Jaguar F-Type P 450: Großes Kino

Optisch ein Hingucker: der Jaguar F-Type. © Axel F. Busse

Der Jaguar F-Type ist eine der gelungensten Kreationen von Ian Callum. Bevor der Chefdesigner der Marke in den Ruhestand verabschiedet wurde, hat er noch einmal an dieser Ikone Hand angelegt.

Äußerlich gab es am Jaguar F-Type eine zarte Renovierung unterzogen. Größer sind die technischen Veränderungen. Welchen Eindruck die mittlere der drei Antriebsvarianten in der Praxis hinterließ, haben wir getestet.


Wer einen ordentlichen Schluck aus der Pulle will, bestellt am besten einen Doppelten. So ist das auch bei Pkw-Motoren. Jaguar bietet den F-Type als Zweiliter-Einstiegsdroge an, der hat aber nur vier Zylinder. Zu wenig für viele statusbewusste Sportwagen-Fahrer, und da der Sechszylinder im Modellprogramm entfallen ist, bleibt als Option nur noch die doppelte Anzahl von Brennkammern – mit gleich zweieinhalb Mal so viel Hubraum. „P 450“ lautet das Modellkürzel, ein Hinweis auf die Leistung des von einem Kompressor unterstützten Fünfliter-Aggregats.

Schmale Lichtbänder dank LED-Technik

Gut eingeschenkt, möchte man meinen, denn dem 4,47 Meter kurzen Zweisitzer sieht man seinen mächtigen Treibsatz nicht gleich auf den ersten Blick an. Auch die beiden Doppel-Endrohre am Heck sind kein verlässlicher Indikator, zu viele Poser mit gewaltigem Auspuff hat man schon gesehen, die weit weniger Pferdchen unter der Haube hatten.

Die äußerlichen Veränderungen gegenüber dem Vorgänger kann man am besten an der Front beobachten. Statt der weit in die Kotflügel hinein gezogenen Scheinwerfer gibt es nur noch schmale Lichtbänder – LED-Technik macht’s möglich. Der Grill wurde leicht vergrößert, die Querstrebe ist entfallen und die seitlichen Lufteinlässe wurden zur Bugmitte hin angepfeilt. Das Heck blieb weitgehend unangetastet, Schönheits-OPs an einem knackigen Hintern sind immer ein Risiko.

Keine digitale Revolution

Das Cockpit des Jaguar F-Type. Foto: Jaguar

Eine digitale Revolution ist es zwar nicht, was sich im Innenraum vollzog, dennoch galt es, mit der rasenden Entwicklung bei den Display- und Bedien-Elektronika Schritt zu halten. Klassische Rundinstrumente werden nun auf den zentralen Bildschirm virtualisiert, die Anzeige kann aber auch völlig anders konfiguriert werden, zum Beispiel mit Digital-Tacho und diversen anderen Fahrdaten inklusive Navigations-Hinweisen.

Auf der Oberfläche des fast die gesamte Konsolenbreite einnehmenden Mittel-Monitors hat die Smartphone-Optik Einzug gehalten. Berührungsempfindliche Kacheln sortieren nun Funktionen und Applikationen und nicht immer sind die Bedienfolgen und verschachtelten Menüs von simpler Logik geprägt. Wer lange genug Jaguar gefahren ist, kennt diese kleine Schwäche und hat sie schon vor langer Zeit verziehen.

Lautstark erwacht der mächtige Motor

Sound ist bei Achtzylindern immer ein Thema. In den Tiefen der Einstellmöglichkeiten soll, so kann man auf Nachfrage von Jaguar erfahren, auch ein so genannter „Silent Mode“ verborgen sein, der beim morgendlichen Kaltstart des Motors das Wachrütteln der Nachbarschaft unterlässt. Ist dieser Modus deaktiviert, kann man sich als Insasse auf einen 80 Dezibel starken Brüller freuen, draußen misst man in einem Meter Entfernung immerhin noch 78,2 dB(A). Aber man könnte ärgerliche Anwohner ja nach der Rückkehr immer noch zu einem gepflegten Doppelten einladen.

Waren unterwegs nicht allzu viele andere Verkehrsteilnehmer im Weg und hat man den Blick auf die Verbrauchsanzeige vermieden, wird man ganz gewiss in guter Stimmung heimkehren. Fahrdynamisch bietet der P 450 großes Kino, gefällt durch bissige Spontaneität der Gasannahme, ist auch nach dem Restart an der Ampel blitzschnell hellwach und überzeugt durch druckvollen Tempoaufbau mittels 580 Newtonmeter Drehmoment. Die erreicht er allerdings erst ab 2500 Umdrehungen, da hat‘s das kleine Schwesterkätzchen mit dem Zweiliter-Turbo leichter und braucht nur 1500 Touren.

Lediglich 4,6 Sekunden vergehen laut Hersteller, bis aus dem Stand die 100-km/h-Marke fällt, bei diesen Probefahrten mag es das eine oder andere Zehntel mehr gewesen sein, denn statt der 1660 Kilogramm aus dem offiziellen Datenblatt wog der Testwagen 1790 Kilogramm. Vorbildlich gering allerdings die Tacho-Abweichung im Spurt über die Autobahn: Bei 200 km/h auf der Cockpit-Anzeige lagen tatsächlich GPS-gemessene 194 Stundenkilometer an. Gut gehalten von anschmiegsamen Sportsitzen und mit der direkten Lenkung die Fuhre bestens im Griff, traut man sich auch auf der Landstraße die eine oder andere Lustbarkeit zu.

Reichlich Watt für reichlich Kohle

Die gefahrene Version „R-Dynamic“ zeichnet sich durch eine gehobene Serienausstattung aus. Dazu gehören 20-Zoll-Leichtmetallfelgen, aktives Sperrdifferenzial und Torque-Vectoring, Sportfahrwerk, 6-fach elektrisch verstellbare Sitze, elektrisch verstellbare Lenksäule, Klimaautomatik, Abblendeautomatik für die LED-Scheinwerfer, Einparkhilfe vorn und hinten, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent und Verkehrszeichenerkennung. Zum Klimapaket des Testwagens (+ 1068 Euro) gehörten die sehr nützliche Frontscheibenheizung und das beheizbare Lenkrad. Die 770 Watt starke Meridian Soundanlage verbaut ein Dutzend Lautsprecher in der kleinen Kabine und schlägt mit 3007 Euro zu Buche.

Von Klang-Phänomenen im Stand war schon die Rede, in Bewegung gehört zum sportlichen Fahrvergnügen natürlich auch eine angemessene Sound-Kulisse. Mittels Tastendruck kann der Klappenauspuff angesteuert werden, der jedoch in Motordrehzahl und Tempo ein gewisses Mindestmaß verlangt, um das erwartet fette V8-Getöse zu entfalten. Auf dem überwiegenden Teil der Teststrecken bleibt der F-Type der brave Jaguar von nebenan, der nicht durch allzu aggressives Fauchen böse Blicke auf sich ziehen möchte.

„Es muss nicht immer Porsche sein“

Der Jaguar F-Type mit seinem ausdrucksvollem Heck. Foto: Axel F. Busse

Wer ein Sportcoupé mit fünf Litern Hubraum bestellt, hat sich von einstelligen Verbrauchswerten längst verabschiedet. Einen saftigen Anschaffungspreis verkraftet nur, wer auch das nötige Kleingeld für die Tankfülligen hat. Laut Datenblatt soll der P 450 mit 10,6 Litern je 100 km zu fahren sein, in diesem Test waren es 12,8 Liter – allerdings bei mehr als 50 Prozent Kurzstreckenanteil.

„Es muss nicht immer Porsche sein“, sagten sich in den beiden vergangenen Jahren rund 2000 einheimische Sportwagen-Fans und legten sich einen F-Type zu. Sie erhielten ein optisch ansprechendes Coupé mit seriösen Fahrleistungen, solidem Komfort und sanfter Exklusivität, das ein hohes Maß an Fahrspaß und gleichzeitig dezentes britisches Understatement vermittelt. Ein „Doppelter“ macht noch keinen Kater, aber wenn diese Katze ihre Krallen ausfährt, ist Vorsicht am Platze.

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