Porsche 911: Neue Leichtigkeit des Fahrens

Der Porsche 911 kostet knapp über 120.000 Euro. © Porsche

Wenn ein neuer Porsche 911 auf den Markt kommt, dann sind die Erwartungen der Kunden an den Sportwagen der Zuffenhausener hoch. Sehr hoch sogar.

Schließlich hat sich der Autobauer bei diesem Modell nicht weniger ins Lastenheft geschrieben, „als den besten Sportwagen der Welt“ zu bauen, wie Projektleiter Andreas Pröbstle nicht müde wird zu betonen. Dieses Auto sei schließlich das „Herz der Marke“.


Wer derart hohe Erwartungen weckt, der muss sich daran auch messen lassen. Denn ein Kunde, der für den 911 Carrera S mindestens 120.125 Euro auf den Tisch legt, hat einen anspruchsvollen Geschmack: er möchte schlicht das Beste, was es im Sportwagensegment zu bekommen gibt. Damit er das auch bekommt, hat Pröbstle mit seinem Team alles gegeben, um die achte Generation noch perfekter zu machen als den Vorgänger.

30 PS mehr Leistung, 30 Nm mehr Drehmoment

Dass das kein einfaches Unterfangen ist, liegt bei einem Auto auf der Hand, bei dem man schon beim Vorgänger, dem 991, gesagt hat: Viel besser geht nicht. Geht es doch. Der Blick auf die Leistungsdaten klingt schon einmal vielversprechend: Dort stehen beim überarbeiteten Sechszylinder-Boxermotor eine Leistung von 450 PS (+ 30 PS) und ein maximales Drehmoment von 530 Newtonmetern (+ 30 Nm). Mit so viel Power unterwegs, unterbot der neue 911er Carrera S auch die Rundenzeit seines Vorgängers auf der Nordschleife des Nürburgrings in 7:25 Sekunden fünf Sekunden schneller.

Natürlich sei die Rundenzeit auf der Nordschleife nach wie vor eine Referenz, sagt Rallyelegende Walter Röhrl. Doch viel wichtiger als der Zuwachs an Leistung („Das ist nur wichtig für den Stammtisch“) ist für Röhrl die Leichtigkeit, mit der der neue 911er zu fahren ist: „Dieses Auto lässt sich noch viel einfacher bewegen als sein Vorgänger, es verzeiht dem Fahrer viel, viel mehr.“

911er mit breiterer Spur

Der Drehzahlmesser arbeitet im Porsche 911 noch analog, die restlichen Anzeigen digital. Foto: Porsche

Das liegt an der Fahrwerksgeometrie. So haben die Entwickler dem Porsche eine neue Mischbereifung verpasst. So kommen an der Vorderachse 20 Zoll-Räder und an der Hinterachse 21-Zoll-Räder zum Einsatz. In der Folge hat sich Spurbreite vorn um 4,6 Zentimeter und hinter um 3,9 Zentimeter vergrößert. Das führt nicht nur dazu, dass die Hinterachse eine bessere Seitenführung aufbauen kann, sondern auch dazu, dass die Traktion des heckangetriebenen Carrea S verbessert wird. Damit sei viel für die Agilität und Stabilität erreicht worden, sagt Röhrl.

Hört sich gut an. Doch spürt das auch jemand, der nicht so perfekt Auto fährt wie ein Walter Röhrl? Er spürt es, wie die Testfahrten rund um Valencia und vor allem auf der aus der MotoGP bekannten Rennstrecke Circuit Recardo Tormo zeigten, auf denen ich einige schnelle Runden absolvieren konnte.

Bei diesen schnellen Runden im Schatten eines GT3 RS wird schnell klar, was Röhrl mit Leichtigkeit meint: Fast mühelos lässt sich der 911er über den knapp über vier Kilometer langen Rennkurs mit seinen 14 Kurven jagen. Die Balance des Fahrzeuges ist brilliant, die Beschleunigung in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 ist so beeindruckend wie der Topspeed von 308 km/h und die präzise Lenkung. Ein Über- oder Untersteuern ist so gut wie kaum feststellbar. Nach den Runden auf dem Circuit Recardo Tormo mit seiner 1,1 Kilometer langen Gerade weiß auch ich als mittelmäßig begabter Fahrer, weshalb Röhrl sich so angetan von der Leichtigkeit des Fahrens im neuen 911er zeigte.

Ein Sensor hört den Regen

Das breite Heck des Porsche 911 muss man mögen. Foto: Porsche

Dass Porsche viel Wert auf Fahrbarkeit unter allen Bedingungen gelegt hat, belegt auch der so genannten Wet-Mode. Er verhindert ein Ausbrechen des Fahrzeuges beim Fahren auf nasser Straße. So sind die in den Radhäusern integrierten Sensoren in der Lage, Geräusche des Regens oder auch von Schnee zu erkennen und die Regelsysteme des Fahrzeuges entsprechend darauf einzustellen.

Die Entscheidung über den Wechsel in den Wet-Mode trifft aber letztlich immer der Fahrer durch den Mode-Schalter am Lenkrad. Den gibt es indes nur mit dem optionalen Sport-Chrono-Paket. Bestandteil dieses Pakets ist auch der Sport Response-Button. Drückt man ihn, stellt der Porsche für 20 Sekunden seine maximale Performance zur Verfügung. Das lernt man bei Überholvorgängen zu schätzen.

Doch zurück zum Wet-Mode: Wer ihn ausprobiert, wird ihn nicht missen wollen. Es sorgt dafür, dass man gerade bei rutschiger Fahrbahn noch sicherer unterwegs ist. Ein Fahrer wie Walter Röhrl braucht so etwas nicht. Eer hat das Auto auch ohne die vielen Assistenzsysteme im Griff. Doch nicht jeder ist ein Walter Röhrl, auch wenn sich manch einer dafür hält. Dieses Klientel kann sich darüber freuen, dass Porsche ihnen das Fahren ihres 911er wieder etwas leichter gemacht hat. Damit heißt es bis zur neunten Generation des 911er vorerst wieder: Viel besser geht nicht.

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