Fiat 500 C Collezione: Liebenswerter Bestseller

Der Fiat 500 C kommt nun als Sondermodell Collezione. © Fiat

Der Fiat 500 C ist ein Bestseller. Dabei ist er weder technisch noch fahrdynamisch ganz vorne dabei. Nun kommt das Sondermodell Collezione.

Es zeigt beispielhaft, warum der Kleinwagen trotz seiner Schwächen bei den Kunden ankommt. Bringen wir die hartherzigen, „deutschen“ Fakten gleich am Anfang hinter uns: Wer einen Fiat 500 kauft, sollte idealerweise nicht überdurchschnittlich groß sein, maximal einen regelmäßigen Mitfahrer haben und außerdem jemanden mit einem „richtigen“ Auto kennen.


Etwa, wenn es mal in den Baumarkt oder in ein Selbstabholer-Möbelhaus gehen soll. Denn der Fiat ist selbst für Kleinstwagenverhältnisse eng – vor allem im Fond, der in erster Linie als Gepäckablage genutzt werden dürfte. Auch, weil der Kofferraum schon in der Limousine nur ein besseres Handschuhfach, im Cabrio aber kaum mehr vorhanden ist.

Schmaler Fahrersitz im Fiat 500 C

Das Cockpit des Fiat 500 Collezione. Foto: Fiat

Der Fahrer sitzt indes auf einem kurzen, schmalen Sitz, relativ hoch platziert über dem Chassis mit kurzem Radstand, was ihm ein unverbindliches, auf schlechten Straßen gar hoppeliges Fahrgefühl vermittelt. Dazu kommen Motoren, die (außer in den Abarth-Sportmodellen) allesamt keine Temperament-Bündel sind. Für den Stadtverkehr passt das Gesamtpaket, für längere Fahrten auf Landstraßen oder Autobahnen ist der Fiat 500 C jedoch weder gemacht noch wirklich geeignet.

Seinem Erfolg hierzulande waren die Unzulänglichkeiten nie abträglich. Die Nachfrage ist auch mehr als ein Jahrzehnt nach der Markteinführung ungebrochen, was vor allem am liebenswerten Äußeren des kleinen Italieners liegt. Dass sich Kulleräugigkeit und knuffige Proportionen nicht abnutzen, hat auch mit dem Retro-Stil des Fiat zu tun. Was von Anfang an nicht modisch aussehen sollte, muss eben auch nach Jahren nicht modern wirken. Während man anderen Automodellen nach der Hälfte ihrer Laufzeit den Modernisierungsstau bereits ansieht, bleibt der 500er alterslos.

Collezione kostet ab 16.700 Euro

Trotzdem hätte sich der Fiat wohl über die Jahre optisch abgenutzt, gäbe es nicht einen ungebrochenen Nachschub an Spezialeditionen wie etwas das Sondermodell „Collezione“ (ab 16.700 Euro, als Cabrio ab 18.890 Euro), das beispielhaft zeigt, wie viel man mit etwas Liebe und Geschmack noch aus einem an sich bekannten Auto herausholen kann.

Kein Vergleich zu den marketinggetriebenen Rallyestreifen- oder Soundanlagen-Sondermodellen anderer Hersteller, die neben dem Fiat wirken, als wären sie einem Abverkaufsprogramm entsprungen. Zweifarblack – Weiß bis zu den Scheinwerfern, darüber ein leichtes Grau -, filigrane 16-Zoll-Felgen und metallisch glänzende Außenspiegelkappen sowie eine Chromleiste über die ganze Motorhaubenlänge: Die Zutaten sind simpel, aber im Zusammenspiel so wirkungsvoll wie bei einem klassischen italienischen Pastagericht. Der Collezione sieht aus wie das Sammlerstück, nachdem er benannt ist.

Cockpit in Hartplastik

Das Heck des Fiat 500 Collezione. Foto: FIat

Innen musste bis auf die altmodisch gestreiften Polster gar nicht viel optimiert werden. Das Cockpit des Fiat ist eh ein Paradebeispiel dafür, was man aus eigentlich frugalem Hartplastik herausholen kann, wenn man es in die richtigen Formen und Farben gießt. Dass das Interieur nach all den Jahren immer noch nicht altbacken wirkt, liegt auch an dem neuen Farbbildschirm im Zentralinstrument, der zwar wenig nützliche Informationen, dafür aber modernen Pfiff ins Sichtfeld des Fahrers bringt.

Dass der zentrale Navigationsbildschirm mit teils seltsamen Übersetzungen aus dem Italienischen, umständlicher Menüführung und unübersichtlicher Grafik nervt: geschenkt!
Denn auch wenn der Fiat 500 im automobilen Pflichtprogramm bestenfalls mittelmäßig abschneidet, brilliert er bei der Kür so sehr, dass all die Fehler in den Hintergrund treten. Wer sich von dem zeitlosen Design fangen lässt, stört sich nicht an profanen Problemchen. Viele Autos, über die sich so etwas sagen lässt, gibt es heute nicht mehr. Auch in dieser Hinsicht ist der kleine Italiener „retro“ in bestem Sinne. (SP-X)

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