Kia Stinger: Unterwegs im Extrem-Modus

Der Kia Stinger beim Drifttraining. © Kia

Der Kia Stinger ist das sportliche Aushängeschild der Koreaner. Nun hat der Hersteller sienen Sportwagen technisch noch weiter aufgepeppt.

Dieses Auto gehört wohl zu den bekanntesten Unbekannten auf deutschen Straßen. Dem Kia Stinger in freier Wildbahn zu begegnen, erfordert Geduld. Denn die koreanische Schwester von Hyundai hat von ihrer feinen Sportlimousine in den letzten 18 Monaten gerademal knapp 2000 Exemplare verkauft. Dabei räumt der Fünftürer reihenweise Preise ab und gilt als das Vorzeigeobjekt von Kia schlechthin, sorgte er doch für ein völlig neues Image der ansonsten für eher gediegene Alltagsmodelle bekannten Firma.


Die Geschichte des Stinger begann bereits 2011 auf der Frankfurter IAA. Damals überraschte Kia mit der Studie einer sportlichen Limousine im Stil eines klassischen Grand Turismo (GT). Dieses Kürzel steht seit jeher für recht geräumige Limousinen für die „große Fahrt“, die allerdings mit hoher Leistung versehen auch auf Rennstrecken eine gute Figur machen konnten.

Ein Traumprojekt für Schreyer

Mia Stinger Cockpit. Foto: Kia
Das Cockpit des Kia Stinger ist sachlich gehalten. Foto: Kia

Der damalige Designchef Peter Schreyer erinnert sich: „Dieses Auto war für mich und meine Kollegen ein Traumprojekt, weil wir die Chance bekamen, einen echten GT zu entwerfen, ein Auto, in dem man stilvoll reisen kann.“ Als der Serien-Stinger dann sechs Jahre später tatsächlich auf den Markt kam. wollten die Koreaner vor allem beweisen: „Kia kann`s“. Wirklich zugetraut hatte es der noch jungen Firma (erster PKW 1975) wohl keiner.
Die Zahlen auf dem Papier jedenfalls belegen das „Kia kann´s“. 3,3-Liter-Benziner mit Doppelturbo, 366 PS, Spitze 270 km/h, 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und Allradantrieb.

Und genau letzterer ist der Grund, sich den koreanischen Überflieger nochmals genauer anzusehen: An der Hinterachse greift jetzt ein mechanisches Sperrdifferential ein, wenn in flotten Kurven mehr Haftung von Nöten ist. Eine völlig neue Steuerelektronik macht es zudem möglich, die Motorkraft automatisch noch feinfühliger auf die beiden Achsen zu verteilen.

ESP wird abgeschaltet

Die Folge: Im jetzt neuen Extrem-Modus Sport+ werden die Vorderräder von jeglichem Vortrieb befreit und das sonst so hilfreiche ESP abgeschaltet. Das kennen wir von Kraftmeiern wie den AMG-Modellen von Mercedes oder auch von Porsche. Diese „Konkurrenten“ kosten aber fast das Doppelte. Das Stinger-Update verleiht dem Schnäppchen aus Korea eine Fähigkeit, die ihm bislang weitgehend verwehrt war.

Der Stinger kann jetzt „driften“, also auf glattem Untergrund mit entgegen der Fahrrichtung eingeschlagener Lenkung und gleichzeitigen Gasgeben quer um Biegungen schlittern.
Zugegeben: Wirklich gebraucht wird diese neue Eigenschaft nicht. Die bisherigen Kunden des stärksten Kia, darunter viele Freiberufler mit Hang zum bezahlbaren Besonderen, werden wohl selten ihre Freizeit auf wassergetränkte Flächen mit gleitfähigem Untergrund verbringen. Aber beim PS-Geflüster im Golf-Club oder einer Party ist die Lizenz zum Driften sicher ein willkommenes Gesprächsthema. Sei´s drum, Kia denkt zumindest darüber nach, für die Kunden organisierte Sport- und Drift-Events anzubieten. Ganz nach dem Motto: „Wir sind die Stingers“, was übrigens im Englischen für „Stachel“ steht.

Gute Ausstattung inklusive

An der Hinterachse des Kia Stinger greift jetzt ein mechanisches Sperrdifferential ein. Foto: Kia

Ein Stachel im Pelz der etablierten Hochpreiser vor allem aus Deutschland? Einen Stich macht vor allem die Preisgestaltung des Kia. Für rund 56.000 Euro bekommt man bärenstarke Leistung inklusive Allradantrieb. Viele anderswo teure Leckerbissen sind im Preis mit drin. Beispiele sind Nappaleder, ein allerdings etwas betagtes Navigationssystem, Head-Up-Display, LED-Scheinwerfer, Abstandsradar und eine nahezu komplette weitere Palette an Assistenzsystemen. In der Aufpreisliste stehen nur ein Glasschiebedach und zwei weitere Lederarten.

Die oft gelobten überraschend souveränen Fahreigenschaften des Stinger sind in der jetzt an den Start gehenden Aktualisierung erhalten geblieben. Ein Spaßauto, das auch gemächlich kann, in dem fünf Erwachsene auf Reisen gehen können und es auch mal krachen lassen können. Alles verpackt in einem erfrischenden Äußeren aus der Feder von Design-Ikone Peter Schreyer. Eigentlich steht dem Erfolg des Stinger nichts entgegen, wenn genau diese Art von Autos auf dem Wunschzettel steht.

Aber: Fahrer in dieser Klasse nutzen ihr von der Firma bezahltes Fortbewegungsmittel meist beruflich, die Modelle werden in der Regel von der Firmenpolitik bestimmt. Und da ist ein Kia hierzulande nun mal nicht die erste Wahl. (SP-X)