Leistungszuwachs für E 200 Kompressor

Mercedes hat seinen E 200 frisch gestylt - vor allem unter der Haube © Foto: Werk

Mercedes hat seiner E-Klasse nach drei Jahren eine Modellpflege verpasst. Zu sehen ist davon nicht viel. Doch unter dem Blech hat sich eine Menge getan.

Von Stefan Grundhoff

Gerade unter den Firmenwagen ist die Mercedes E-Klasse nach wie vor der Traum vieler Kilometerfresser. Das Volumenmodell ist und bleibt auch nach der jüngsten Überarbeitung der E 220 CDI, frisch gestärkt auf nunmehr 170 PS. Viele private Mercedes-Fahrer können sich jedoch nach wie vor für einen Benziner erwärmen. Ist der kleine E 200 Kompressor eine interessante Alternative zum Diesel oder kommt man um die Sechszylinderversionen vom Schlage eines E 280 oder E 350 nicht herum?

Mercedes legt Wert darauf, dass sich durch die jüngste Modellpflege viel geändert hat - wohl gemerkt unter dem Blech. Das Outfit zeigt sich im Vergleich zur bisherigen Variante nahezu unverändert. Abgesehen von neuen Schürzen hat sich nichts getan. Doch gerade dem E 200 Kompressor soll zukünftig eine größere Bedeutung zukommen.

Rund 37.000 Euro Einstiegspreis

Der nach wie vor nur 1,8 Liter große Vierzylinder mit Kompressoraufladung hat eine Leistungsspritze bekommen. Der Einstieg in die Benziner-E-Klasse kostet mindestens 37178 Euro. Dafür gibt es eine solide Ausstattung und immerhin 135 kW / 183 PS. Damit ist der E 200 Kompressor alles andere als ein lahmer Vogel. Doch das Kraftfutter ist dem Stuttgarter nicht anzumerken. Das maximale Drehmoment von 250 Nm bei 3500 U/min sorgt für einen kraftvollen Vortrieb aus mittleren Drehzahlen. Eine Höchstgeschwindigkeit von über 230 km/h kann sich ebenfalls hören und spüren lassen. 0 auf 100 km/h in 9,4 Sekunden genügen ebenfalls den Ansprüchen an einen Vierzylinder.

Der Klang des Kurzhubers mag jedoch nicht zu einer eleganten Limousine wie der E-Klasse passen. Dafür kann man den kleinen Motor nicht nur im Teillastbetrieb sehr verbrauchsarm bewegen. Mit zurückhaltendem Gasfuß lassen sich deutlich unter sieben Liter Superkraftstoff auf 100 Kilometer verwirklichen. Selbst bei schnellem Autobahntempo bleibt man unter zehn Litern und im Durchschnitt laufen knapp neun Liter durch die Einspritzdüsen.

Die starken Seiten

Beim Outfit hat Mercedes lediglich neue Schürzen spendiert Foto: Werk

Doch gerade wer sich für die gut abgestimmte Automatik interessiert, der sollte sich bei dem Aufpreis von kräftigen 3500 Euro nicht zieren. Der E 280 mit seinem 231 PS starken Dreiliter-V6 ist in allen Belangen souveräner und ebenfalls kein Schluckspecht. Beim Fahrwerk gibt es zwischen Vier- und Sechszylinder keine Unterschiede. Das Paket aus Federn, Dämpfern und Bremsen war seit Markteinführung der W-211er-Baureihe eine der starken Seiten des Stuttgarters.

Der 1,6 Tonnen schwere Hecktriebler fährt sich überaus komfortabel und sehr gut abgestimmt. Allein die Lenkung könnte auf Befehle des Piloten präziser reagieren. An der gesamten Abstimmung hat sich durch die Modellpflege nichts Spürbares geändert. Mercedes legt bei der Werbung für die neue E-Klasse auf Solidität. Der markige Slogan verrät: die E-Klasse wurde gut eingefahren - auf 5.598.650 Kilometer. Das merkt man. Hier klappert und rappelt auch bei Kopfsteinpflasterorgien nichts.

«Intelligentes Licht»

Nachts hilft das "Intelligent-Light-System" Foto: Werk

Im Innenraum gibt es ebenfalls das bewährt gute Bild. Die Materialien sind hochwertig, die Bedienung tadellos. Etwas mehr Design hätte man bei dem neuen Modell durchaus in Armaturenbrett und Verkleidungen unterbringen können. Der Chic kommt auch bei der neuesten E-Klasse-Generation etwas kurz. Das gleiche gilt auch für die Serienausstattung. Mehr als solide Hausmannskost ist aus Schwaben nicht zu bekommen. So kosten die heiß angepriesenen Hightech-Frontscheinwerfer mit dem sehr guten Intelligent-Light-System 1618 Euro und somit nochmals 500 Euro mehr als die normale Xenon-Ausstattung.

Kein frischer Chic - aber solide Qualität im Innenraum Foto: Werk

Interessante Sicherheitsextras bringt man anders in den Markt. Auch Selbstverständlichkeiten wie eine Durchlademöglichkeit (504 Euro), Dosenhalter (58 Euro) oder anklappbare Außenspiegel (261 Euro) kosten nach wie vor extra. Wer die gute Sitzanlage mit Leder bezogen sehen oder durch einen Routenführung sicher ans Ziel geführt werden möchte, zahlt nochmals kräftig drauf. So ist ein standesgemäß ausgestatteter Mercedes E 200 Kompressor kaum unter 45.000 Euro zu bekommen. Dafür bekommt man bei der Konkurrenz bereits imageträchtige Sechszylinder. Unter dem Strich wird der Dieselbruder E 220 CDI daher nicht nur wegen des besseren Wiederverkaufs die bessere Alternative sein.