Porsche Boxster S: Nah dran am 911er

315 PS

Porsche Boxster S: Nah dran am 911er
Der Porsche Boxster S verführt schnell zur Grenzüberschreitung. © Porsche

Das Image eines Frauenlieblings schleppt der Porsche Boxster von Beginn mit sich herum. Doch mit den Genen der dritten Generation nähert sich das Einstiegsmodell der Zuffenhausener ganz nah an die Sportwagenikone heran.

Nein, ein Hausfrauenporsche war der Boxster S noch nie. In der inzwischen dritten Generation erst recht nicht. Schon der allererste Boxster war schneller als die allermeisten alten Elfer, der S sowieso. Warum dem Mittelmotor-Roadster aus Zuffenhausen trotzdem lange das Signet des Frauenautos anhing, könnte damit zusammenhängen, dass Frauen generell nicht ungern Porsche fahren, aber vielleicht nicht unbedingt Unsummen dafür ausgeben wollen. Der Boxster ist für knapp 50.000 Euro nun mal die günstigste Möglichkeit einen neuen Sportwagen von Porsche zu fahren und wenn es ein bisschen mehr sein darf, nimmt man eben den S und nicht zwingend den Carrera.

70.000 Euro sollten für Porsche Boxster S bereitstehen

In unserem Fall durfte es ein wenig mehr sein, was im Falle des Boxsters heißt, 315 PS statt 265 PS, 277 km/h Spitze statt 262 km/h. Dafür verlangt Porsche einen Aufpreis von rund 10.000 Euro. Ab 60.191 Euro steht der Boxster S in der Preisliste, allerdings ist noch reichlich Luft nach oben. Das kennt man von Porsche und hat sich daran gewöhnt. Schon das empfehlenswerte PDK-Getriebe erfordert einen Zuschlag von knapp 2000 Euro. Mit Vollleder, Navi, Sportchrono-Paket und allerlei Kleinigkeiten bekommt man den Zweisitzer schnell über die Grenze von 70.000 Euro. Aber das geht bei einem Elfer genauso gut und der fängt in seiner offenen Daseinsform sechsstellig erst an.

Aber genug der Zahlen, ran ans Auto. Das wirkt nicht nur breit, es ist es auch. Auf engen Landstraßen erfordert das ein wenig Augenmaß, vor allem wenn einem verirrte Lkw begegnen. Dann muss man eben Mut zur Grasnarbe haben. Dem Boxster macht das nichts. Sobald die Straße frei wird, lebt er richtig auf. Gasfuß leicht durchdrücken, dass die Nadel des Drehzahlmesser die 4000er-Marke passiert und einfach laufen lassen. Das PDK wählt die passende Übersetzung auf das der Roadster trefflich am Gas bleibt und der folgt jeder kleinen Lenkbewegung. So geht exaktes Autofahren.

Schnelle Grenzüberschreitung mit dem Porsche Boxster S

Geschwungene Landstraßenkurven verleiten dazu, den Grenzbereich zu suchen, aber der ist weit jenseits der erlaubten Geschwindigkeiten angesiedelt. Wo der normale Landautomobilist den Fuß vom Gas nimmt und mit 80 Sachen ums Eck rollt, müssen wir nicht mal zucken. Immer schön den Blick auf den Kurvenausgang und mit dem Popometer die Querbeschleunigung spüren. Sehr schön und man hat gar keine Zeit auf den Tacho zu gucken. Der würde einem nämlich verraten das man soeben reichlich Punkte gesammelt hätte, wenn ein Gesetzeshüter zufällig in der Nähe gewesen wäre. Glück gehabt und wieder runter in rechtlich unbedenkliche Sphären des Fahrens.

Auch dort macht sich der Boxster gut, muss dann aber nicht unbedingt ein S am Heck tragen. Mit offenem Dach – das geht bis Tempo 50 in wenigen Sekunden auf Knopfdruck – macht es auch Spaß, einfach zu cruisen und die Landschaft zu genießen, die schon langsam nach Herbst riecht. Dann säuselt der Sechszylinder-Boxer hinter den Sitzen. Man könnte ihn per Knopfdruck akustisch schärfer schalten und sonorer klingen lassen, aber man muss nicht. Diesen kleinen Spaß überlassen wir der Racer-Fraktion, schneller wird man dadurch aber nicht.

Porsche Boxster S mit Alltagsqualitäten

Der Porsche Boxster S verführt schnell zur Grenzüberschreitung.
Mit dem Porsche Boxster S kann auch schön gecruist werden Porsche

Porsche-Sportwagen waren noch nie besonders durstig im Verhältnis zur gebotenen Leistung. Das gilt auch für unser Testmobil. Porsche verspricht einen Normwert von acht Litern Super. Den kann man erfahren, wenn man mit leichtem Gasfuß schlendernd unterwegs ist. Weil das Temperament des Fahrzeugs aber allzu oft das des Fahrers oder der Fahrerin herausfordert, wird das im Alltag nichts. Aber unser Testverbrauch von 9,7 Litern ist aller Ehren wert für ein Auto, das fast 280 km/h schnell ist und auf dem Tacho leicht bergab fast schon eine Drei vorne anzeigt.

Zum Abschluss unserer Runde beweist der Boxster nochmal Alltagsqualitäten der ganz gewöhnlichen Art. Der Wochenendeinkauf im Supermarkt passt locker in die beiden Kofferräume vorne und hinten, es sollte allerdings nichts Sperrigeres als eine Bier- oder Wasserkiste dabei sein. So gesehen wäre er schon der Porsche für die Hausfrau, aber die nimmt vielleicht heute eher einen Cayenne. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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