Cadillac BLS Sport: Aus zwei Welten

Cadillac BLS © Foto: Cadillac

Cadillac drängt immer stärker auf den europäischen Markt. Die ansonsten eher rigiden Amerikaner sind deshalb beim BLS Sport viele Kompromisse eingegangen, stellte Michael Langenwalter fest.

Als was geht der Cadillac BLS denn nun durch? Als US-Fahrzeug wegen des unverkennbaren kantigen Design, das die Mittelklasse-Limousine deutlich als Cadillac und damit US-Modell ausweist. Oder doch eher als verkappter Europäer? Schließlich basiert der Fronttriebler technisch auf dem Opel Vectra respektive Saab 9-3, läuft in Schweden vom Band und ist sogar mit einem Dieselmotor verfügbar. Dem Mutterkonzern all dieser Marken, General Motors, kann das reichlich egal sein. GM versucht schlicht und ergreifend, mit den vorhandenen Mitteln das Beste aus zwei Welten zu kombinieren.

Europäischer Zuschnitt

Die Frage stellt sich nach den ersten Testfahrten aber auch gar nicht mehr. Der 4,7 Meter lange Cadillac BLS Sport entpuppt sich ganz klar als europäisches Fahrzeug. Geblieben ist indes der amerikanische Qualitätsanspruch in Sachen Ausstattung, der im BLS auch konsequent durchgesetzt wird. Dass Cadillac den Wagen als «Luxuslimousine» anpreist, geht dann aber doch etwas zu weit - für europäisches Verständnis, wohl gemerkt. Hochwertig wäre da das passendere Wort.

Ein Blick in den Innenraum genügt. Alles ist grundsolide, übersichtlich und aufgeräumt; auch die Anmutung stimmt. Auf Spielereien wurde glücklicherweise verzichtet. Der BLS ist eben ganz aufs Fahren hin ausgerichtet. Das Aluminium, der «Sport»-Version ist deutlich schicker als die sonst üblichen Holzeinlagen. Die weiße Instrumentenskalierung mit den roten Zeigern auf schwarzem Hintergrund ist gut einzusehen. Die Sitze sind sehr weich und lassen sich auch für größer gewachsene Insassen gut einstellen. Allerdings ist im Fond der Platz nicht ganz so reichlich. Auch das Kofferraumvolumen von 425 Liter geht nicht als klassenüblich durch.

Straffer ausgelegte Version

Das Design ist typisch amerikanisch Foto: Cadillac

In der «Sport»-Version ist der BLS im Gegensatz zur Serienversion noch etwas straffer ausgelegt. Ein tiefer gelegtes Fahrwerk sowie 18-Zoll-Räder sind hier Serie und sorgen dafür, dass man den 1,5 Tonnen schweren BLS bei Gelegenheit noch etwas zackiger durch die Kurven jagen kann, ohne jedoch am Fahrkomfort Abstriche machen zu müssen. Doch in der Regel geht es eher gemütlich voran. Die Federung schluckt auch heftigere Schläge souverän weg. Die Lenkung vermittelt ohnehin einen guten Kontakt zur Fahrbahn.

Souveränes Diesel-Aggregat

Auf europäisch getrimmt: das Cockpit Foto: Cadillac

Zu einer flotten Fahrweise trägt auch der (noch) völlig unamerikanische Dieselmotor seinen Teil bei. Die bekannte 1,9-Liter-Maschine mit Dieselpartikelfilter stammt aus dem Opel-Sortiment und bringt eine Leistung von 110 kW/150 PS sowie ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmetern im Bereich von 2000 bis 2750 Newtonmetern. Dazu passt das leicht zu schaltende Sechsgang-Schaltgetriebe. Und der Selbstzünder beweist im BLS, dass er sich hinter den (alternativ erhältlichen) drei großvolumigen Benzinern nicht verstecken muss. Zügiges Überholen und eine ordentliche Beschleunigung sind beim 1.9 TID garantiert. Das unterstreichen auch die Fahrwerte: 0 auf 100 km/h in soliden 9,5 Sekunden. Die 210 km/h Spitze reichen völlig aus. In Sachen Verbrauch zieht der Diesel dann so richtig davon. 6,1 Liter auf 100 Kilometer gibt Cadillac als Durchschnittswert an. Da können die Benziner längst nicht mithalten.

Der Cadillac BLS Sport wird als Benziner zu Preisen ab 32.950 Euro verkauft, der Diesel kostet 900 Euro mehr. Von der zusätzlichen Ausstattung ist die Einparkhilfe (400 Euro) unverzichtbar. Xenon-Scheinwerfer tauchen mit 970 Euro als Option auf. Das empfehlenswerte DVD-Navigationssystem mit CD-Playerund Bose 9-Lautsprecher System schlägt mit 3020 Euro zu Buche. Damit ist das kantige Welt-Auto genau in der Lücke positioniert, die sich zwischen den ähnlich gelagerten Modellen aus der GM-Familie und den Fahrzeugen der deutschen Hersteller aufgetan hat. Doch genau dieses Abheben von der Masse zeichnet den BLS Sport ja aus.