Mercedes C-Klasse All-Terrain: Elegant ins Gelände

Mercedes C-Klasse All-Terrain: Elegant ins Gelände
Die Mercedes C-Klasse All-Terrain sieht optisch ansprechend aus. © Daimler

Mercedes bietet die neue C-Klasse nun auch als All-Terrain-Variante an. Damit kann man mit dem Kombi der Schwaben auch mal abseits befestigter Straßen unterwegs sein.

Mit der C-Klasse All-Terrain spricht Mercedes alle die Kunden an, die keinen SUV fahren wollen, aber dennoch höher sitzen wollen. Bei All-Terrain machen vier Zentimeter den entscheidenden Unterschied. So viel höher liegt die mindestens 53.015 Euro teure C-Klasse All-Terrain als der konventionelle Kombi.


Doch das allein reicht nicht für Offroad-Flair. Also müssen noch Radlauf-Verkleidungen aus Kunststoff her und ein markanter Unterfahrschutz an Front- und Heckstoßfänger. Und konsequent ist Mercedes beim Thema Antrieb. Während es so viele SUV mit bloß einer einzigen angetriebenen Achse gibt, lassen die Untertürkheimer keinen All-Terrain ohne das 4Matic-Badge auf die Straße. Wenn schon, denn schon. Der Hersteller war sich außerdem nicht zu schade, den S206 (so heißt die C-Klasse intern) mit der rustikalen Optik auf dem Prüfgelände in Immendingen über unwegbare Pfade zu schicken. Ob grobe Steine, Verschränkung oder extreme Hänge – der All-Terrain vermag es, wesentlich schwierigere Hindernisse als der konventionelle Mercedes-Kombi der Mittelklasse zu überwinden.

Optik als entscheidender Kaufgrund

Ob das nötig ist, sei dahingestellt. Viele Kunden dürften den All-Terrain vor allem wegen der Optik kaufen. Oder vielleicht noch wegen des in der Preisliste als „Komfortfahrwerk“ gepriesenen Chassis mit den besagten vier Zentimetern Höherlegung – indessen eher nicht wegen der Geländetauglichkeit. Zumindest kann man sich kaum über mangelnde Sanftmut beschweren, der robuste Kombi bügelt schlechte Straßen wirklich frappierend wirkungsvoll glatt. Selbst gefürchtete Kanaldeckel oder unzureichend abgesenkte Bordsteine pariert der Allradler ohne nerviges Gepolter.

Vier Zentimeter machen den Unterschied: die Mercedes C-Klasse All-Terrain. Foto: Daimler

So avanciert dieser Mercedes zum geschmeidigen Gleiter mit Langstrecken-Kompetenz. Einen gewissen Nutzwert kann man ihm sowieso nicht absprechen angesichts mehr als 1.500 Litern Kofferraumvolumen im Falle umgeklappter Rücksitze. Bei den Motoren erspart Mercedes den Interessenten die Qual der Wahl – es gibt C 200 (Benziner mit 150 kW/204 PS oder C 220d mit 200 PS. Jeweils kommen noch 20 PS elektrische Unterstützung hinzu. Mit 6,8 bis 7,6 Litern je 100 Kilometern ist die Otto-Version keineswegs gefräßig und der Selbstzünder mit 4,9 bis 5,6 Litern für die gleiche Strecke im gemittelten WLTP-Konsum sogar ausgesprochen sparsam für solch ein erwachsenes Fahrzeug.

Hubraum von gerade einmal 1,5 Litern

Insbesondere der Benziner unterliegt strengen Downsizing-Regularien. So weist der Vierzylinder lediglich 1,5 Liter Hubraum auf – ist aber dennoch alles andere als schwach auf der Brust mit seinen 200 Pferdchen. Als Booster gibt der integrierte Startergenerator noch einmal 200 Newtonmeter Zusatzdrehmoment auf die Kurbelwelle. Den 20 PS starken Elektromotor besitzt neuerdings auch der zwei Liter große Selbstzünder, nicht zuletzt, um das Turboloch zu eliminieren. Beide Aggregate lassen jedenfalls keine Wünsche nach mehr Leistung offen – souveränes Fortkommen ist stets garantiert und macht sich je nach Leistungseinsatz mit wohligem Druck im Kreuz bemerkbar.

So beschleunigen die beiden Kandidaten innerhalb von 7,5 respektive 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h – was als moderat sportlich durchgehen darf. Dabei klingt der Otto noch ein bisschen kerniger als der Diesel – verkehrte Welt. Noch wichtiger als die Performance beim Durchbeschleunigen ist, dass der Neungang-Wandlerautomat in jeder Lebenslage den richtigen Gang parat hält und Gaspedalbefehle spontan in Vortrieb umsetzt. Allerdings ist das Getriebe manches Mal einen Tick zu übereifrig und schaltet eine Stufe zu viel zurück, was dann mit hoher Drehzahl quittiert wird.

Riesen-Screen im Innenraum

Ein Meister des Infotainments ist die C-Klasse übrigens mit ihrem Riesenscreen (knapp zwölf Zoll) in der Mittelkonsole und dem optionalen (1.178 Euro) Head-up-Display. Wem das Hauptmenü zu kompliziert ist – und es kann tatsächlich so sein, dass man für die Zielfunktion ganz schön lange braucht beim Durchtatschen –, sollte einmal die Sprachsteuerung ausprobieren. Das MBUX-System der neuesten Generation kann akustische Befehle tatsächlich erstaunlich gut verarbeiten. Ungeduldige, die nach der Aufforderung „hey Mercedes“ zur Aktivierung der Spracherkennung einfach ohne Pause drauflos plappern und vielleicht auch noch nuscheln, landen trotzdem höchstwahrscheinlich einen Treffer.

Ein riesiger Screen bestimmt den Innenraum in der Mercedes C-Klasse All-Terrain. Foto: Daimler

Ein Extra sei dem Interessenten der Mercedes-Mittelklasse ans Herz gelegt: das Assistenzpaket Plus zu 2.500 Euro. Dann übernimmt der 4×4 sowohl Längs- als auch Querführung – will heißen, der Tempomat agiert adaptiv. Damit kann man entspannt mit der Berufskarawane rollen und kommt ohne Betätigung der Pedale durch den zählfließenden Verkehr. Darüber hinaus warnt das System und gibt sogar einen Lenkimpuls, wenn sich ein anderer Verkehrsteilnehmer im toten Winkel tummelt und man die Spur wechseln möchte. Highlight dieses Pakets ist allerdings, dass im Falle eines Seitencrashs blitzschnell Luftkammern in den Sitzen aufgepustet werden, die den Passagier in die Gegenrichtung „schubsen“. Ob viele Kunden „die Spur“ wechseln und die C-Klasse künftig als All-Terrain bestellen werden, bleibt abzuwarten. Dass die C-Klasse als Gesamtbaureihe in Deutschland auch als fünfte Generation wieder vielfach die Straßen bevölkern wird, darf als ausgemachte Sache gelten. (SP-X)

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