Glamour und Modder

Fahrbericht Mercedes GLK 320 CDI 4Matic

Glamour und Modder
Der GLK muss in Europa auch in die Werkstatt © Foto: Mercedes

Anders als andere Hersteller im Segment der kompakten SUVs beansprucht Mercedes mit dem neuen GLK auch Offroad-Kompetenzen. Ab Herbst hat das Publikum das Wort.

Von Martin Woldt

Wie viel Mut der Verzweiflung oder mutige Visionen Mercedes in den neuen GLK investiert hat, werden wir wohl in einem Jahr besser beurteilen können. Tatsache ist aber, dass die Stuttgarter wohl ein bisschen Wolfsburger Fortune benötigen werden, um den GLK auf die Erfolgsspur zu bekommen. War es doch bislang eine VW-Domäne, ein wettbewerbsfähiges Modell spät nach allen anderen Herstellern so zu platzieren, dass es in der Publikumsgunst umgehend einen Spitzenplatz einnahm.

Ausgewiesene Geländetauglichkeit

Und bei den kompakten SUV sind die Stuttgarter wirklich spät dran. Obwohl andererseits die Experten dem Segment weissagen, dass es weiter wachsen wird. Aber im Unterschied zu vielen anderen Herstellern gibt Mercedes dem GLK neben ausgeprägter Straßentauglichkeit auch eine ordentliche Portion Geländekompetenz mit auf den Weg. Beschwört Glamour und Modder gleichermaßen. Während BMW beim X3 und Audi beim Q5 die Geländetauglichkeit bewusst hintanstellten, betonen die Stuttgarter solche Spezialmaße wie den maximalen Rampenwinkel, die Bodenfreiheit, Wattiefe oder die maximale Steigfähigkeit. Alles Reizworte, die die Offroad-Gemeinde die Ohren spitzen lassen. Nur, dass die eben im Kundenspektrum kompakter SUVs, bis dato jedenfalls, nur ein schmales Stück im Tortendiagramm abbildete.

Auffällige Erscheinung

Mit dem Anspruch im Gelände Foto: press-inform

Aber man muss sich den Kopf von Mercedes ja auch nicht unnötig lange zerbrechen. Auffallen wird das Auto allemal. Denn um ihm eine eigene Identität zu geben, zitieren die Stuttgarter innen wie außen ihre eigene G-Klasse, eine Baureihe, die sich bekanntlich seit Jahrzehnten kantig und knorrig erfolgreich gegen den Zeitgeist stemmt und mittlerweile doch längst den Opernbesuch im Smoking querfeldein erlaubt. Der steiler aufgerichtete Kühlergrill, die großen Scheiben der Passagierkabine, der breite Torso spiegeln sich auch beim GLK wider und machen ihn zu einer überaus auffälligen Erscheinung. Ähnlich präsentiert sich innen eine fast gerade aufgerichtete Cockpitfront, die mit ihrer Aluminiumoptik gekonnt auf die Robustheit der Gesamtkonstruktion hinweist.

Weniger Kofferraum

Kantig von allen Seiten Foto: Mercedes

Auf einer Gesamtlänge von 4,53 Metern ist bei einem Radstand von 2,75 Metern ausreichend Platz für fünf Passagiere, die es sich umgeben von diversen Ablagemöglichkeiten bequem machen können. Man spürt keine beengenden Begrenzungen, obwohl der Q5 von Audi mit seinen 2,81 Meter Radstand wohl noch etwas großzügiger wirkt und dank seiner verschiebbaren Rückbank mehr Flexibilität erlaubt. Für den Kofferraum bleiben im GLK 450 Liter. Das sind 30 Liter weniger als im BMW X3 oder gar 90 weniger als im Q5, vielleicht das einzige Manko hinsichtlich seiner so bewusst ausgestellten Offroad-Tugenden.

Serienmäßiges Allradsystem

Mit dem in allen Modellen serienmäßigen Allradsystem «4matic» besitzt der GLK eine solide Basis für einen stabilen Fahrbahnkontakt. ESP oder das elektronisches Traktionssystem (4ETS), das vorwiegend im Gelände in Aktion tritt, kümmern sich darum, dass das auch unter heiklen Bedingungen so bleibt. Agility Control ist die Bezeichnung für das adaptive Dämpfersystem, mit dem sich die Wirkung der Stoßdämpfer automatisch an die Auswirkungen der jeweiligen Fahrbahngegebenheiten anpassen.

Sattes Lebendgewicht

Auffällige Erscheinung Foto: Mercedes

Mit alldem ausgerüstet, steuerte sich der von uns gefahrene 320 CDI sehr souverän. Allerdings muss man das siebenstufige Automatikgetriebe schon im Sportmodus einsetzen, wenn man ganz unmittelbare Rückkopplungen zwischen Gaspedal und Zylinderraum spüren will. Dann sind die 540 Newtonmeter Drehmoment hellwach und liegen im viel gefahrenen Drehzahlband zwischen 1600 und 2400 Touren jederzeit an. Flotte 7,5 Sekunden registriert das Datenblatt für den Sprint aus dem Stand über die 100-km/h-Marke. Bei 165kW/224 PS bringt es der GLK damit 220 km/h. Knapp acht Liter Diesel verlangt die V6-Maschine auf 100 Kilometer, das sind angesichts von 1880 Kilogramm Lebendgewicht ordentliche Werte, die der Sechszylinder im Q5 mit 16 PS mehr aber mit 7,7 Liter noch leicht unterbietet. Insgesamt hat man zur Markteinführung im Herbst neben dem Diesel noch zwei V6-Benziner mit dem GLK 280 (170 kW/231 PS)und dem GLK 350 (200kW/272 PS) zur Auswahl. Anfang 2009 folgt mit dem 220 CDI (125 kW/170 PS)ein besonders sparsames Dieselaggregat, dass sich mit 6,9 Litern auf 100 Kilometer bescheiden will.

Einstieg bei 40.000 Euro

Die gleichermaßen beanspruchten Onroad- und Offroadkompetenzen des GLK machen aus dem Auto nicht unbedingt ein Preiswertangebot im Schnäppchensegment. Der erst im Frühjahr 2009 lieferbare 220 CDI macht den Anfang mit 40.341 Euro, gefolgt vom Benziner 280, einem Sechszylinder für 43.554 Euro und den preisgleichen Diesel 320 CDI und 350 Benziner mit jeweils 46.053 Euro.

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