Mercedes C 300e: Weit fahren, schnell laden

Mercedes C 300e: Weit fahren, schnell laden
Der Mercedes C 300e. © Daimler

Mercedes setzt mit dem C 300e bei den Plug-in-Hybriden Maßstäbe in Sachen Elektro-Reichweite. Schnell laden kann er indes auch.

Dass ein Stern alles überstrahlt, gilt als Selbstverständlichkeit. Doch mindestens in Stuttgart-Untertürkheim sieht man diese Erkenntnis nicht bloß astronomisch. Kein Wunder also, dass sie „beim Daimler“ mit „Das Beste oder nichts“ werben. Der alte Gottlieb habe das schon gesagt, heisst es. Heutzutage nennt man diesen Anspruch gerne „Benchmark“. Und womöglich fühlt sich mancher da spontan an Benz erinnert. Maßstäbe nämlich setzen sie bei Mercedes gerne.


Bei der neuen C-Klasse ist es ihnen mal wieder gelungen. Die erfolgreichste Baureihe kommt auf mehr als zehn Millionen verkaufte Exemplare – und in fünfter Generation ist sie erstmals komplett elektrifiziert. Und doch ist es ein anderer Wert, der aufhorchen lässt: die Reichweite des neuen Plug-in-Hybrid-Modells, das im September in die Schaufenster kommt. Das Doppelherz, das C 300e heißen wird, kommt rein elektrisch auf 100 Kilometer und mehr. Gottlieb selig dürfte höchst zufrieden sein.

Systemleistung von 312 PS

Blick in den Innenraum des C 300 e von Mercedes. Foto: Daimler

Bei Mercedes hält man den 4,75 Meter langen PHEV für eine Art Destillation aus „weit fahren“ und „schnell laden“. Beides steht schließlich in Sachen E-Mobilität ganz oben auf dem Wunschzettel. Für Daimler-Boss Ola Källenius war daher klar: „Wir wollten einmal mehr die Messlatte als anspruchsvollstes Angebot im Segment höherlegen.“

Und so glänzt der C 300e in der Benz-Paradedisziplin: dem großen Einstieg. Was Türen anbelangt – und Technologie. Eine Systemleistung von 312 PS haben sie dem Wagen verpasst – 204 entstammen dem Motor mit Kolben, 129 dem mit Wicklung. Verbaut ist letzterer samt Leistungselektronik in der Glocke des Neun-Stufen-Wandlers. Dort wo – kleiner dimensioniert – auch die E-Hilfe der Mild-Hybriden sitzt. Das spart Platz.

Akku flach unterm Kofferraum

Den von innen gekühlten Akku (25,4 kWh brutto) haben die Ingenieure flach unter den Kofferraum gepackt. Der büßt zwar runde 130 Liter zum Verbrenner ein, gewinnt aber leicht im Vergleich zum Vorgänger. Und: Die ehemals lästige Stufe ist einer ebenen Ladefläche gewichen. Besonders deutlich legt das T-Modell zu, für das sich hierzulande zwei von drei Kunden entscheiden: Hinter volle Bestuhlung passen 360 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen packt der C 300e Kombi sogar 1375 Liter weg.

Eingefasst von edlen Sitzen thront man schick hinterm Steuer und kann den Plug-in-Hybrid federleicht und strichgenau um alle Radien ziehen. Jedenfalls dann, wenn man die serienmäßige Luftfederung von zart gen hart trimmt. Noch mehr Spaß hat, wer die Allrad-Lenkung ordert. Die macht die C-Klasse nicht bloß wendig im Parkhaus, sondern stabilisiert auch in schnellen Kurven. Am Ende limitieren jedenfalls eher die zusätzlichen Akku-Kilo den Bogenspaß als der gewachsene Radstand.

Artgerechte Haltung aber ist weniger die Flottfahrt als das Reisen per Strom. Bei der rein elektrisch absolvierten Testrunde schwankt die Summe aus Strecke und Restreichweite kaum. Schwäbisch genau halt – und vom Navi klug vorausberechnet und unterstützt. Für einen Kurs von 47 Kilometern schwinden im voll ausgestatten Modell am Ende 53 Kilometer Akku-Leistung. Und das keineswegs in Schleichfahrt. Es darf sogar mal Tempo 140 sein, ohne dass es im Brennraum gewittert. Die magische „100“ scheint also durchaus realistisch. Zumindest für all jene Wagen, die nicht mit „voller Hütte“ unterwegs sind.

Laden mit bis zu 55 kW

Der Mercedes C 300e bei einem Ladestopp an einer Ionity-Station. Foto: Daimler

So oder so: Irgendwann ist selbst mit Zurückhaltung im Fahrstil und maximaler Rekuperation der Saft alle. Laden lässt sich der C 300e serienmäßig mit 11 kW Wechselstrom oder besser noch mit 55 kW Gleichstrom. Damit ist der Akku dann auch in einer halben Stunde voll. Sehr viel länger dauert ein Sprit-Stopp samt Kaffee auch nicht wirklich.

Erholen muss man sich dabei ganz sicher nicht vom Fahren und erst recht nicht vom sechs Grad zugeneigten Cockpit mit dem neuen Hochkant-Touchscreen – womöglich aber von der schieren Menge an Technik. Der Clou der Assistenz ist das dreidimensionale Display hinter dem Lenkrad. Es projiziert schwirrende Richtungspfeile virtuell vors Auto. Das ist im Wortsinn: ganz großes Kino.

Nicht mal mehr lenken und bremsen müsste man, weil die neue C-Klasse auf Wunsch rundum Obacht gibt, automatisch in der Spur bleibt, auf das richtige Tempo achtet, gebührend Abstand hält und – wenn sonst nichts mehr hilft – den Anker wirft. Besonders pfiffig: Der optionale Anhängerrangier-Assistent fürs T-Modell zirkelt das Gespann bis zu 90 Grad um jede Kurve.

Edle Materialanmutung

Der Mercedes C 300e hat eine Reichweite von 100 Kilometer. Foto: Daimler

Material und Verarbeitung sind, wie man es von Mercedes erwarten darf: edel. Zum opulenten Zierrat aus Lack, Holz oder Leder gibt’s Klima-Komfort, Duft-Erlebnis und Musik, die bis in den Sitz wummert. So muss man sich Wohl-Fahrt vorstellen. Für diverse Annehmlichkeiten lässt sich beim C 300e zum Basispreis von sicherlich gut 50.000 Euro gut und gerne noch mal ein fünfstelliger Betrag zusätzlich anlegen. Wen da das Gewissen plagt – zur Wahl stehen auch Naturfasern und für den Boden Recyclinggarn aus alten Fischernetzen.

Für alle, die sich auch von 100 Kilometern E-Reichweite kein bisschen locken lassen: Unter der langen Haube debütieren zum Marktstart im Juni auch Diesel (163 bis 265 PS) sowie Benziner (170 bis 258 PS). Samt und sonders unterstützt von Mild-Hybrid-Systemen, die mit 48 Volt hilfreich unter die Kolben greifen. Auch die hauseigene Attacke-Abteilung AMG hält wieder diverse Ableger bereit. Ein zweites Plug-In-Modell indes könnte das Warten lohnen. Bei identischer Elektro-Technik übernimmt dort auf Verbrenner-Seite ein sparsamer Selbstzünder mit 200 PS. Man darf vermuten, dass auch diese Kombination Maßstäbe setzt.

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