Ökologisches Gewissen im Colt

Mitsubishi Colt 1.3 Cleartec

Der Mitsubishi Colt Cleartec
Der Mitsubishi Colt Cleartec © Foto: Mitsubishi

Mitsubishi hat dem Colt lohnende Spritspartechnik eingebaut. Der hauptsächlich für den Stadtverkehr konzipierte Kleinwagen hat aber auch über Land seine Stärken.

Von Benjamin Palm

Das "ökologische" Gewissen eines Autofahrers beruhigen Spritsparmodelle wie der Mitsubishi Colt Cleartec. Dank Start-Stopp-Automatik und Leichtlaufreifen verbraucht der japanische Kleinwagen weniger Kraftstoff als "normal" ausgerüstete Fahrzeuge ohne Spritspartechnik. Kombiniert mit einem 70 kW/95 PS starken Benziner beginnt sein Preis bei 13.990 Euro.

Nüchtern gestalteter Innenraum

Der 3,94 Meter lange Colt, der auf der gleichen Plattform wie der nicht mehr gebaute Smart Forfour basiert, ist optisch unauffällig. Passanten drehen sich auf der Straße eher selten nach ihm um. Die Front dominiert der haifischmaulartige Kühlergrill unter der rundlichen Motorhaube, das an dem kleinen Modell unpassend wirkt. Der Vermerk "Cleartec" am steil abfallenden Heck verweist auf die verbrauchssenkende Technologie in dem fünftürigen Stadtwagen.

Nüchtern gestaltet ist der Innenraum. Im Cockpit herrscht weitgehend Hartschalenplastik vor, das durch eine Strukturmaserung optisch ein wenig aufgewertet wird. Die beiden Vordersitze bieten kaum Seitenhalt, sind ansonsten aber bequem gepolstert und auch für längere Strecken geeignet. Die Sicht auf den vorausfahrenden Verkehr ist in Ordnung, rückwärtig wird der Blick durch breite C-Säulen und das recht kleine Heckfenster getrübt. Der Fahrer erreicht problemlos alle Knöpfe und Bedienelemente, die sich weitgehend selbst erklären.

Probleme mit dem Gebläse

Nüchterner Innenraum Foto: Mitsubishi

Nur beim Einschalten des Heizgebläses ist Obacht geboten: An kälteren Tagen führt es zunächst zu einem stärkeren Beschlagen der Frontscheibe, die erst nach 30 Minuten Gebläse-Höchstbetrieb bei nerviger, lauter Geräuschkulisse wieder frei ist und die Sicht bis dahin erheblich einschränkt hatte. Für die Mitnahme von bis zu drei Kindern ist die Rückbank geeignet, Erwachsene sollten aus Platzgründen nur zu zweit im Fond sitzen. Die Kopf- und Beinfreiheit lässt vorn wie hinten keine Wünsche offen.

Gespart wird aber am Kofferraum: Standardmäßig bietet er Platz für 186 Liter, was selbst für ein kleines Stadtauto recht wenig ist. Mit Mühe passen zwei Getränkekästen hinein. Wer den wöchentlichen Einkauf erledigen möchte, muss die zweigeteilte Fondbank mit drei Handgriffen umklappen. Das Volumen wächst dann auf beträchtliche 1032 Liter.

Stadt als Haupteinsatzgebiet

Laute Motorengeräusche bleiben aus Foto: Mitsubishi

Das Herzstück des japanischen Frontrieblers ist die Spritspar-Technik. Sie lässt sich zwar auch mit dem Einstiegsbenziner kombinieren, besser für die Fahrdynamik ist die Kombination mit dem stärkeren Motor, einem Vierzylinderbenziner mit 70 kW/95 PS. Der 1,3-Liter-Ottomotor erweist sich selbst auf Autobahnen in der Lage, ein hohes Tempo vorzulegen. Eine Reisegeschwindigkeit von 130 km/h gelingt problemlos, die von Konkurrenten bekannten lauten Motorengeräusche bleiben weitgehend aus.

Das Haupteinsatzgebiet von Kleinwagen und Aggregat ist die Stadt, wo ohne Aufsehen im Verkehr mit geschwommen wird. Zwingt eine Ampel den Fahrer zum Anhalten, schaltet die Start-Stopp-Automatik den Motor ab, wenn die Bremse betätigt und ausgekuppelt wird. Legt der Fahrer über die einwandfrei durch die Gassen flutschende Fünfgang-Handschaltung einen Gang ein, startet der Benziner sofort wieder und es geht weiter. In der Praxis funktioniert das System gut. In den Morgenstunden bei Temperaturen unter drei Grad Celsius wird das Aggregat zwar nicht ausgeschaltet, dies ist jedoch gewollt, um Motor und Fahrzeuginnenraum auf Temperatur zu bringen.

Angenehme Federung

Zusammen mit unter anderem Leichtlaufreifen und Schaltempfehlung für den optimalen Gangwechsel soll das Start-Stopp-System den Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent senken. Der Hersteller gibt den Verbrauch mit nur fünf Litern Super je 100 Kilometern an, in der Praxis benötigt der Mitsubishi Colt mindestens 6,1 Liter Super auf 100 Kilometern. Im Heimatterrain, dem Stadtverkehr, liegt der Verbrauch gar noch höher.

Die Federung ist für die Fahrzeugklasse durchaus angenehm, die Insassen bemerken Unebenheiten der Straße nahezu gar nicht. Das Kurvenverhalten ist jedoch verbesserungswürdig: Der Kleinwagen neigt sich relativ stark, außerdem tendiert er zum Untersteuern. Für die Sicherheit an Bord sorgen serienmäßig Fahrer-, Beifahrer und Seitenairbags. Wird abrupt gebremst, beispielsweise vor einem plötzlichen Stauende, schaltet sich automatisch die Warnblinkanlage ein und warnt somit den nachfolgenden Verkehr.

ESP nur optional

Der Schleuderschutz ESP lässt sich in der Basisausstattung in einem Sicherheitspaket mit Kopfairbags und Scheibenbremsen statt Trommelbremsen hinten für 600 Euro Aufpreis ordern. Wer ein verhältnismäßig günstiges Spritsparmodell fahren will, ist beim Mitsubishi Colt Cleartec mit einem Einstiegspreis von 13.990 Euro gut aufgehoben.

Der Fünftürer ist zwar in der Stadt zu Hause, hält aber auch auf Autobahnen mit. Vergleichbar motorisierte Konkurrenten wie der Nissan Micra sind fast 2000 Euro teurer, andere wie der Opel Corsa verbrauchen wegen fehlender Spritspar-Technik mehr Benzin. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.