Peugeot e-208: Spaß am stromern

Der Peugeot e-208 kostet über 30.000 Euro. © Peugeot

Der Peugeot e-208 wird im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Die Franzosen haben ein gelungenes Paket geschnürt, allerdings auch zu einem selbstbewussten Preis.

Die Auswahl an elektrischen Kleinwagen mit akzeptabler Reichweite hält sich (noch) Grenzen. Der Renault Zoe ist ein Kandidat, ebenso der BMW i3. Bei den trendigen City-SUVs kämen noch der Hyundai Kona Electric und der Kia e-Soul in Betracht.


In den Startlöchern steht zudem der Honda-e. Aber dann? Fehlanzeige. Doch die Situation ändert sich in wenigen Monaten. Im sogenannten B-Segment – hier fahren Polo, Clio, Fiesta und Co. – legt der französische PSA-Konzern den Schalter um, allen voran die Marke Peugeot.

Der 208 macht im Frühjahr 2020 den Anfang. Ihn wird es sowohl konventionell als Benziner und Diesel geben (beide kommen im Herbst), als auch etwas später als reines Batterie-Fahrzeug. Gleiches gilt für das SUV-Derivat 2008 sowie den DS3 Crossback E-Tense. Das funktioniert, weil die Ingenieure eine dafür geeignete Plattform entwickelt haben, die CMP (Common Modular Platform). Auf ihr basiert auch der neue Corsa, den es ebenfalls in einer elektrischen Variante geben wird. Die Rüsselsheimer müssen jedoch der Mutter in Paris aus strategischen Gründen den Vortritt lassen, kommen aber nur wenige Wochen danach mit ihrem Corsa-e.

50 kWh Batteriekapazität

Das Cockpit des Peugeot e-208. Foto: Peugeot

Technisch gesehen sind die Fahrzeuge Zwillinge, sie unterscheiden sich optisch nur durch ihre markentypischen Karosserien. 50 kWh haben die Entwickler an Batteriekapazität unter die Rücksitzbank gepackt. Ein guter Kompromiss aus Gewicht und Kosten. Der Energieinhalt soll für eine Fahrstrecke von 340 Kilometern gut sein. Ausprobieren konnten wir dies zwar noch nicht, doch die Erfahrung mit anderen E-Autos zeigt, im Sommer dürften Reichweiten um die 300, im Winter um die 250 Kilometer kein Problem sein. Der e-208 könnte damit sogar zum Erstwagen im Haushalt avancieren.

Die erste Fahrt in einem sogenannten Vorserienmodell – die Produktion im slowakischen Werk läuft gerade an – offenbart wenig Überraschendes. Auch der e-208 verhält sich so wie es Elektroautos gewöhnlich tun: gleichmäßiges, leises, aber kraftvolles Beschleunigen. Diese allerdings läuft in dem französischen Stromer in drei unterschiedlichen Ausprägungen ab, je nachdem, welcher Modus aktiviert ist. Drei stehen zur Wahl.

Eco raubt den Spaß

Gestartet wird stets in „Normal“, dann leistet der Elektromotor nicht die vollen 136 PS, sondern nur noch 109 PS, entsprechend zahmer geht es voran. In Stellung „Eco“ nimmt die Software die Leistung nochmals um 20 kW zurück. Der Spaßfaktor bleibt dann allerdings vollends auf der Strecke. Es dürfte wenige Kunden geben, die derart schleichend unterwegs sein wollen.

Bei der Rekuperation, also der Stromgewinnung im Schubbetrieb oder beim Bremsen, entschied sich Peugeot zu einer zweistufigen Auslegung, was für den Alltag auch völlig reicht. Die geringere Verzögerung durch den E-Motor entspricht jener, die wir auch von einem Verbrennungsmotor gewohnt sind. Auf den Modus „Segeln“ verzichteten die Entwickler ganz, da dieser, wenn überhaupt, nur auf der Autobahn zum Tragen käme, wenn längere Rollphasen möglich sind. „Ein e-208 aber hält sich jedoch eher im urbanen Umfeld auf“, sagt Sylvain Chereau, Produktmanager E-Fahrzeuge.

Dreiphasiger Onboard-Lader

Spendabel zeigte sich die Peugeot-Strategen in Sachen Lademanagement. Der e-208 kommt für Wechselstrom serienmäßig mit einem dreiphasigen On-board-Lader und verträgt bis zu 11,0 kW Ladeleistung, kann so die leere Batterie, beispielsweise zu Hause an einer Wallbox, innerhalb von fünf Stunden wieder auf 100 Prozent laden.

Dies ist auch der Grund, warum der e-208 mit 30.450 Euro rund 500 Euro teurer ist als der Corsa-e, der lediglich über einen einphasigen Lader verfügt und entsprechend länger am Kabel hängt. Deutlich zügiger geht es natürlich an einem Quick-Charger, wie sie an der Autobahn stehen. Bis zu 100 Kilowatt Gleichstrom können dann in die Batterie fließen. Innerhalb von 30 Minuten wäre sie zu 80 Prozent wieder gefüllt. Und schon heute ist die Infrastruktur soweit ausgebaut, dass man mit dem e-208 mit zwei bis drei Ladepausen durchaus von Hamburg nach München fahren könnte.

Beim Design kaum Unterschiede

Das ansehnliche Heck des e-208 von Peugeot. Foto: Peugeot

Äußerlich erkennen nur Eingeweihte, dass gerade ein elektrischer 208 um die Ecke biegt. Das kleine „e“ auf dem hinteren Dachpfosten (C-Säule) entlarvt den Stromer. Und wer genauer hinschaut, entdeckt noch den blau-grün schimmernden Löwen im Grill, abhängig davon, aus welchem Blickwinkel man das Raubtier betrachtet. Im Innenraum bleibt Peugeot bei dem sogenannten i-Cockpit, also dem kleinen Lenkrad mit darüber angeordneten Armaturen. Sie allerdings sind jetzt in 3D-Optik ausgeführt, die Ziffern scheinen im Display übereinandergeschichtet zu schweben.

Peugeot ist mit dem e-208 damit ein insgesamt attraktives Elektroauto gelungen, gefällig im Design, perfekt in der Größe und mit einem insgesamt gut geschnittenen Paket. Darin enthalten ist auch die achtjährige Garantie auf die Batterie. Über Erfolg oder Misserfolg aber entscheidet letztlich der Kunde. Er muss bereit sein, nicht nur sein gewohntes Nutzungsprofil aufzugeben, sondern auch gut doppelt so viel Geld wie für einen konventionellen Peugeot 208 zu bezahlen. An diesem Dilemma dürfte sich in den nächsten Jahren nicht viel ändern. (SP-X)

1 Kommentar

  1. Spannendes Auto, ich habe den neuen 208er schon im Visier als Nachfolger meines derzeitigen 208.

    Aaaaber: Wenn ich den Allure einmal als Benziner (inkl. 8-Stufen-Automatik) mit 130 PS und einmal als Elektro mit den beschriebenen 136 PS konfiguriere, komme ich auf eine Preisdifferenz von fast 9000 €!!! Unter einigen Annahmen, was Steuern, Verbrauch und Wartungskosten angeht, komme ich für mich persönlich auf eine Haltedauer von 10 Jahren, bis diese Differenz mit dem Elektro herausgefahren werden kann. Da muss man schon Elektro-Fan sein, um sich darauf einzulassen… Gruß, Flox

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