Jeep Renegade: Abtrünniger wird eingenordet

Verwandter des Fiat 500X

Der neue Jeep Renegade. Foto: Jeep
Der Jeep Renegade kann auch Wasser. © Jeep

Jeep legt dem Renegade Fesseln an. Der Einsteiger erhält dabei nicht nur optisch eine Auffrischung.

Mit dem Renegade hat Jeep vor vier Jahren nicht nur sein Angebot nach unten erweitert, sondern auch erstmals gemeinsame Sache mit der Konzern-Mutter Fiat gemacht, denn die Plattform teilt er sich mit dem 500 X. Schon zum Modelljahrwechsel im Frühjahr wurde der Renegade-Innenraum renoviert, im Herbst folgt jetzt die Facelift-Version.


Mit der wird die bisher arg verspielte Optik des kleinen SUV gefälliger und neue Benzin-Motoren halten Einzug. Los geht’s am 7. September, die neuen Preise will Jeep noch nicht verraten. Das noch aktuelle Modell startet bei rund 20.000 Euro.

Dreizylinder als Basis

Die drei Vierzylinder-Benziner (81 kW/110 PS bis 125 kW/170 PS) fliegen mit dem Facelift komplett aus dem Programm, stattdessen hält eine neue Aluminium-Motorengeneration Einzug. Basis ist künftig ein Dreizylinder, der es auf 88 kW/120 PS bringt und 190 Newtonmeter bereitstellt. Erhältlich ist der Einstiegsmotor nur mit Frontantrieb und einer leichtgängigen Sechsgang-Handschaltung, mit der der Ein-Liter-Motor leicht bei Laune – sprich Drehzahl – gehalten werden kann.

Das ist auch nötig, wenn man einigermaßen flott voran kommen will: Der Dreizylinder ist alles andere als spritzig, passt insgesamt aber recht gut zu dem 4,26 Meter langen SUV und dürfte alle Fahrer ohne höhere Dynamik-Ansprüche zufrieden stellen. Die Geräusch-Dämmung ist den Italiener besonders gut gelungen, gegen den etwas rauen Lauf des Dreizylinders haben sie aber auch kein Kraut gefunden.

Vierzylinder nur mit Doppelkupplung

Die Seitenansicht des Renegade. Foto: Jeep
Gefällig steht der Renegade auf dem Boulevard. Foto: Jeep

Wer weiterhin einen Vierzylinder haben will, kann zukünftig zum 1.3er greifen, mit wahlweise 110 kW/150 PS oder 132 kW/180 PS. Überraschend ist die Getriebeauswahl: Eine Handschaltung gibt es für die beiden Vierzylinder nicht, die ebenfalls nur frontgetriebene, schwächere Version fährt serienmäßig mit einem etwas trägen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe vor, den stets allradgetriebenen stärkeren Otto koppelt Jeep mit einer Neungang-Wandlerautomatik.

Das Drehmoment ist bei beiden Modellen identisch, 270 Newtonmeter sorgen hier wie da für merklich flotteren Vortrieb als beim Dreizylinder. Über die Verbräuche der neuen Motoren schweigt Jeep noch. Fest steht nur, dass die Benziner alle über einen Partikelfilter verfügen. Und dass sich der Dreizylinder bei unserer ersten Ausfahrt laut Bordcomputer erschreckende neun Liter für 100 Kilometer genehmigte.

Jeep Renegade straff abgestimmt

Das Cockpit des Renegade. Foto: Jeep
Innen hat Jeep die Moderne eingeläutet. Foto: Jeep

Weiterhin im Programm sind die beiden bekannten Diesel-Motoren mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum und wahlweise 88 kW/120 PS, 103 kW/140 PS und 125 kW/170 PS. Allrad und die Wandlerautomatik sind auch hier für die stärkeren Modelle reserviert; die 170-PS-Version fährt immer in der Offroad-Ausstattung Trailhawk vor. Die Selbstzünder wurden für das Facelift Euro-6-D-fähig gemacht und setzen künftig damit auf AdBlue und SCR-Kat. Auch hier stehen die neuen Verbrauchswerte noch aus. Allerdings sind die Tage der Selbstzünder im FCA-Konzern ohnehin gezählt, ab 2021 – so Firmen-Chef Sergio Marcchione – gibt es die Ölmotoren nur noch in Nutzfahrzeugen. Groß vermissen dürfte die Diesel beim Renegade, zumindest in Deutschland, aber sowieso niemand: Über 80 Prozent entscheiden sich hierzulande schon heute für einen Benziner.

An der technischen Basis hat Jeep nichts geändert, der Unterbau ist wie gehabt eher straff abgestimmt und verdaut auch flotte Kurvenfahrten problemlos; die nicht gerade direkte Lenkung empfiehlt sich dagegen für eine nicht ganz so stürmische Gangart. Auffällig ist das neue Design des Renegade, der optisch weit weniger verspielt ist als sein Vorgänger. Das liegt vor allem am neuen Kühlergrill, der deutlich präsenter wirkt; die sieben Jeep-typischen Lüftungsschlitze trägt er natürlich weiterhin. Flankiert wird er von neuen Scheinwerfern mit LED-Technik. Am Heck haben die Designer die Rückleuchten entschärft, das X in der Lichtgrafik fällt jetzt weit weniger auf als vorher.

Gute Serienausstattung

Der aufgefrischte Innenraum wird schon seit ein paar Monaten eingebaut und wartet mit der neuesten Generation des Konzern-Infotainmentsystems auf, das jetzt Apple CarPlay und Android Auto beherrscht. Hinzugekommen ist ein weiterer USB-Port für Gäste in der zweiten Reihe. Lüftungsdüsen gönnt ihnen Jeep aber weiterhin nicht. Leider gibt es auch in Sachen Sitzkomfort keine Verbesserung, nach gut einer Stunde fahrt fängt man an, unruhig auf den Sesseln umher zu rutschen.

Unruhig kann man allerdings auch werden, wenn einem plötzlich ein kreischender Ton durch Ohr und Mark fährt. Was ein wenig nach Brandmelder klingt, ist allerdings „nur“ der Totwinkel-Warner. Ach ja und apropos Fahrhelfer: Mit dem neuen Modelljahr sind Spurhalte-Assistent und Tempomat mit Geschwindigkeitserkennung immer Serie. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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