Der Über-Mini

Mini John Cooper Works

Mini John Cooper Works © Foto: BMW

Der Mini John Cooper Works soll da weitermachen, wo der Cooper S aufhört: Ein Plus von 36 PS und 20 Newtonmetern mehr Drehmoment soll Spaß-Fahrer zu Mini-Jüngern machen. Klappt der Plan?

Von Wolfgang Gomoll

Wie viel Mini braucht der Mensch? Für die BMW-Marketingstrategen ist die Antwort auf diese - zugegebenermaßen etwas provokante Frage einfach: Man kann nie genug davon kriegen. Und damit dieser englisch-bayerische Imperativ mit zusätzlicher Substanz gefüllt wird, haben die Münchner gleich einmal Nägel mit Köpfen gemacht und die Mini-Tuning-Schmiede «John Cooper Works» gekauft. Die Konsequenz aus dieser freundlichen Übernahme ist, dass zusammenwächst, was zusammengehört - zumindest wenn es nach dem Willen der Bayern geht.

Komplette Neuausrichtung

Das Ergebnis ist eine komplette Neuausrichtung der Marke «John Cooper Works». Statt Auto-Veredelung ist nun eine ganzheitliche Strategie angesagt. Deswegen gibt es auch beim Fixstern der John-Cooper-Works-Reihe, dem Auto, eine Neuausrichtung. Es wird nicht mehr ein Tunning-Kit angeboten mit dem ein Cooper S beim Mini-Händler nachträglich aufgemotzt wird, sondern ein fertiges Auto, das individuell ausgestattet bzw. verfeinert werden kann.

Der Mini John Cooper Works und der John Cooper Works Clubman Foto: Mini

Damit nicht genug. Neben dem besonders potenten Mini gibt es jetzt auch eine ganze Palette von Merchandising-Produkten zu kaufen. Das Lifestyle-orientierte Klientel soll sich durch und durch zu «J. C. W.» bekennen und dies auch mit T-Shirts, Lederarmbänder und andere modische Accessoires zeigen. Soweit so gut, aber ohne ein potentes Zugpferd werden selbst die schicksten Klamotten sehr schnell zu uncoolen Ladenhütern.

Dieser entscheidende Protagonist ist der «John Cooper Works», der mit 27.700 Euro (Clubman 29.500) 5600 Euro teurer ist, als ein normaler Mini Cooper S. Letzterer hat mit 175 PS auch schon gehörig Dampf unter der Haube. Die John-Works-Variante setzt mit 211 PS noch einen drauf und ist ein straßentaugliches Derivat der Marken-Rennserie «Mini Challenge». Der Motor ist zwar vom Aufbau her identisch mit dem Twin-Scroll-Turbo im Cooper S, wurde aber grundlegend überarbeitet: Ein Turbolader mit festeren, hitzebeständigeren Bauteilen, die einen höheren Ladedruck ermöglichen, ein anderer Zylinderkopf mit neuen Ventilen, verstärkte Kolben und eine veränderte Abgasanlage (Ein- und Auslass) sorgen für mehr Dampf.

Austraininierter Hochleistungssportler

Der tellergroße Tacho im Mini John Cooper Works Foto: Mini

Wer also glaubt, seinen Cooper S durch reines Erhöhen des Ladedrucks - zum Beispiel per Chiptuning - zum John Works machen zu können, irrt sich also gewaltig. «Der John Cooper Works ist ein austrainierter Hochleistungssportler», fasst der Leiter der Motorenentwicklung Gerrit Kiesgen die Vorzüge seines «Babys» zusammen - natürlich vergisst Mini-Mann nicht zu erwähnen, dass der neue Motor mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,9 Liter/100 km 20 Prozent weniger verbrauchen soll als der Vorgänger. Das ist aber keine Kunst, denn das erste John-Works-Triebwerk war ein echter Schluckspecht.

Die Seitenansicht des MiniJohn Cooper Works Foto: Mini

So viel zur durchaus ansehnlichen Theorie. Dass die nicht grau bleibt, zeigt sich schnell. Der Motor schiebt an, dass es eine wahre Freude ist. Das maximale Drehmoment von 260 Newtonmetern liegt ab 1.850 Umdrehungen an. Per Overboost lässt es kurzzeitig auf 280 Nm (20 mehr als beim Cooper S) steigern - was dem Fahrspaß alles andere als abträglich ist. Die Fahrleistungen sind dementsprechend: In 6,5 Sekunden sprintet der potente Mini von null auf 100 und erst bei 238 km/h setzt der Luftwiderstand dem Vortrieb ein Ende. Spaßfahrer aufgepasst: Wer auf den fummeligen, etwas versteckten Sport-Knopf drückt, darf sich über eine direktere Lenkung und eine spontanere Gasannahme freuen.

Kraft kommt auf die Straße

Schön, Dampf hat der Mini. Aber er bringt diese Kraft auch auf die Straße? Vorab schon mal so viel: Ja, tut er! Das Fahrwerk ist sportlich straff und gibt den Zustand der Straßenoberfläche deutlich an die Passagiere weiter. Dazu gibt es gleich eine Premiere. Das ESP ist erstmals bei einem Frontriebler aus dem Hause BMW dreistufig.

Die Einstiegsleisten am Mini John Cooper Works Foto: Mini

Drückt man den DSC-Knopf eine Weile, lässt die Elektronik etwas mehr Schlupf der Vorderräder zu, was auf der Rennstrecke und im Winter durchaus hilfreich ist. Bei nochmaligem Drücken ist der Schleuderverhinderer komplett deaktiviert, was angesichts der gutmütig untersteuernd ausgelegten Abstimmung zwar beherrschbar bleibt, aber dennoch nur von geübten Fahrern vorgenommen werden sollte. Wir es trotzdem eng, packen die Bremsen beherzt zu.

Für gehörige Traktion sorgt das elektronische Sperrdifferenzial an der Vorderachse, das im Grunde nur ein erweitertes ESP ist und mit Bremseingriffen die Funktion eines mechanischen Sperrdifferenzials simuliert, ohne die Motorleistung zu reduzieren. Bei schnellen Kurvenfahrten, die mit der präzisen Lenkung genau gesteuert werden, zeigt sich die gute Abstimmungsarbeit der BMW-Ingenieure. Der dynamikhemmende Bremseingriff ist nur im extremen Grenzbereich spürbar. Hier wäre eine mechanische Sperre wünschenswert.

Pizza mit Salami

Und wo wir gerade beim Ausfüllen unseres Wunschzettels sind. Das bekannte Mini-Interieur hält immer noch nicht mit dem - auch beim John Cooper Works - erhobenen Premiumanspruch mit. Die Schalter sind oft fummelig (Klima-Anlage, Sport-Taste) und haptisch nicht überzeugend. Auch der Pizza-Tacho in der Mitte des Armaturenbrettes ist nicht jedermanns Sache. Retro hin oder her: Oft ist man versucht, das kreisrunde Instrument mit Salami und Peperoni zu belegen.

Die Leichtmetallfelgen am Über-Mini Foto: Mini

Das würde vermutlich die Individualisierung ein Stück zu weit treiben. Obwohl das eines der Hauptanliegen der John-Cooper-Works-Reihe made by BMW ist. Frei nach dem Motto: «Jedem seinen maßgeschneiderten Mini» lässt sich der John Cooper Works weiter aufpeppen und verfeinern. So versucht Mini wohl zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn die Aufpreisliste ist traditionell lang. Schon interessant, wenn unter Serienausstattung derart «luxuriöse» absolut nicht selbstverständliche Extras wie «Tachoskala bis 260 km/h» eigens aufgeführt werden.

Satte Aufpreisleiste

Dafür fehlen dann so „nebensächliche“ Dinge wie eine manuelle Klimaanlage (960 Euro), die Automatik kostet im Zusammenspiel mit dem Ausstattungspaket „Chili“ (2.600 Euro, hat immerhin eine manuelle Klimaanlage) 330 Euro oder einzeln 1.290 Euro zusätzlich. Auch sonst muss fast alles bezahlt werden, was das Autofahren angenehm macht. Beheizbare Seitenspiegel inklusive Frontscheibenwaschdüsen (immerhin!) 240 Euro, Parkpiepser 310 Euro und und und. Selbst die Motorhaubenstreifen in schwarz, weiß oder silber (wohlgemerkt „nur in Verbindung mit gleichfarbigen Dach und Spiegelklappen, die dann umsonst (!!) sind, kosten 80 Euro.

Mini John Cooper Works Foto: Mini

Unter dem Strich ist der Einstiegspreis von 27.700 Euro für den John Cooper Works (Clubman 29.500 Euro) eine Mogelpackung. Will etwas Komfort haben, muss man zumindest zum Ausstattungspaket «Chili» greifen. Zusammen mit ein paar kleinen Extras sind dann locker 31.000 Euro fällig. Eine Menge Holz, aber das sind Mini-Fans ja gewohnt. Dafür gibt es aber einen richtigen Spaßflitzer mit viel sportlichem Image.