Land Rover Discovery Sport: Kann mehr als nur kraxeln

Der Land Rover Discovery Sport macht natürlich im Gelände eine gute Figur. © Land Rover

Der Land Rover Discovery Sport startet mit mäßig auffälligen Retuschen, dafür aber mit einer Fülle neuer Ausstattungsmerkmale in die zweite Hälfte seines Lebenszyklus.

Zunächst ist er noch mit reinen Verbrennungs-Antrieben unterwegs, sehr bald aber soll er auch als Plug-in-Hybrid seinen Status als global meistverkaufter Land Rover verteidigen.


Die eierlegende Wollmilchsau hätte mancher gern als Nutztier im Stall, doch das Fabelwesen existiert nun mal nur in der Fantasie. Sehr real ist dagegen der Land Rover Discovery Sport, fabelhaft aber seine Entwicklung zum beliebtesten Land Rover überhaupt.

Zuletzt überflügelte er in den weltweiten Verkaufszahlen sogar den stylischen Evoque. Er ist das passende Angebot für all jene, denen der Evoque zu klein, der Velar zu klobig und der große Discovery zu rustikal ist. Wer Familienfreundlichkeit statt variabler Bodenfreiheit sucht und dennoch auf Geländetauglichkeit nicht verzichten will, landet oft beim „kleinen Disco“.

Dicovery Sport mit 4,60 Meter Länge

Unser Autor Axel F.Busse während der Testfahrt mit dem Discovery Sport. Foto: Land Rover/David Sheperd

Wirklich klein ist er mit 4,60 Metern Länge nicht, bei Bedarf ist er sogar mit einer dritten Sitzreihe zu bekommen. Im Unterschied zum weltweiten Zuspruch bröckelte hierzulande das Interesse allerdings zuletzt etwas ab. Nach anfänglich fast 4900 Exemplaren im ersten Jahr auf dem deutschen Markt wurden vergangenes Jahr nur noch rund 2700 Neuzulassungen aktenkundig.

Umso mehr soll es ab sofort mit Schwung wieder aufwärtsgehen. Drei Diesel- und zwei Benzin-Motoren bilden die aktuelle Antriebspalette, die ein Leistungsspektrum von 150 PS bis 250 PS abbildet. Der 150-PS-Diesel ist dabei die einzige Variante, die ohne Allradantrieb und mit Handschaltung erhältlich ist. Diese Einstiegsversion kostet 37.050 Euro. Später soll das Angebot um eine Dreizylinder- und eine Plug-In-Hybrid-Variante ergänzt werden.

Optisch wenig Veränderungen

Optisch hat sich der Discovery Sport nur wenig verändert, obwohl technisch ein nachhaltiger Umbau stattfand. Die neuerdings verwendete Premium-Transversale-Architektur (PTA) erlaubt eine Konzeption als Mild-Hybrid, bei dem ein 48-Volt-Bordnetz zum Einsatz kommt. Im Kern handelt es sich um das erstmalig im Range Rover Evoque vorgestellte System, das durch einen am Motor platzierten Riemen-Startergenerator beim Bremsen oder im Schubbetrieb entstehende Energie zurückgewinnt und sie in der im Unterboden montierten Batterie speichert. Diese elektrische Energie kann zum Beispiel beim Beschleunigen zusätzliche Schubkraft bereitstellen.

Dank Allrad fühlt sich der Land Rover Discovery Sport im Gelände wohl. Foto: Land Rover

Rund um den markanten Kühlergrill wurden Designänderungen an der Bugschürze und den Scheinwerfern vorgenommen. Lauscht man den Erläuterungen von Designer Lee Perry, so kann man den Eindruck gewinnen, dass Scheinwerfer ihre vordringliche Aufgabe des Ausleuchtens der Fahrbahn weitgehend eingebüßt haben. Heute bieten LED-Leuchtmittel so einen großen Gestaltungsspielraum, dass Scheinwerfer eher dazu dienen, durch originelles Design technische Kompetenz zu demonstrieren und ästhetischen Gewinn einzufahren. Auch die Heckleuchten stechen in der Hinsicht heraus. Ihre dreidimensionale Struktur ist ein echter Hingucker.

Aufgewertetes Cockpit

Sollten Discovery-Sport-Besitzer bisher die Evoque-Fahrer und -Fahrerinnen um die in der Antennenfinne eingelassene Kamera beneidetet haben, die auf Wunsch ein Weitwinkel-Bild in den Innen-Rückspiegel zaubert, so wird dies künftig nicht mehr nötig sein. Das Extra gibt es jetzt auch im Discovery Sport, je nach gewählter Ausstattungslinie kostet es zwischen 350 und 500 Euro.

Elektronisch stark aufgerüstet präsentiert sich zudem das Cockpit, in dessen Zentrum der serienmäßige 10-Zoll-Touchscreen-Bildschirm steht, der die wichtigsten Infotainment-Funktionen steuert. Die wunderbare Welt der Virtualität lässt sich aber enorm erweitern, etwa durch das in HD-Qualität brillierende 12,3-Zoll-Display für die Instrumentenanzeige und ein farbiges Head-up-Display. Kameras, die einen Blick durch die Motorhaube auf das vor dem Bug liegende Terrain simulieren und so für Sicherheit im Gelände sorgen, sind ebenfalls lieferbar.

Verschwunden: Der Drehsteller für die Automatik

Insgesamt wurde die Mittelkonsole angehoben, um die Bedienbarkeit zu erleichtern. Allerdings ist, ebenfalls analog zum Evoque, der Drehsteller für die Gangwahl durch einen konventionellen Hebel ersetzt worden. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal wird Land Rover wohl sukzessive ganz verzichten. Obwohl auch die inneren Türverkleidungen neu designt und geordnet wurden, unterließ man es, eine Besonderheit den allgemeinen Gepflogenheiten anzupassen: Die Tasten für die Bedienung der seitlichen Fenster befinden sich nach wie vor oben auf der Verkleidung. Neukunden werden sich also wohl oder übel umgewöhnen müssen.

Zwar besitzt der Discovery Sport nicht den Umfang an Hardcore-Offroad-Ausstattung wie sein „großer Bruder“, jedoch macht ihm im Gelände so leicht keiner etwas vor. Die Testfahrten mit den neuen Modellen konnten dies eindrucksvoll belegen. Auch wenn nur ein Bruchteil der Kunden diese Fähigkeiten nutzen wird, so gehört es aber zum Markenkern von Land Rover, in Sand oder Matsch, auf Schotter oder Fels einen souveränen Eindruck zu hinterlassen. Das erweiterte Angebot an Fahrprogrammen und Automatiken, die sogar eine Art Gelände-Tempomat beinhaltet, bei dem Gas- und Bremspedal unbenutzt bleiben können, macht es selbst Offroad-Novizen einfach, jenseits des Asphalts auf Erkundungstour zu gehen.

Spürbare Seitenneigung

Auf der Straße bringt eine schnell gefahrene Kurve schon mal eine spürbare Seitenneigung der Karosserie mit sich und ein kommod abgestimmtes Fahrwerk erlaubt den Insassen ein entspanntes Reisen. Die Lenkung könnte eine Idee direkter und griffiger sein, andererseits orientiert sie sich aber an den Eigenschaften, die auch den großen Discovery auszeichnen.

Es kann nicht schaden, präzises Rangieren zu üben, denn selbst mit eingeklappten Spiegeln ist der „kleine Disco“ schon mehr als zwei Meter breit. Inwieweit es im Alltag möglich ist, mit den neuen Ingenium Vierzylinder-Motoren den auf dem Prüfstand ermittelten Verbrauchswerten nahe zu kommen, wird die Zukunft erweisen. Der 250 PS starke Benziner mit seiner Neungang-Automatik soll laut Hersteller mit rund acht Liter je 100 Kilometer auskommen. In einer Handvoll Testwagen wurden während der Präsentation Werte zwischen 11,3 und 13,2 Litern abgelesen – und das ohne vorherige Geländefahrt.

240-PS-Diesel im Spitzenmodell

Das markante Heck des Land Rover Discovery Sport. Foto: Land Rover

Land-Rover-Kunden sind erfahrungsgemäß recht großzügig, wenn es um den Einkauf von Annehmlichkeiten geht. So wird wohl die Einstiegsversion nur selten geordert werden, eher schon der 180 PS starke Turbodiesel, der ab 49 900 Euro zu haben ist. Selbstzünder sind nach wie vor gut angeschrieben bei Land Rover, im ersten Halbjahr 2019 betrug ihr Anteil an den deutschen Neuzulassungen des Discovery Sport rund 84 Prozent.

Den Spitzenplatz der Preisliste nimmt deshalb auch ein Diesel ein. Es ist die 240-PS-Version der Ausstattungslinie HSE für 61.900 Euro. Dass mit ein paar klug ausgewählten Extras der Endpreis auf über 70.000 Euro steigen kann, ist da leicht nachvollziehbar. Viele stört das nicht, denn der Listenpreis dient ihnen lediglich als Berechnungsgrundlage für die monatliche Leasingrate. Der Anteil der gewerblichen Anmeldungen für den Discovery Sport in Deutschland liegt aktuell bei etwa 70 Prozent.