoque nicht kratzen.

Komfortelemente für knapp 20.000 Euro

Auch drei Jahre nach dem Marktstart drehen sich viele nach dem Range Rover Evoque um.
Die Sicht nach hinten ist beim Range Rover Evoque nicht ganz optimal AG/Flehmer

Die hohe Sitzposition verleiht den Insassen zusätzliche Sicherheit und erhöht den Fahrkomfort, der auch durch Kurven nicht geschmälert wird. Und somit ergibt sich am Ende der Fahrt das wichtigste Erbe des größeren Vertreters. Wie beim Range Rover steigen auch die Insassen eines Evoque nach dem Ende der Fahrt – egal ob lang oder kurz, ob Stau oder freie Fahrt oder gar die Fahrt ins Gelände – ganz entspannt aus, ganz entspannt.

Allerdings ist die Entspannung nicht für jeden greifbar. Der Evoque 2.2 SD4 4WD in der Ausstattungsvariante Dynamic im britisch-stilechten Aintree Green und mit Vortex-Ebony perforiertem Leder kostet mindestens 46.670 Euro. Der Testwagen selbst war neben dem automatischen Neungang-Getriebe mit einem 825 Watt starken Soundsystem für 1400 Euro, dem Technik und Dynamic-Paket für 3210 Euro sowie Panorama-Glasdach für 1200 Euro, Kollisionswarnsystem (650 Euro), Rückfahrkamera (420 Euro), erweitertem Parkassistenten (1150 Euro), Black-Design-Paket (3660 Euro) und vielen weiteren Elementen ausgestattet, die sich insgesamt auf knapp 20.000 Euro beliefen.

Somit steht unterm Strich ein Preis von 65.630 Euro zu Buche, mit dem man schon dem nächst größeren Teilespender auf die Pelle rückt. Denn nicht nur beim Range Rover Sport, dessen Preise bei 59.600 Euro starten, sondern auch beim Evoque müssen viele darauf hoffen, dass sie erben, um an die Schönheit zu gelangen.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.