Mini Cabrio: Sehnsucht nach der nächsten Kurve

Das Mini Cooper Cabrio. ©

Das Kultauto Mini wird es ab Juli auch als Cabrio geben. Der Kleine überzeugt durch sein durchdachtes Dachkonzept und ein exzellentes Fahrwerk.

Frank Mertens

Es gibt Hersteller, die würden viel darum geben, wenn eines ihrer Autos einmal Kultstatus erlangt. BMW braucht sich darum keine Gedanken zu machen. Mit dem Mini haben die Bayern dieses Ziel längst erreicht.

Topmodell mit 170 PS

Doch die Erfolgsgeschichte der Mini-Limousine soll jetzt mit dem Cabrio fortgeschrieben werden. Ab dem 3. Juli steht der Neue bei den Händlern: Erst wird den Kunden das Mini One Cabrio mit 66 kW/90 PS und das Mini Cooper Cabrio (85 kW/115 PS) präsentiert, bevor ab August der Cooper S mit 125 kW/170 PS zu erhalten ist. In ihr neues Modell setzt die BMW Group große Hoffnungen. «Das Cabrio soll zukünftig zwischen 20 bis 25 Prozent des gesamten Mini-Absatzes ausmachen», sagte BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal bei der Vorstellung in Marseille.

Die Überrollbügel des Mini.

Mit den bisherigen Absatzzahlen des in Oxford produzierten Mini ist der Münchner Autobauer mehr als zufrieden. Die Absatzzahlen von rund 176.000 Stück in 2003 stellen im Vergleich zu 2002 eine Steigerung von 22,4 Prozent dar, wie Ganal sagte. Und im ersten Quartal dieses Jahres konnten zwölf Prozent mehr Minis abgesetzt werden als im Vorjahreszeitraum. Das neue Mini-Cabrio könnte in der Tat das Zeug dazu haben, die Erfolgsgeschichte der Limousine fortzuschreiben. Denn das Cabrio sieht weiterhin wie ein Mini aus: Durch eine leicht nach hinten ansteigende Gürtellinie wird dem Kleinen ein kraftvolles Äußeres verliehen.

Angepriesen wird das 3,63 Meter lange Cabrio als vollwertiger Viersitzer. Doch das ist ein wenig übertrieben. Zwar können auf den hinteren beiden Sitzen durchaus zwei Erwachsene Platz nehmen, doch allzu lange dürften sie es dort nicht aushalten. Denn wirklich komfortabel ist das nicht - für eine kleine Spritztour reicht es allemal.

Eingeschränkte Sicht nach hinten

Die Rückansicht des Mini.

Die Kopfstützen der Fondpassagiere sind gelungen in den Überrollbügel integriert. Der schick aussehende Aluminiumbügel sorgt allerdings für eine eingeschränkte Sicht nach hinten: Das muss auch den Mini-Machern bewusst gewesen sein: Denn die elektronische Einparkhilfe für hinten gehört bei allen Modellen zur Serienausstattung. Ausgesprochen bequem sitzen dafür Fahrer und Beifahrer: Selbst großgewachsene Personen jenseits von 1,80 Metern fühlen sich dort ausgesprochen wohl.

Das Cockpit des Mini.

Das Cockpit des kleinen Briten ist übersichtlich gestaltet. Der Drehzahlmesser und der Tachometer sind auf der Lenksäule im direkten Blickfeld des Fahrers angebracht und selbst bei geöffneten Verdeck gut ablesbar, was allerdings auf den digitalen Kilometerzähler oder die Anzeige des Durchschnittsverbrauch nicht zutrifft. In der Mitte der Instrumententafel ist entweder das optional erhältliche Navigationssystem angebracht, oder das Rundinstrument, das über Tankinhalt, Öl- und Wassertemperatur sowie den Öldruck informiert.

Die Bedienelemente für die elektrischen Fensterheber oder das abstellbare DSC befinden sich gut erreichbar hinter der Schaltung. Die Verarbeitung des Mini wirkt hochwertig. Große Ablagemöglichkeiten sucht man allerdings vergeblich: In den Türen und im Handschuhfach lässt sich nur das Nötigste verstauen. Aber wer erwartet von einem Mini schon ein Raumwunder! So fasst der Kofferraum bei geschlossenem Verdeck 165 Liter Gepäck, bei offenem Dach sind es 120 Liter, klappt man die Rücksitzlehnen herunter, kommt man auf 605 Liter.

Gelungene Dachkonstruktion

Das Dach des Cabrio.

Als ausgesprochen gelungen kann die Dachkonstruktion des Mini bezeichnet werden: Das Cabrio bietet seinem Fahrer dank des in wirklich flotten 15 Sekunden versenkbaren Verdecks das erwünschte Open-Air-Feeling: Per Knopfdruck öffnet sich erst das integrierte Schiebedach, dann das gesamte Faltdach, das sich komplett hinter den Rücksitzen ablegt. Eine Persenning wird nicht mehr benötigt. Die Geräuschentwicklung im Mini ist beim Fahren mit geschlossenem Verdeck akzeptabel. Mit Blick auch auf das bis Tempo 120 km/h bis zu 40 Zentimeter zu öffnende Schiebedach kann man nur sagen: Gut gemacht!

Das kann man von den Fahrleistungen des von uns getesteten Mini mit dem 1,6 Liter-Vierzylinder-Motor mit 115 PS allerdings nur eingeschränkt behaupten, der sein maximales Drehmoment von 150 Nm bei 4500 U/min. erreicht. Unterhalb von diesem 4500 Umdrehungen quält sich der Mini doch merklich, richtig in Fahrt zu kommen. Wer da glaubt, im vierten Gang beim Überholen noch großartig etwas zuzulegen zu haben, wird im 1175 Kilogramm (100 Kilo mehr als in der Limousine) schweren Mini enttäuscht. Da muss schon in den dritten Gang zurückgeschaltet werden, um so richtig Schwung zu holen.

Von 0 auf 100 in 9,8 Sekunden

Der Mini will im wahrsten Wortsinne getreten werden. Daraus machen seine Macher keinen Hehl. Er fühlt sich erst in höheren Drehzahlregionen wohl - erst dort macht es mächtig Spaß, mit ihm unterwegs zu sein. Von 0 auf 100 km/h schafft er es in 9,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 193 km/h. Und wenn man den Mini nahe den roten Drehzahlbereich treibt, geht es richtig zur Sache. Da kommt der von den Machern versprochene Fahrspaß auf.

Die Gänge lassen sich hervorragend einlegen, das Schalten in dem Kleinen wird zum Vergnügen. Dass der Mini in hohen Drehzahlbereichen bewegt werden will, wird allerdings für einen deutlich höheren Verbrauch als dem vom Hersteller angegebenen 7,3 Litern sorgen. Sieht man jedoch vom erhöhten Verbrauch ab, bleibt die Geräuschentwicklung auch um die 6000 U/min. ausgesprochen akzeptabel.

Exzellentes Fahrwerk

Gesteigert wird das Fahrvergnügen im Mini durch das exzellente Fahrwerk. Es lässt nicht die geringsten Schwächen erkennen, die Reifen haben auch bei ausgesprochen flotten Kurvendurchfahrten nahe dem Grenzbereich stets Bodenhaftung. Wie das Fahrwerk ist auch die Lenkung Referenzklasse - im Zusammenspiel mit dem niedrigen Schwerpunkt kommt wirklich so etwas wie das oft von Mini-Leuten zitierte Go-Kart-Feeling auf. Der Fahrer lechzt quasi nach der nächsten Kurve. Hier ist der Mini in seinem Element.

Der Preis für das Mini One Cabrio beginnt bei 18.300 Euro, der Cooper kostet 20.000 Euro und der Cooper S ist ab 24.000 Euro zu haben. Doch wer wirklich auch mal sportlicher mit dem neuen Mini unterwegs sein will, der sollte sich mindestens für den Cooper entscheiden. Besser noch: Man wartet auf den Cooper S. Mit ihm dürfte es nur wenig an der Kraftentfaltung bei diesem ansonsten fast rundherum gelungenem Auto zu mäkeln geben.