Mazda MX-5: Mehr Leistung für den Retter

Der Mazda MX-5 geht in die vierte Generation. © Busse

Der Mazda MX-5 hat mittlerweile Kultstatus. Den nahenden runden Geburtstag ihres Bestsellers zelebrieren die Japaner angemessen.

Und das geschieht mit mehr Leistung, der Beseitigung einer lang anhaltenden Schwäche und ausgedehnten Fahrten auf einer der spektakulärsten Straßen Europas.


Der MX5 wird wohl das erste Fahrzeug im Bestand der Mazda Motors Deutschland GmbH sein, das mit einem „H“-Kennzeichen geadelt wird: ein MX-5 der ersten Generation, angeschafft zum 20-jährigen Bestehen der Baureihe. Bald wird es 30 Jahre alt sein und darf dann auch offiziell als Klassiker gelten. Die können in Deutschland ein amtliches Nummernschild mit dem Zusatzbuchstaben „H“ für historische Automobile bekommen.

Mazda präsentiert vierte Generation

Doch bevor es soweit ist, präsentiert der japanische Hersteller die neueste Ausgabe der 4. Generation für das Modelljahr 2019. Es ging Mazda nicht gut anno 1989. Offen wurde über den Fortbestand der Marke spekuliert, dennoch trafen die Verantwortlichen mutig eine folgenschwere Entscheidung.

Niemand glaubte so recht an die Zukunft von kleinen, leichten, offenen Zweisitzern, die lange von englischen Namen wie Triumph, MG oder Austin Healey repräsentiert wurden. Mazda entschied sich, einen solchen Wagen auf den Markt zu bringen, in den USA mit dem Beinamen Miata.

Spontaner Freiluft-Genuss

Blick ins Cockpit des Mazda MX-5. Foto: Mazda

Was folgte, war eine beispiellose Renaissance der kleinen Sportwagen. In Deutschland zogen Audi mit dem TT Roadster und BMW mit dem Z3 nach. Für Mazda bedeutete die risikoreiche Neuentwicklung nicht nur einen unerwarteten Schub für den Absatz, sondern auch Einnahmen, die weitere neue Modelle ermöglichte.

Vielfach wurde der MX-5 seither als Retter der japanischen Marke beschrieben. Mehr als eine Million Fahrzeuge sind seit der Premiere auf der Chicago Auto Show 1989 weltweit an Kunden ausgeliefert worden, vor zwei Jahren kam zusätzlich zur Stoffverdeck-Version die RF-Variante dazu. Die Buchstabenkombination steht für „retractable fastback“, elektrisch bewegliche Dachteile machen aus einem MX-5-Coupé einen Targa. Leichtigkeit, Agilität, niedriger Schwerpunkt, direkte Lenkung und knackige Handschaltung gepaart mit einem geschwind versenkbaren Dach für spontanen Freiluft-Genuss haben die Käufer von jeher fasziniert.

Einschränkungen inklusive

Dafür fiel es ihnen leicht, Einschränkungen hinzunehmen, die Allround-Fahrzeuge nicht haben. Die aktuelle Generation bietet 127 Liter Kofferraum, genug für ein Wochenende zu zweit, aber auch nicht mehr. Das verringert die Gefahr, die magere Zuladung von 230 Kilogramm zu überschreiten.

Eine fehlende Längsverstellbarkeit der Lenksäule hielt sie auch nicht von Kauf ab, bedeutete aber für groß gewachsene Fahrer Probleme, eine optimale Position zum Steuerrad zu finden. Dieser Mangel ist nun beseitigt. Sowohl in der Höhe (42 Millimeter) als auch in der Tiefe (30 mm) ist die Position des Volants veränderbar – ein Segen für alle, die wegen langer Beine genügend Abstand zu den Pedalen suchen. Nicht nur wegen des aktives Einflusses auf das Fahrerlebnis ist der Fahrerplatz die bevorzugte Position, sondern auch, weil der Fußraum etwas geräumiger ist als auf der Beifahrerseite.

24 Pferdestärken zusätzlich

Unmittelbaren Einfluss auf das Fahrvergnügen hat natürlich auch die Motorleistung. 160 PS war zuletzt das Maximum, was Mazda für den MX-5 zu bieten hatte. Das war deshalb suboptimal, weil einerseits die ausgewogene Gewichtverteilung und das sportliche Fahrwerk durchaus mehr vertragen hätten, andererseits das Konkurrenzmodell Fiat 124 mit 170 Pferdestärken aufwarten konnte. Optimierungen an Ansaugtrakt, Kolben, Pleuel und anderen Bauteilen sowie die Anpassung an die neue Abgasnorm Euro 6d-temp lassen jetzt 184 PS (135 kW) heraus springen – bei nahezu gleichem Fahrzeug-Gewicht wie zuvor.

Das dürfte die Akzeptanz des Zweiliter-Motors durch die deutschen Kunden weiter steigern, die bisher schon zu mehr als zwei Dritteln die stärkere der beiden Antriebsvarianten  bevorzugten. Der 1,5 Liter große Alternativmotor des Einstiegsmodells hat 132 PS.

Es wird per Hand geschaltet

Geschaltet wird traditionell per Hand. Das Sechsganggetriebe bietet in der längsten Übersetzung einen direkten Durchtrieb von 1:1 im Übersetzungsverhältnis. Zusätzlich im Angebot ist neuerdings für das RF-Modell eine Sechsgang-Automatik, die wahlweise per Schaltpaddel am Lenkrad betätigt werden kann. Sowohl mit manuellem wie mit automatisiertem Getriebe verfügt der MX-5 über eine Start/Stopp-Automatik. Für den Sprint auf 100 km/h benötigt der Roadster mit Top-Motor 6,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 219 km/h.

Der leichtfüßige und agile Auftritt des Zweisitzers, die ausgewogene und fast spielerische Manövrierfähigkeit vertrügen durchaus noch eine etwas herzhaftere Soundkulisse, denn ein Krawallhobel ist der MX-5 nicht. Er eignet sich durchaus auch zum Cruisen, was sicher dem großen Interesse in Amerika mit seinen rigiden Tempovorschriften geschuldet ist. Nach der neuen WLTP-Verbrauchsnorm, deren Testmodus näher an einem realistischen Fahrbetrieb orientiert ist als die frühere EU-Norm, verbraucht der Roadster 6,9 Liter Super im Mittel auf 100 km Strecke.

Umfangreiche Assistenz-Angebote

Die Testfahrten, die Mazda jetzt und vor der Markeinführung Mitte September ermöglichte, bestätigten im Wesentlichen diese Werte. Voraussetzung ist allerdings, dass man das umfängliche Spaßpotenzial maßvoll ausnutzt und auch Gelegenheiten wahrnimmt, vorhandenen Schwung mit in die nächste Kurve zu nehmen. Die gibt es reichlich auf der Transfagasaran-Hochstraße, die nicht nur bei rumänischen Kraftfahrern einen legendären Ruf genießt. Sie verbindet das Argeș-Tal in der Großen Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen, wobei die Passhöhe auf 2042 Metern liegt. Ein atemberaubendes Panorama breitet sich vor den Testfahrern aus, als sie die Bergstation erreichen.

Der Mazda MX-5 gilt als Retter der Marke. Foto: Axel F. Busse

So überrascht es nicht, dass manchem die eine oder andere Neuerung entgeht, die der MX-5 noch zu bieten hat. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer mögen tagsüber von nachrangiger Bedeutung sein, mit Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Ausparkhilfe, Müdigkeitserkennung und City-Notbremsassistent ist der Zweisitzer auf der Höhe dessen, was Kunden heute von ihren Fahrzeugen erwarten.

Preis beginnt bei 22.990 Euro

Allerdings sind die meisten dieser Merkmale nicht einzeln, sondern wie bei den anderen Mazda-Modellen auch lediglich als Bestandteil verschiedener Ausstattungspakete erhältlich. Leichtmetallräder, Klimaanlage, beheizbare Sitze und ein Reifendruck-Kontrollsystem bringt jeder MX-5 ab Werk mit.

In der günstigsten Variante mit Stoffverdeck und 1,5-Liter-Motor kostet er 22.990 Euro. Die neue 184-PS-Version ist ab 27.790 Euro erhältlich. Deutsche Kunden gelten als sehr ausstattungsorientiert, was den Händlern in der Vergangenheit Quoten von mehr als 70 Prozent für die höchste Stufe, die Sports-Line, bescherte. In dieser, zum Beispiel zusätzlich mit Lederpolstern möblierten Version, kostet der MX-5 RF 34.490 Euro.

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