Mercedes E-Klasse: Unterwegs mit einem IQ nahe 130

Teilautonom über die A8

Die Mercedes E-Klasse hat in Nevada die Lizenz zum autonomen Fahren
Die Mercedes E-Klasse hat in Nevada die Lizenz zum autonomen Fahren © Mercedes

Klar, die neue Mercedes E-Klasse fährt prima. Doch die zehnte Generation der Business-Limousine der Schwaben kann noch deutlich mehr als nur durch gute Fahrleistungen zu überzeugen. Sie bietet vor allem ein gehöriges Maß an Sicherheit – auch durch teilautonome Fahrassistenzsysteme.

Von Frank Mertens

Mercedes neigt nicht zum Understatement. Schon gar nicht bei der neuen E-Klasse. Sie ist nicht nur "ein Meisterwerk der Intelligenz", sondern auch "die intelligenteste Business-Limousine". In der Pressemappe zur neuen E-Klasse geht es derart vollmundig zu.

Wer sein neustes Modell so selbstbewusst anpreist, der muss sich auch daran messen lassen. Kann die E-Klasse diesem selbstgesteckten Anspruch auch gerecht werden? Schaut man sich die Sache mit der Intelligenz an, dann kann man der zehnten Generation der Business-Limousine ohne Frage einen überdurchschnittlichen IQ bescheinigen. Das trifft gerade auf die vielen Fahrassistenzsysteme zu, mit denen Mercedes das autonome Fahren dem Kunden im Alltag wieder ein Stück näher bringt.

Drive Pilot funktioniert bis 210 km/h

Da ist beispielsweise der so genannte Drive Pilot, ein adaptiver Abstandsassistent. Wird er aktiviert, hält die E-Klasse mittels Radar den Abstand zum Vordermann bis zu einer Geschwindigkeit von bis zu 210 km/h. Wie der Test auf der A8 zeigte, funktioniert das System tadellos und sorgt je nach Verkehrssituation für automatisches Abbremsen oder auch Beschleunigen. Das entlastet den Fahrer merklich - auch deshalb, weil das System in Kombination mit dem Command Online-System die Verkehrssituation im Zusammenspiel mit dem Geschwindigkeits-Piloten über die Kamera erfasst oder im Navigationssystem hinterlegte Tempolimits automatisch bei der Fahrt berücksichtigt.

Dass das System bei winterlichen Außentemperaturen - die es neuerdings ja auch noch Mitte April geben kann - seine Funktionsfähigkeit einbüßt, gehört zwar nicht komplett der Vergangenheit an. Doch die Verfügbarkeit des Systems wurde durch eine beheizte Frontkamera deutlich erhöht.

Vielzahl von Fahrassistenzsystemen

Mercedes E-Klasse
Das Cockpit der E-Klasse Daimler

Wer das System einmal in Aktion erlebt hat und dazu auch noch den aktiven Spurwechselassistenten nutzt - er wechselt bei der Betätigung des Blinkers ziemlich souverän autonom die Fahrspur - der vermag zu verstehen, dass die Schwaben ihrer neuen E-Klasse eine überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigen.

Daneben verfügt die E-Klasse natürlich auch über weitere Fahrassistenzsysteme, die man auch von anderen Modellen der Schwaben kennt: da gibt es beispielsweise nicht nur einen Kreuzungs-, einen Totwinkel- oder einen Notbremsassistenten, sondern auch einen so genannten Park-Piloten. Nichts Neues, meinen Sie? Kennt man ja auch von anderen Herstellern. Nicht ganz. Denn diese E-Klasse parkt nicht nur dann automatisch in Parklücken ein, wenn der Fahrer hinter dem Steuer sitzt, sondern auch dann, wenn er sein Auto bereits verlassen hat. Von außen steuert der Fahrer seine E-Klasse mittels Smartphone-App in Parklücken, die er, wenn er denn selbst am Steuer gesessen hätte, nicht gewählt hätte, weil der dann kaum mehr die Türen hätte öffnen können. Das heißt, dass die E-Klasse mit ihrer Breite von 1,85 Meter auch dort einparken kann, wo insgesamt nur eine Breite von 2,15 Meter besteht.

Remote Parking nettes Gimmick

Das ist ein nettes Gimmick, es funktioniert auch tadellos, aber irgendwie geht das Einparken dann doch schneller, wenn man denn selbst noch am Steuer sitzt. Denn um das Remote Parking zu nutzen, muss man erst mit seinem Auto an einer Parklücke (längs oder quer) vorbeifahren, damit diese von den Sensoren auch erkannt werden, bevor man das Auto verlassen kann. Doch die Zeiten, in den der Fahrer sein Auto selbst auf Parkplatzsuche schickt, sind nicht mehr so weit weg. Zusammen mit Bosch arbeitet Daimler bereits an diesem System - ein entsprechendes Parkhaus soll in den kommenden Jahren seinen Betrieb aufnehmen.

Mit diesen Features ist Daimler auf dem Weg zum autonomen Fahren und der Erhöhung der Fahrsicherheit ganz vorn mit dabei. Und ist die E-Klasse auch in der Lage, diesen guten Gesamteindruck auch beim Fahren beizubehalten? Ja, ist sie. So kann der Kunde zum Marktstart den E 200 mit 184 PS und den E 220 d mit 194 PS zum Marktstart ordern, ehe im Sommer der E 350 d mit 258 PS und ein Sechszylinder folgt. Das sind Aggregate, die kaum Wünsche offen lassen, vor allem nicht bei den Selbstzündern. Denn hier bieten die Schwaben bei den Vierzylindern eine neue Motorengeneration an, die intern als OM 654 firmiert. Es sind Motoren, die bereits die EU6-Abgasnorm erfüllen und bereits darauf ausgelegt sind, auch die künftig geltenden Grenzwerte nach den so genannten Real Driving Emissions (RDE) zu erfüllen.

Neue Motoren mit guten Verbrauchswerten

Die neue Mercedes E-Klasse kommt gut an
Das Heck der neuen Mercedes E-Klasse Daimler

Ein Aspekt, der für Mercedes nicht unwichtig ist, hat man doch auch wie andere Hersteller mit deutlich erhöhten Stickoxid-Werten bei seinen Fahrzeugen zu tun. Da können die Stuttgarter noch so lange diskutieren, dass sie sich mit dem so genannten Thermofenster im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegen – doch ein Teil ihrer Modelle stößt einfach zu viel Schadstoffe aus. Die Untersuchungen hierzu dauern derzeit noch an.

Mit Blick auf die neuen Motoren können die Schwaben derzeit selbstbewusst feststellen, dass der E 220 d mit seinen 194 PS auf einen NEFZ-Verbrauch von gerade einmal 3,9 Liter kommt, was einer CO2-Emission von gerade einmal 102 g/km entspricht. Doch zu Lasten der Fahrleistungen geht das nicht. So beschleunigt die Limousine in flotten 7,3 Sekunden auf Tempo 100 und bringt es auf ein maximales Drehmoment von 400 Nm, mit denen man in Kombination mit der serienmäßigen Neungang-Automatik ziemlich souverän unterwegs ist.

Dass dabei der Komfort nicht zu kurz kommt, versteht sich bei einer Business-Limousine von selbst. Dafür sorgt nicht nur eine optionale Luftfederung und ein auf die verschiedenen Bedürfnisse des Fahrers abzustimmendes Fahrwerk. Natürlich hat dies alles seinen Preis – denn Intelligenz gibt es weder in der Schule zum Nulltarif, schon gar nicht bei Mercedes. So muss man für die neue E-Klasse mindestens 45.303 Euro auf den Tisch des Händlers legen. Dafür bekommt man dann aber auch ein Modell mit einem IQ um die 130. Denn als hochbegabt kann man die neue E-Klasse schon bezeichnen.