Opel Insignia GSi: Wiederbelebung eines emotionalen Kürzels

Zwischen Serie und OPC

Der Opel Insignia GSi Grand Sport. Foto: Opel
Opel füllt das GSi-Kürzel mit neuem Leben. © Opel

Opel lässt das Kürzel GSi wieder von der Leine. Als erstes Modell erhält der Insignia sportliche Ausstattungen für die bekannten Motoren.

1984 wurde die Anschnallpflicht für Pkw-Fahrer eingeführt und die DDR erhielt einen Milliardenkredit von der Bundesrepublik Deutschland, in der Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Zudem führte Opel in diesem Umfeld das Kürzel GSi beim Kadett E und dem Manta ein. Für damalige Zeiten beachtliche 116 PS brachten die Grand Sport Injection (GSi) auf den Asphalt und hielten bis 1998 die sportliche Speerspitze der Rüsselsheimer aufrecht, ehe die Fahrzeuge des Opel Performance Centers (OPC) das Kürze GSi zu Grabe fuhren.


20 Jahre später beleben die Opelaner das Kürzel mit dem Insignia als Vorreiter neu, dem bald der Corsa GSi als zweites Modell folgen wird. Optisch setzt sich das Flaggschiff dank um zehn Millimeter tiefer liegender Karosserie, einem kleinen Heckspoiler, sowie verchromter Umrandungen der Nebelscheinwerfer, Lufteinlässe und der beiden Auspuff-Endrohre vom Serien-Insignia ab.

Unberührtes Motorenprogramm für den Insignia GSi

Im Innenraum sorgen die extra angefertigten Sportsitze in der Form einer aufgerichteten Königscobra nicht nur visuell für Eindruck. Die Sitze mit dem Siegel AGR (Aktion Gesunder Rücken) können ganz individuell eingestellt werden und verschaffen kleinen wie kompakt gebauten Passagieren den richtigen Seitenhalt. Für Komfort sorgt die Massagefunktion, damit die Fahrt gut angegangen werden kann. Ein Sportlederlenkrad sowie die unvermeidliche Alu-Pedalerie dürfen ebenso nicht fehlen wie diverse Chromelemente. Serienmäßig ist das IntelliLux LED Matrix-Licht an Bord.

Das Motorenprogramm hingegen hat Opel unberührt gelassen. Für stärkere Triebwerke bleibt die OPC-Abteilung zuständig. So wird der Insignia GSi entweder von einem zwei Liter großen Direct Injection Turbo mit 260 PS oder einen gleich großen BiTurbo-Diesel mit 210 PS angetrieben, die auch dem normalen Serien-Insignia zur Verfügung stehen. Dabei geraten die Sprintfähigkeit über 7,3 und 7,8 Sekunden sowie die Höchstgeschwindigkeit von 250 und 233 km/h in den Hintergrund.

Fahrwerk macht den Unterschied

Das Cockpit des Insignia GSi. Foto: Opel
Auf sportlich hat Opel das Cockpit des Insignia GSi getrimmt. Foto: Opel

Denn dass sich der GSi von dem normalen Insignia absetzt, liegt an dem speziell entwickelten Fahrwerk unter der Federführung von Volker Stryzek. Der Leiter des Opel Performance Centers hat dem Flexride-Fahrwerk kürzere Federn zukommen lassen, mit denen Stoßdämpfer und Lenkung schnellere Eingriffszeiten erhalten. Die speziellen Sportstoßdämpfer reduzieren die Karosseriebewegungen, sodass der Insignia GSi auf abgesperrten Strecken nicht nur auf eng gesteckten Slalomkursen die Contenance bewahrt. Opel spricht davon, dass auch ein Untersteuern bei der Ausfahrt aus der Kurve heraus kaum möglich sei. Deutlich werden die Unterschiede durch Testfahrten über den Nürburgring. Dort war der neue GSi schneller unterwegs als die viel stärker motorisierte OPC-Variante des Vorgänger-Insignia.

Ein spezieller Competition-Modus erlaubt dem Fahrer, gerade diese Grenzen der 4,91 Meter langen Limousine Grand Sport oder des fünf Meter langen Sports Tourer genannten Kombi noch stärker auszutesten. Dann schaltet sich das ESP aus. Übertreibt es aber der Fahrer, eilt der Schleuderblocker kurz vor der Katastrophe zu Hilfe. Die Brembo-Bremsanlage tut ihr Übriges. Und das ist auch gut so.

Opel Insignia GSi ab 45.595 Euro

Der Opel Insignia GSi Sports Tourer. Foto: Opel
Auch als Sports Tourer ist der Insignia GSi unterwegs. Foto: Opel

Denn der Insignia GSi legt seine eigentlichen biederen Gene sehr schnell ab und verleitet den Fahrer möglicherweise zum Leichtsinn. Die für die optionalen 20-Zöller empfohlenen High-Performance-Reifen Michelin Pilot Sport 4 sowie der Allradantrieb helfen beim Spurhalten. Die Schaltwippen der Achtgang-Automatik forcieren dagegen die Gier auf sportliche Erlebnisse auf dem Asphalt.

Abseits von abgesteckten Kursen offenbart der Insignia GSi auch seine Alltagstauglichkeit. Im Modus „Tour“ wird das straffe Fahrwerk etwas gelockert, sodass die Komfort verwöhnten Insassen sich nicht um ihre Knochen sorgen müssen. Wer zudem den Kombi geordert hat, kann Gegenstände auf bis zu 1665 Litern unterbringen. Für die Limo stehen immerhin bis zu 1450 Liter zur Verfügung. Für die Sicherheit greift Opel auf die vorhandenen Assistenzsysteme sowie das Telematiksystem OnStar zurück.

Wer auf die Komfort- und Sicherheitselemente verzichtet, legt mindestens 45.595 Euro für den modernen und sportlichen Diesel auf den Tisch des Händlers. 1800 Euro mehr kostet der edle Benziner mehr, die Kombivarianten jeweils weitere 1000 Euro. Wer die 20-Zöller ordert, Panoramaglasdach oder Assistenzsysteme, hat schnell die 50.000 Euro überschritten. Weitere Kosten erzeugt der alltägliche Verbrauch. Während der Diesel theoretisch 7,3 Liter verbrauchen soll, sind es beim Benziner 8,7 Liter. Wer allerdings das von Strycek konzipierte Fahrwerk ausgiebig testen möchte, landet im zweistelligen Bereich. Für Strycek kein Problem. Für den ehemaligen Rennprofi schließt sich ein Kreis. Der heute 60-Jährige war der erste Gesamtsieger der DTM – damals, 1984.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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