Nissan Juke: Das etwas andere SUV

Der Nissan Juke polarisiert mit seinem Design. © Nissan

Der Nissan Juke polarisiert mit seinem Design. Doch damit hebt sich das Modell der Japaner aus der Masse der eher blass daher kommenden SUV positiv.

Diesem angesichts von über eine Million verkauften Exemplaren erfolgreichem Rezept der ersten Generation folgt auch die frisch gestartete Neuauflage. Doch es sind nicht nur äußere Reize, die den Japaner mit französischen Genen interessant machen.


Französische Gene? Anders als der Vorgänger ist die zweite Juke-Generation technisch ein Schwestermodell des Renault Captur. Optisch unterscheidet sich die auf 4,21 Meter Länge gewachsene Nissan-Variante jedoch deutlich von seiner französischen Verwandtschaft. Der Juke ist auch in Generation 2 das Gesicht in der Menge. Zugleich wirkt er deutlich moderner und gefälliger als sein in gewisser Weise doch kurios gezeichneter Vorgänger. Auch dank Zweifarblackierung mit auffälligem Perleffektlack in „Fuji Sunset“-Rot, 19-Zoll-Rädern und scharf dreinblickenden LED-Tagfahrleuchten ist er eines nicht: unauffällig.

Innenraum hat sich positiv verändert

Grundsätzlich als Fortschritt erlebt man den Innenraum, der anders als bisher keine Kleinwagen-Beklemmung mehr auslöst. Vorne ist der Entfaltungsspielraum ordentlich, hinten ausreichend. Der etwas kurze aber dafür tiefe Kofferraum bietet Platz für 422 Liter Gepäck, mit umgelegter Rückbanklehne sind es 1.088 Liter.

Die sportliche Ausstrahlung der von uns getesteten Ausstattungsvariante N-Design findet im Innenraum ihre Entsprechung. Vorne nimmt man auf stark konturierten Sitzen mit in die Lehne integrierten Kopfstützen Platz. Auch chromgerahmte Lüftungsdüsen, das unten abgeflachte und griffige Lederlenkrad, ein mit Alcantara tapeziertes Armaturenbrett oder der Startknopf in der Mittelkonsole sorgen für sportliche Würze. Zudem gibt es einen Fahrmodusschalter mit der Option „Sport“. In diese Richtung umgelegt, herrscht plötzlich Rotlichtstimmung im Innenraum, nebenbei verhärtet die Lenkung und dreht der Motor die Gänge stärker aus.

Manierliches Alltagsauto

Der Innenraum des Nissan Juke hat durch die Überarbeitung gewonnen. Foto: Nissan

Doch eigentlich ist der Juke weniger Sport- als vielmehr manierliches Alltagsauto mit einigen neuzeitlichen Annehmlichkeiten. Dazu gehört eine vielseitig talentierte Multimediatechnik, die ein problemloses Verbinden von Smartphones erlaubt oder auch internetbasierte Dienste wie Echtzeit-Verkehrsinformationen bereithält. Wird das sogenannte Safety-Shield-Paket gebucht, sind zudem Verkehrszeichenerkennung, Abstandstempomat, Spurhaltesystem und Kollisionsverhinderer an Bord.

Letzterer agiert gelegentlich etwas übervorsichtig. Wer zum Beispiel eng an einem Hindernis vorbeimanövrieren will, muss mit einem Ankerwurf rechnen. Der Bordcomputer sieht die drohende Kollision und aktiviert die Bremse, die dann direkt nach vollzogenem Richtungswechsel wieder gelöst wird. Die Technik arbeitet verlässlich, zudem kann sie für Entlastung bei längeren Autobahntouren sorgen.

Motor fehlt etwas der Durchzug

Die sind nicht unbedingt die Domäne des Juke, denn nach oben raus fehlt es dem vorläufig einzig wählbaren Motor, einem Einliter-Dreiyzlinder mit 117 PS, ein wenig an Durchzugsvermögen. Um die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h zu erreichen, braucht es jedenfalls viel Anlauf. Hohes Tempo verleiden zudem die jeweils parallel steigenden Windgeräusche und der Spritdurst. Letzterer hat sich bei Richtgeschwindigkeit um 8 Liter eingependelt. Laut Hersteller soll der kleine Motor in Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe lediglich 5,1 Liter auf 100 Kilometer konsumieren.

Als durchaus lustvoll erlebt man den neuen Juke in der Stadt. Im Zusammenspiel mit dem schnell die Gänge wechselnden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wirkt der kleine Dreizylinder sogar spritzig. Eindrucksvoll klein ist der Wendekreis, die Lenkung zudem verbindlich und direkt. Entsprechend fühlt man sich leicht dazu verleitet, den 1,2-Tonner auch Mal flott um Ecken zu scheuchen. Lenkbefehle werden sauber umgesetzt, die Wankneigung ist moderat.

Breite C-Säule stört

Das knackige Heck des Nissan Juke. Foto: NIssan

Beim Abbiegen stören kann allerdings die mäßige Übersicht beim Schulterblick dank breiter C-Säule. Das dynamische Talent wurde zudem mit einer Fahrwerkshärte erkauft, die auf holprigen Abschnitten wie Kopfsteinpflaster auch nerven kann. Ebenfalls bisweilen etwas unschön bemerkbar macht sich im Stadtverkehr der raue Lauf des Dreizylinders.

Dreizylinder klingt eigentlich nach günstigen Preisen, doch mit 19.000 Euro für die Basis bewegt sich der neue Juke auf Kompaktniveau. Für die Variante N-Design mit 7-Gang-DCT werden sogar 28.000 Euro fällig. Zusätzlich war unser Testexemplar noch mit Annehmlichkeiten wie Navigation, Safety-Shield-Paket, Bose-Sound, beheizbare Frontscheibe und Zweifarblackierung gerüstet, was den Preis auf fast 31.000 Euro treibt. Fortschritt – und davon hat der Juke einiges zu bieten – hat nun mal seinen Preis. (SP-X)