Der billigere Kompakt-Van

Fiat Doblo

Der Doblo fährt demnächst auch mmit Erdgas © Foto: Fiat

Eine preisgünstige Alternative sind die sogenannten Hochdachkombis. Doch auch der zum PKW umfunktionierte Fiat Doblo kann seine Herkunft nicht verleugnen.

Von Holger Holzer

Die preiswerteste Art, eine Familie und viel Gepäck zu transportieren, ist ein zum Pkw hochgerüsteter Kleintransporter. Bislang boten diese Autos vom Schlage eines Fiat Doblo jedoch nur rauen Nutzfahrzeugcharme. Trister Innenraum und holperiges Fahrverhalten gehören bei der neuen Generation des geräumigen Italieners jedoch der Vergangenheit an. Zu Preisen ab 19.500 Euro steht die Version mit dem langstreckentauglichen 1,6-Liter-Dieselmotor beim Händler.

Frische Farben und schöne Materialien

Preislich hatten die sogenannten Hochdachkombis gegenüber "richtigen" Kompakt-Vans nach Muster des VW Touran immer schon die Nase vorn. Allerdings waren ihnen die gewerblichen Gene deutlich anzumerken: Nutzwert ging sowohl innen als auch außen vor Ästhetik, das Fahrwerk war in der Regel eher auf den Transport schwerer Europaletten als auf den von komfortbedürftigen Insassen ausgelegt. Auch beim Thema Sicherheit wurde gespart, um Handwerker und Spediteure mit möglichst geringen Grundpreisen locken zu können.

Beim neuen Doblo ist das alles anders: Frische Farben und schöne Materialien sorgen im Innenraum für wohnliches Ambiente, statt Starrachse gibt es an der Hinterachse eine aufwendige Einzelradaufhängung. Selbst der in dieser Fahrzeugklasse oft nicht einmal gegen Aufpreis angebotene Schleuderschutz ESP ist ohne Extrakosten an Bord. Ganz verleugnen kann der Doblo seine Herkunft aber nicht. Neben den als Pkw entwickelten Kompakt-Vans wirkt das Karosseriedesign etwas wuchtig und schmucklos - eben wie bei einem Lieferwagen.

Bis zu 3200 Liter Kofferraumvolumen

Praktische Schiebetüren für bequemen Ein- und Ausstieg Foto: Fiat

Beim Fahrverhalten gibt sich der Fronttriebler zwar gutmütig und komfortabel, steuert aber etwas schwerfällig und leicht schwammig um die Kurve. Viele moderne Vans können das besser. Auch bei der Geräuschdämmung kann der Fiat nicht mithalten; der Dieselmotor ist im Inneren stets gut zu vernehmen.

Fast konkurrenzlos sind aber die inneren Werte. 790 Liter Gepäck passen ins Heck des Fünfsitzers; beladen wird wahlweise über eine Heckklappe oder Flügeltüren. Wird die Fondbank weggeklappt, sind es 3200 Liter. Das reicht für Großeinkauf, Möbelhaus-Besuch und Umzug in Einem. 600 Kilo dürfen Koffer, Taschen und Einkäufe wiegen, bevor der Italiener in die Knie geht.

Rücksitzbank nicht ausbaubar

Der Innenraum wurde deutlich aufgewertet Foto: Fiat

Und auch die Passagiere erfreuen sich eines komfortablen Raumangebots. Fahrer und Beifahrer haben seitlich mehr Bewegungsfreiheit als in einer Oberklasselimousine, die Passagiere der zweiten Reihe könnten dank des hohen Daches Zylinder tragen. Zwei seitliche Schiebetüren bieten ihnen auch in engen Parklücken einen bequemen Einstieg. Ein paar kleine Schwachpunkte gibt es aber doch: So lässt sich die Rücksitzbank zwar wegklappen, aber nicht komplett ausbauen, daher kostet sie in jedem Fall Laderaum. Außerdem könnten die Sitze etwas straffer, stärker ausgeformt und mit längeren Oberschenkelauflagen versehen sein.

Das Motorenprogramm wird Nutzfahrzeug-typisch von Dieselmotoren bestimmt. Beste Wahl ist dabei der mittlere Selbstzünder mit 77 kW/105 PS, dessen Leistung in allen Lebenslagen ausreicht und der mit 5,2 Litern Normverbrauch relativ sparsam unterwegs ist. Darüber rangiert ein 2,0-Liter-Diesel mit 99 kW/135 PS, der mit der höchsten Ausstattungslinie zwangsgekoppelt und daher recht teuer ist.

Günstiger Preis

Knapp 20.000 Euro für den Diesel Foto: Fiat

Außerdem gibt es einen 66 kW/90 PS starken 1,3-Liter-Diesel sowie einen 1,4-Liter-Benziner mit 70 kW/95 PS. Beide sind aber für das immerhin 1,4 Tonnen schwere Auto etwas zu schwachbrüstig. Immer an Bord ist eine Start-Stopp-Automatik, die jedoch nicht ganz ausgereift scheint: Tritt der Fahrer beim Ampelstart die Kupplung, benötigt sie häufig eine Gedenksekunde, bis sie das Triebwerk wieder anwirft.

Der Preis von 19.500 Euro für den Diesel-Doblo ist bereits im Vergleich mit anderen Hochdachkombis wie Renault Kangoo oder Citroen Berlingo relativ günstig. Stellt man dem Fiat einen Kompakt-Van gegenüber, wird die Differenz riesig. Ein mit ähnlich starkem Motor ausgestatteter VW Touran kostet knapp 25.000 Euro, ein Ford C-Max immerhin noch gut 23.000 Euro. Ausstattungsbereinigt wächst der Preisvorteil noch einmal, denn der mittlere Diesel kommt bereits recht gut bestückt daher. Zur Serienausstattung gehört Wichtiges wie Klimaanlage, CD-Radio und der Schleuderschutz ESP. Wer will, kann zudem noch Leichtmetallräder, ein Hochdach und Parkpiepser für das Heck ordern. Allerdings sorgt die Kastenform der Karosserie bereits für gute Übersicht nach hinten. (mid)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.