Citroen Berlingo: Hochdachkombi mit hohem Nutzwert

Der Citroen Berlingo bietet viel Platz. © Citroen

Wer ein Auto mit viel Platz, ordentlichem Komfort und einem vertretbaren Preis sucht, der sollte sich den Citroen Berlingo anschauen. Der Hochdachkombi ist einen Blick wert.
Der Franzose begründete das Segment mit der ersten Generation bereits 1996. Nun geht der kastige Franzose für knapp unter 20.000 Euro in seinen dritten Lebensabschnitt. Dabei steht er teilweise auf der EMP2-Plattform von Opel, die auch dem Rüsselsheimer Combo, 1Peugeot 3008 oder Citroen C5 Aircross zugrunde liegt: Die Vorderachse profitiert von der neuen Basis in Sachen Leichtbau, Handling und Geräuschentwicklung.

Dank einer modifizierten Berlingo-2-Hinterachse bekommt man in dem Nutzfahrzeug aber weiterhin eine Europalette zwischen die Radkästen. Das wäre bei einer reinen EMP2-Lösung nicht möglich gewesen.


Citroen Berlingo behält Charakteristik

Das Cockpit des Citroen Berlingo. Foto: Citroen

Mit der neuen Vorderachse verliert der Berlingo seine Grundcharakteristik als ehrlicher Lastenesel nicht. Der Franzose ist nun sogar in zwei Varianten mit 4,40 und 4,75 Meter Länge verfügbar. Wer es drauf anlegt, alle Sitze inklusive des Beifahrerplatzes umlegt und zum Möbelhaus fährt, bekommt nun Gegenstände bis zu einer Länge von rund drei Metern unter. Aber auch im normalen Alltag einer größeren Familie ist der Citroen ein kleiner, großer Held.

Die beiden hinteren Schiebetüren sind praktisch und in den Fond passen neben einer halben Kleinfeld-Fußballmannschaft auch alle Schuhe, Stutzen, Trikots und Schienbeinschoner. Hinter den Sitzen ist dann immer noch Platz für den Großeinkauf: 775 Liter fasst der Berlingo in der kleineren „M“-Version, 100 mehr als bisher. Ohne umgeklappte Sitze, versteht sich.

Auch beim Design bleibt sich der Berlingo im Großen und Ganzen treu. Die Frontpartie orientiert sich stärker an Citroen Cactus oder C5 Aircross und trägt Haupt- sowie Tagfahrlicht nun getrennt. Zusätzlich gibt es die bekannte, durchgehende Chromspange. An der Seite des Berlingo finden sich außerdem die für die Marke mittlerweile charakteristischen „Airbumps“ zur Vermeidung von Parkremplern wieder. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die „Stufe“ in der B-Säule, die beim Schulterblick schon mal irritieren kann.

Lichter Innenraum dank Panoramadach

Im dank optionalem Panoramadach lichtdurchfluteten Innenraum hebt sich der Berlingo vor allem durch seine unzähligen Ablagen und Staufächer ab. 28 Fächer gibt es insgesamt, fast 190 Liter sollen sich im Cockpit, zwischen den Sitzen, in den Türen und in den versteckten Mulden unter dem Dach sowie im Fußboden unterbringen lassen. Die sehr bequemen vorderen Plätze vermitteln mit ihrem Hochsitz-Gefühl einen guten Überblick, der Fahrer blickt auf eine analoge Tachoeinheit und ein solides Infotainmentsystem mit optionalem Head-up-Display. Lediglich das Wort „Seitenhalt“ scheint nicht im Lastenheft der Entwickler gestanden zu haben.

Ein paar Abstriche muss man außerdem bei der Materialauswahl im Innenraum des Berlingo machen. Zwar taucht in der Plastikwüste ab und zu eine Oase mit Softtouch-Oberfläche auf, aber selbst diese waren in unserem Testwagen (mit 800 Kilometern auf dem Tacho) schon verkratzt – vom gewöhnlichen rauen Plastik auf der Mittelkonsole ganz zu schweigen. Die Materialien mögen im Endeffekt besser gegen unachtsame Kinder oder Haustiere bestehen als eine edler anmutende Wahl, optisch sind sie trotzdem ein Fehlgriff.

Genug gemeckert. Was den Berlingo nämlich neben seinem riesigen Platzangebot und den praktischen Features zu einem wirklich guten Alltagsauto macht, steckt unter Blechkleid und Innenraum. Unser Testexemplar lässt sich mit dem „BlueHDi 130“-Dieselmotor mit 96 kW/130 PS in Verbindung mit einer neuen Achtgang-Automatik extrem entspannt fahren. Das Aggregat wirkt zu keiner Zeit übermäßig angestrengt und fällt auch geräuschtechnisch nicht unangenehm auf. Drehmoment ist stets ausreichend vorhanden und man kann auch auf der Autobahn souverän mitschwimmen. Die sehr sanft und zurückhaltend agierende Automatik rundet das Bild ab. Lediglich die Frage, ob Berlingo-Fahrer wirklich den Wunsch nach Schaltwippen äußern, bleibt ungeklärt. Man probiert sie einmal aus und übergibt dann doch wieder an die hervorragende Automatik.

Lob für das Fahrwerk

Das Heck des Citroen Berlingo. Foto: Citroen

Lob muss auch für die Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung ausgesprochen werden. Letztere ist zwar um die Mittellage etwas schwammig, generell lässt sich der Berlingo aber auch auf schlechten Straßen entspannt pilotieren. Lediglich an das aufgrund des hohen Schwerpunkts etwas stärkere Aufschaukeln muss man sich zunächst gewöhnen. Dafür bietet das hohe Dach aber auch größeren Fahrern eine angenehme Kopffreiheit.

Noch ein paar Worte zur Preisgestaltung des neuen Berlingo: Los geht es für knapp unter 20.000 Euro mit Benziner (110 PS) und manuellem Getriebe in der Ausstattung „Start“. Hier gibt es zwar immerhin das Sicherheitspaket mit Spurassistent, Verkehrszeichenerkennung und Notbremsassistent, ansonsten ist die Ausstattungsliste aber sehr kurz. Wer von den vielen praktischen Features, die der Berlingo der dritten Generation bietet, profitieren will, muss schon mindestens die Option „Feel“ (ab 23.140 Euro) oder gleich das Topmodell „Shine“ (ab 24.640 Euro) ordern. Nur letzteres enthält das praktische „Modutop“-Dach mit Ablage sowie die getrennt zu öffnenden Heckscheibe. Wer die Top-Ausstattung mit dem Top-Diesel samt Automatik kombiniert, landet bei mindestens 31.000 Euro. Ein großer Unterschied zum Basismodell, den die vielen tollen Funktionen aber durchaus rechtfertigen. (SP-X)