Nissan Armada: Alles ist so gewaltig

Nissan Armada © Foto: Press-Inform

Selbst für US-Verhältnisse flößt der mächtige Nissan Armada Respekt ein. Der Bruder des europäischen Pathfinder lässt einen Range Rover zum automobilen Spielzeug verkommen.

Von Stefan Grundhoff

Zurückhaltung ist seine Sache nicht. Der Nissan Armada ist insbesondere eines - mächtig. Man besteigt, ja erklimmt ihn fast und sitzt mit stolz geschwellter Brust auf einem wahren Luxusthron. Auf die meisten anderen Verkehrsteilnehmer kann man allenfalls mitleidig von oben herabsehen; so hoch sitzt man. Immer wieder kommt einem dieser Name in den Sinn - Armada - mächtige 5,26 Meter lang und über zwei Meter hoch. Die Amerikaner sind schon ein seltsames Volk. Einen Geländewagen Armada zu nennen, würde sich in Europa wohl kaum jemand trauen. Im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten sieht das ganz anders aus. Und der Name Armada passt weitaus besser zu dem mächtigen Allradler als die wenig greifbare Bezeichnung «QX 56». Dieser Schriftzug ziert das Heck des nahezu identischen Luxus-Schwestermodells aus dem Hause Infiniti.

Motor kaum zu vernehmen

Dabei ist auch der Nissan Armada alles andere als ein müder Krieger. Auch seine Motorisierung ist alles andere als zurückhaltend. Unter der behäbig nach oben aufschwingenden Motorhaube zeigt sich ein gewaltiges Triebwerk amerikanischer Herkunft. Der 5,6 Liter große Achtzylinder leistet mächtige 315 PS und ein Drehmoment von 520 Nm. Die Laufruhe des Vierventilers ist aufreizend lässig. Neben einem Mercedes GL 450 oder einem Range Rover HSE V8 ist einer im Leerlauf nicht zu vernehmen - der Armada. Im Innern ist das nicht anders. Den Lauf des Motors kann man trotz fehlenden Dämmglases nur am Drehzahlmesser verfolgen.

Allradversion zu empfehlen

Nicht nur die Heckklappe hat enorme Ausmaße Foto: Press-Inform

Die sanft schaltende Fünfgangautomatik könnte spontaner auf Gaspedalveränderungen reagieren, arbeitet jedoch dezent und durchaus stimmig im Hintergrund. Die Höchstgeschwindigkeit findet bei 180 km/h ein jähes, weil begrenztes Ende. Wenn er schneller wäre, müsste man wohl bei Bremsen und Steuerung nachjustieren. Denn die Verzögerungswerte würden wohl kaum zu Bestwerten reichen und die Lenkung bleibt ab mittleren Geschwindigkeiten zu indirekt. Der Kunde hat die Wahl: der Nissan Armada ist mit Heck- und Allradantrieb zu bekommen. Schon wegen seines mächtigen Gewichts von mehr als 2,7 Tonnen sollte man sich für die deutlich bessere 4x4-Version entscheiden. Denn mit seinem kraftvollen Drehmoment und der großen Bodenfreiheit kann der Armada als mächtiger Soft-SUV auch im leichten Geländeeinsatz durchaus überzeugen.

Ethanolbetrieb ab Werk

Sein Durst ist so oder so gewaltig. Je nach Lebensraum verbrennt der Nissan Armada 15 bis 20 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Zumindest kann die neueste Nissan-Motorengeneration auch mit einer nahezu beliebigen Mischung aus Ethanol und Benzin betankt werden. Fahrdynamisch ist das Schlachtschiff schon baulich schnell an seinen Grenzen. Die hohe Schwerpunkt und die bewegten Massen haben daran dazu ebenso ihren Anteil wie die 265/70 R 18er Reifen, die in forsch gefahrenen Kurven mächtig walken und einen zu zahmerer und US-tauglicher Gangart animieren. Für Sicherheit sorgt dabei die Komplettausstattung mit ESP, Front-, Seiten- und Kopfairbags für alle drei Sitzreihen.

Endliche Weiten

Platzangst bekommt man im Armada mit Sicherheit nicht Foto: Press-Inform

Der Innenraum ist kaum weniger gewaltig als das Äußere. Die vier bzw. fünf Türen gleichen eher Garagentoren. Immerhin die Heckklappe lässt sich standesgemäß elektrisch öffnen und schließen. Doch Mitfahrer kleineren Wuchses würden sich solche Annehmlichkeiten auch für die vier Einstiege in den opulenten Personenbereich freuen. Doch so muss man die mächtigen Tore nach wie vor manuell öffnen und schließen, um ihn zu besteigen. Vorne gibt es nur zwei Sitze, doch auf der Mittelarmlehne würde wohl auch noch ein Kindersitz Platz finden. Im Fond wird es noch gewaltiger. Die erste Rückbank könnte auch einem Neoplan-Bus entstammen und bietet Raum für drei Personen; die dritte Sitzreihe nochmals für zwei Personen.

Offiziell ist der Nissan Armada somit für sieben Personen ausgelegt. Doch schon aufgrund der durchweg abgedunkelten Seitenscheiben dürfte kaum auffallen, wenn bis zu zehn Personen in dem gefühlten 4x4-Van Platz finden würden. Das Laderaumvolumen liegt zwischen 566 und 2574 Litern. Wem das nicht reicht: der Armada wartet mit einer Zugkraft von gewaltigen 4,5 Tonnen auf.

Unglaublich preiswert

Zahllose Annehmlichkeiten gehören zum Standard Foto: Press-Inform

Damit es im Fond annehmlich ist, gibt es eine getrennte Klimaregelung, DVD-Entertainment im Dach, unzählige Ablagen und Dank 3,12 Meter Radstand insbesondere eines im Überfluss: Platz. Wer die dritte Reihe nicht braucht, zieht an einem Hebel im Laderaum und die Sitze klappen flach in den Boden. Der Sitzkomfort ist angenehm, auch wenn man sich besonders im Fond eine stärkere Konturierung der Bank wünschen würde. Wer will, kann die Sitzbank gleich gegen zwei Einzelsessel austauschen lassen. Gerade beim edlen Schwestermodell Infiniti QX 56 ein gern erwähltes Extra.

Preislich liegen Nissan Armada 5.6 V8 in der Basisausstattung SE und der Infiniti QX 56 weit auseinander und sind nach europäischen Maßstäben trotzdem unglaublich preiswert. Es geht los bei kargen 35.230 US-Dollar für den SE, macht umgerechnet gerade einmal 26.300 Euro - ohne Rabatte. Der prächtig ausgestattete LE mit 20 Zoll großen Alufelgen, elektrischen Ledersitzen, DVD-Navigation und Keyless-Go startet bei 41.750 Dollar (rund 32.000 Euro). Noch edler ausgestattet kostet der bauähnliche Infiniti QX 56 als Allradler nahezu konkurrenzlose 55.250 Dollar (41.500 Euro). Auf dem deutschen Importmarkt wird der Infiniti QX 56 dagegen erst ab rund 60.000 Euro angeboten.