Lexus UX 300e: Spätstarter mit Eroberungspotenzial

Lexus UX 300e: Spätstarter mit Eroberungspotenzial
Der Lexus UX 300e fährt 315 Kilometer elektrisch. © Lexus

Es hat gedauert, doch im Januar ist es soweit: dann schickt Lexus mit dem UX 300e sein erstes reines Elektroauto auf den deutschen Markt.

Dass Lexus zu den Nachzüglern bei der Elektromobilität gehört, überrascht ein wenig. Schließlich verfügt die Premiummarke über eine 15-jährige Erfahrung bei der Elektrifizierung seiner Modelle. Seither hat die Toyota-Tochter weltweit bereits mehr als 1,8 Millionen Hybridfahrzeuge abgesetzt, davon allein 450.000 in Europa. Doch lange Zeit hat man sich gegen reine E-Autos gesperrt – bis jetzt. Ganz ohne geht es halt nicht, auch wenn man ohne reine E-Autos die strengen CO2-Grenzwerte der EU erreichen würde.


Der Lexus UX 300e ist – natürlich – ein Kompakt-SUV. Die Reichweite wird nach dem neuen Verbrauchszyklus WLTP mit 315 Kilometer angeben, was nach dem alten NEFZ-Zyklus 400 Kilometer entspricht. Dass Lexus angesichts seiner Elektrifizierungs-Historie selbstbewusst in die E-Mobilität startet, sieht man am Garantieversprechen der Japaner. Während sich derzeit acht Jahre bei einer Laufleistung von 160.000 Kilometer als Branchenstandard entwickelt haben, gibt Lexus auf die 54,3 kWh starke Batterie eine Garantie von zehn Jahren und einer Million Kilometer, wie Lexus-Deutschlandchef Holger Nelsbach ankündigte. Und dass bei einer verbleibenden Batterie-Restkapazität von 70 Prozent.

Lexus legt beim Absatz zu

Das Cockpit des Lexus UX 300e ist übersichtlich gestaltet. Foto: Lexus

Gut, niemand wird innerhalb von zehn Jahren so viele Kilometer fahren, dennoch ist diese ein Ansage an die Kunden, die bisher der E-Mobilität noch skeptisch gegenüberstehen. So will das auch Nelsbach verstanden wissen. Die Marke Lexus, die im hart umkämpften deutschen Premiummarkt im Vorjahr 3500 Fahrzeuge absetzen und damit ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zu 2018 erzielen konnte, zeigt sich mit Blick auf die Absatzerwartung seines ersten E-Modells aber zurückhaltend: Trotz der erhöhten Kaufprämie erwartet man einen Absatz von nur 200 Einheiten seines mindestens 47.550 Euro (vor Abzug der Kaufprämie) teuren UX 300e. Das entspricht einem Anteil von einem Sechstel an der UX-Baureihe.

Die Erfahrungen, die man bei der Hybridisierung seiner Modelle gemacht hat, seien auch in den UX 300e eingeflossen, wie Nelsbach sagte. Das merkt man auch bei den Testfahrten rund um Köln. Die Laufruhe ist bei E-Autos gemeinhin gut, doch beim Lexus UX 300e hört man so gut wie nichts. Dafür sorgt die nochmals verbesserte Karosseriedämmung. Das ist Premiumniveau, aber das kann man von einem Auto dieser Preisklasse auch erwarten.

E-Motor mit 204 PS Leistung

Beim DC-Laden setzt Lexus auf den exotischen Chademo-Standard. Foto: Lexus

Über zu wenig Leistung brauchen sich die Fahrerinnen bzw. Fahrer eines UX 300e auch nicht beklagen. Der Elektromotor stellt eine Leistung von 204 PS und ein maximales Drehmoment von 300 Nm zur Verfügung. Die Kraftentfaltung vollzieht sich dabei so vehement, dass der Frontantrieb beim beherztem Durchtreten des Gaspedals teils Probleme hat, diese Kraft auch souverän auf die Straße zu bringen.

Doch dieser Eindruck ändert nichts daran, dass der UX 300e – bedingt durch das Unterflur angebrachte Akkupack und damit dem niedrigen Schwerpunkt – über eine satte Straßenlage verfügt. Sie ermöglicht es, es in diesem Kompakt-SUV auch sportlicher angehen zu lassen. In 7,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 Kilometer. Bei den Testfahrten auf der Autobahn zeigte der Tacho 173 km/h an.

315 Kilometer erscheinen realistisch

Aber wer ein E-Auto fährt, der fährt nicht lange Topspeed, denn dann schnellt der Stromverbrauch doch zu schnell in die Höhe und die Reichweite in den Keller. Angegeben ist ein Verbrauch von bis zu 17,1 kW, bei den Testfahrten standen 19,8 kW auf dem Bordcomputer – allerdings bei einem hohen Autobahnanteil. Der angegebene Verbrauchswert liegt also im Bereich des Möglichen – und damit auch die Reichweite von 315 Kilometer. Wer viel in der Stadt fährt, dürfte aufgrund der Rekuperation noch deutlich über diesem Wert liegen.

Optisch unterscheidet sich der Lexus UX 300e kaum von seinem Verbrennerkollegen. Foto: Lexus

Wenn es denn etwas gibt, was man nach den Testfahrten dem UX 300e vorhalten kann, ist es seine Ladeleistung. So kommt der Onboard-Charger gerade einmal auf eine Ladeleistung von 6,6 kW. Das entspricht an einer Wallbox einer Ladezeit von etwas mehr als acht Stunden. Beim Schnellladen muss sich der Kunde umstellen: Statt dem europäischen CCS-Standard setzt Lexus auf den in Asien verbreiteten Chademo-Stecker. Mit ihm lässt sich der UX 300e an einem Schnelllader mit bis zu 50 kW laden. Für die Ladung von 0 auf 80 Prozent vergehen 50 Minuten. Das ist okay, können andere aber besser.

Damit die Kunden den UX 300e bei der Wahl eines E-Autos in die engere Wahl einbeziehen, hat Lexus attraktive Leasingkonditionen im Angebot. So bietet man sein erstes E-Auto für monatlich 399 Euro an – und das ohne Anzahlung, wie Markus Burgmer sagt, der Leiter des Marketings. Bei dem UX 300e wird es übrigens nicht bleiben. Es wird von diesem Modell als nächstes auch einen Plug-in-Hybriden geben.

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