Kia e-Niro: Auf Erfolg gepolt

Der Kia e-Niro ist mit zwei Batteriegrößen erhaltlich. © Kia

Kia startet bei der Elektromobilität durch. Die Koreaner bringen im Frühjahr mit dem e-Soul und dem e-Niro gleich zwei neue Elektroautos auf den Markt bringen.

Beide Fahrzeuge werden ab dem 6. April bei den Händlern stehen. Seit dem 10. Dezember ist der mit zwei Batteriegrößen erhältliche Kia e-Niro bereits bestellbar. Der Bestellstart des e-Soul wird sich indes noch etwas verzögern, da für ihn noch keine Preise feststehen.


Beim e-Niro ist das anders: Für das Basismodell mit der 39,2 kWh starken Batterie werden 34.290 Euro aufgerufen, für den e-Niro mit 64 kWh-Akku stehen mindestens 38.090 Euro in der Preisliste. Während der eine auf eine Reichweite von 289 Kilometer kommt, sind es beim anderen 455 Kilometer. Im sogenannten City-Zyklus sollen es sogar stattliche 615 Kilometer möglich sein. Damit avanciert der neue Kia e-Niro zum Erstfahrzeug und dürfte selbst bei Elektroauto-Skeptikern die Zweifel an dieser Antriebsart schwinden lassen.

Topversion des Kia e-Niro mit 204 PS

Doch wie fährt sich der e-Niro nun? Gut, sehr gut sogar. Die von uns gefahrene Topversion mit einer Leistung von 204 PS und einem Leergewicht von über 1,8 Tonnen hinterlässt bereits beim Losfahren nach dem Einlegen der D-Position über Shift-by-Wire einen nachhaltigen Eindruck. Ein sofort anliegendes Drehmoment von 395 Nm sind halt eine Ansage. Mit so viel Kraft ausgestattet, sorgt man beim Schnellstart an der Ampel zumindest auf den ersten Metern für den ein oder anderen verdutzten Blick so manchen Sportwagenfahrers.

E-Auto-Fahren ist bei der Verwendung von erneuerbaren Stroms halt nicht nur nachhaltig, sondern auch ein Spaßbringer. Ach ja, wem es wichtig ist: den Sprint von 0 auf 100 km/h legt die 204-Variante in 7,8 Sekunden zurück, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 167 km/h erreicht. Doch wer nur auf Topspeed aus ist, für den ist der angegebene Verbrauch von 15,9 kWh ohnehin Makulatur. Er dürfte sich beim Ausreizen der vollen Leistungskraft deutlich oberhalb dieses Verbrauchswertes einpendeln.

Sportbetonte Fahrer können über den „Drive Mode Select“ den Fahrmodus Sport (daneben gibt es noch Eco+, Eco und Komfort) wählen. Wer sich dafür entscheidet, dem steht die volle Leistungskraft des Niro zur Verfügung. Das macht Spaß, führt aber beim Beschleunigen aus der Kurve auch dazu, dass der über die Vorderräder angetrieben Niro einen Moment braucht, um die Beschleunigungskräfte auf die Straße zu bringen.

Effizienz auf die Spitze getrieben

Die Mittelkonsole des Kia e-Niro mit dem Shift-by-Wire. Foto: Kia

Doch für alle anderen, die auf Effizienz aus sind, können diese im e-Niro auf die Spitze treiben. Dafür haben die Koreaner ihrem Crossover-Modell den Eco-Plus-Modus spendiert.

Wer ihn über den Fahrmodi-Schalter wählt, der reduziert das Tempo nicht nur auf 95 km/, sondern schaltet auch die elektrischen Verbraucher wie die Klimaanlage aus. Diesen Modus zu wählen, kann man machen, wenn denn die Batterie sich dem Ende zuneigt und man keine Ladestation in der Nähe hat. Auf der Autobahn sollte man von der Wahl dieses Modus indes Abstand nehmen, wenn man nicht zum Verkehrshindernis werden will.

Da wir schon beim Thema Effizienz sind. Seine Reichweite verdankt der e-Niro seinem regenerativen Bremssystems, das Energie zurück in die Batterie befördert. Dazu lassen sich über die links und rechts hinter dem Lenkrad befindlichen Schaltwippen fünf Einstellungen wählen, mit denen die Stärke der Rekuperation eingestellt werden kann. Das Beste dabei ist indes der One-Pedal-Modus: Wer die linke Taste anzieht, der kann dadurch den Niro bis zum Stillstand bringen. Dieses One-Pedal-Driving ist zwar gewöhnungsbedürftig, hat aber was. Und was ist, wenn die Niro an die Steckdose muss? Dann lässt er sich von 20 auf 80 Prozent an einer Schnellladestation mit 100 kW in 42 Minuten auftanken, an der heimischen Wallbox werden dafür mit 7,2 kW 3:45 Stunden benötigt.

Viel Platz im Innenraum

Der e-Niro erweist sich indes nicht nur mit seiner Reichweite als alltagstaugliches Fahrzeug, sondern auch als ausgesprochen geräumiges. Aber das kennt man ja bereits von der Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Version. Bis zu fünf Personen finden in ihm bequem Platz und im Kofferraum des 4,38 Meter langen Kompakt-SUVs finden 451 Liter Gepäck seinen Platz. Für den Familienausflug ist das mehr als genug. Dass der Niro über moderne Assistenzsysteme wie einen Notbremsassistenten, Spurhalte- und Abstandsassitenten verfügt, versteht sich von selbst.

So ausgestattet bringt der e-Niro ales mit, um zu einem Erfolg zu werden. Derzeit gibt es neben den weitaus teureren E-Autos wie dem Tesla Model S, dem Jaguar I-Pace oder auch dem Audi e-tron nur noch den Hyundai Kona (mit dem er sich die Plattform teilt), die auf ähnliche Reichweiten kommen. Doch zum Marktstart für den e-Niro und den e-Soul gerade einmal 3000 Einheiten zur Verfügung. Das ist angesichts der großen Stärken dieses Modells arg wenig.

Nachfrageschub durch Steuervorteil

Das Heck des e-Niro von Kia. Foto: Kia

Vor allem auch deshalb, weil ab dem 1. Januar das Steuerprivileg für Dienstwagen mit E-Antrieb greifen wird: dann muss nur noch ein gedwerter Vorteil von 0,5 Prozent bezahlt werden.

Auch Kia erwartet sich davon eine große Nachfrage, wie Sprecherin Susanne Mickan sagt. „Bislang kamen wir als koreanischer Importeur in Car-Policy in den Fuhrparks vieler Unternehmen nicht vor. Doch mit dem e-Niro ändert sich das gerade.“ Gute Aussichten für Kia – und auch für die E-Mobilität. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass man die für den deutschen Markt zur Verfügung stehenden Menge von Autos noch aufstocken kann und sich die Lieferzeiten im Rahmen halten. Bei der Schwestermarke Hyundai muss man auf einen Kona fast zehn Monate warten, bei Kia muss man – Stand heute – wohl mit drei Monaten rechnen.