Die Sünde schlechthin

Graues Geschoss: Lamborghini Reventon © Foto: Press-Inform

Mit einem ordinären Auto hat der neue Lamborghini Reventon nicht viel zu tun. Den 20 auserwählten Kunden ist in diesem grauen Kampfjet ein Glückgefühl der besonderen Art sicher.

Von Stefan Grundhoff

Mit exklusiven Sonderserien hält Lamborghini die automobile Legende vom rasenden Stier am Leben. So exklusiv wie der Lamborghini Reventon war jedoch noch nie einer der Renner aus Sant’ Agata in der Nähe von Bologna. Der Reventon als brachialer Bruder des Murcielago LP640 ist die Sünde schlechthin, unglaubliche 1,2 Millionen Euro teuer und leider längst ausverkauft. Kein Wunder - es gibt gerade einmal 20 Stück. Doch keine Angst; die nächste Stier-Kleinserie wird kommen. Ob sie jedoch so spektakulär über Rennstrecken und Straßen brüllen wird, wie der Kampfjet namens Reventon, ist fraglich. Hier hat sich die Designabteilung von Lamborghini so richtig ausgetobt und den Murcielago mit einem Stealth-Tarnkappenbomber gepaart.

Ein Rennwagen wie ein Kampfjet

Manfred Fitzgerald, bei Lamborghini verantwortlich für Marke und Design ist beim Anblick des neuesten Renners mehr als zufrieden: «Für das Design haben wir den italienischen Luftwaffen-Stützpunkt im norditalienischen Ghedi besucht. Wir wollten die Idee eines Kampfjets umsetzen. Inspiriert wurden wir vom Tornado und der F 22 Raptor.» Hört sich gefährlich an und fährt sich auch so. In gerade einmal sechs Monaten wurde das geheime Lambo-Projekt umgesetzt. Ein Rennwagen wie ein Kampfjet, dass gibt es nicht alle Tage und so glotzen sich auch die Lamborghini-erprobten Bürger in der Umgebung von Bologna die Augen aus, als der graue Reventon über die Straßen brüllt.

Beeindruckender Auftritt

Ein Gefühl wie in einem Kampfjet Foto: Lamborghini

Die mattgraue Lackierung, riesige Kühlöffnungen, schwarz lackierte Alufelgen und gefährlich blitzende LED-Leuchten machen der Umgebung Angst und sorgen beim Piloten bereits beim Einsteigen für schweißnasse Hände. Der Innenraum des Reventon zeigt sich kaum weniger beeindruckend. Eng geschnittene Rennsitze in grau-schwarzem Alcantara, die charismatischen Flügeltüren und eine Jet-Instrumentierung mit einzigartigen Anzeigen für Drehzahl und Geschwindigkeit verbreiten ein einzigartiges Innenraumgefühl abseits aller Automobilkonventionen. Es könnte bequemer sein, doch man ist schließlich nicht in der First Class eines Airbus A380, sondern in einem Kampfgeschwader unterwegs. Für Kampfpiloten über 1,85 Meter ist der Reventon schlichtweg die falsche Wahl, denn die Kopffreiheit ist karg und so kann man den Helm gleich ablassen. In der Mitte der Instrumente raubt einem eine G-Force-Anzeige die Sinne. Sie misst die Kräfte, die beim Beschleunigen, Bremsen und Kurvenfahrt auf den Körper einwirken. Achtung Spieltrieb!

Brachiale Gewalt

Verbesserte Aerodynamik Foto: Lamborghini

Der immense Vortrieb des Reventon entspricht weitgehend dem seines bekannten Bruders LP640. Dank zahlreicher Leichtbauelemente wiegt er mit 1660 Kilogramm Leergewicht knapp 100 Kilogramm weniger und verfügt über schmale zehn PS mehr. «Seine Aerodynamik ist besser. Doch Unterschiede beim Fahren sind kaum spüren», erklärt Testfahrer Giorgio Sanna, «auf den Teststrecken haben wir mit ihm Geschwindigkeiten von bis zu 343 km/h gefahren. Bei Höchstgeschwindigkeit ist das Heck etwas ruhiger als beim Murcielago.» Zwölf Zylinder, 650 PS, 660 Nm Drehmoment und über 340 km/h Spitze - da wird die Luft für die ohnehin überschaubare Konkurrenz dünn.

So musste man sich neue Gegner suchen. «Wir wollten mit dem Reventon kein Kollektionsstück erschaffen», erklärt Manfred Fitzgerald, «das ist ein echter Rennwagen. So muss es bei Lamborghini auch sein.» Um zu zeigen, wie brachial ein Reventon beschleunigen kann, kam es auf dem norditalienischen Nato-Stützpunkt Ghedia zum Shoot-Out zwischen zwei Kampfjets der besonderen Art. Die Triebwerke zünden - es wird brutal und der Lambo liegt lange vorn. Am Ende der Startbahn gab es zwischen allradgetriebenem Kampfstier und Tornado Kampfjet (15.000 Kilopond) ein Unentschieden und nur lachende Gesichter. Das wird bei den 20 auserwählten Kunden kaum anders sein.