Bruderkampf: SLK 200 kann Chrysler Crossfire nicht ausstechen

Der Chrysler Crossfire (r.) basiert auf einem Mercedes. ©

Was Luxus, Detailverliebtheit und Hightech betrifft, ist der Mercedes SLK 200 Sieger im Vergleichstest mit dem Chrysler Crossfire Roadster. Der allerdings punktet gewaltig in Sachen Preis.

Stefan Grundhoff und Jürgen Wolff

Chrysler Crossfire und Mercedes SLK gehören zu den schönsten Roadstern auf dem Markt. Beide kommen aus einem Stall und wollen die Herzen der Oben-ohne-Fans erobern. SLK gegen Crossfire - das ist auch ein Kampf der Generationen und Konzepte. Während der Mercedes Hightech bietet, setzt der Amerikaner auf Bewährtes: Er basiert auf dem SLK-Vorgängermodell. Was bieten die Modelle in der 40.000-Euro-Klasse?

SLK 200 verfügt über Stahldach

Beide Konkurrenten bieten kompromissloses Roadsterfeeling. Der Crossfire wirkt optisch aggressiver - besonders durch den mächtigen Radsatz, die Keilform und den sehenswerten Hintern. Der SLK lässt mit seiner tief herunter gezogenen Nase vor allem in der Frontansicht vom Übersportwagen Mercedes SLR und der Formel 1 träumen. Der Rest sitzt beim SLK perfekt - eben typisch Mercedes. Im Gegensatz zum Crossfire hat er ein vollelektrisches Stahldach, das binnen 22 Sekunden lautlos öffnet und schließt. Die Stoffmütze des Chrysler dagegen ist allzu dünn und nur halbautomatisch zu bedienen.

Die Heckansichten beider Roadster.

Für weniger als 40.000 Euro bietet Chrysler mit dem Crossfire ein exzellentes Paket. Er sieht offen wie geschlossen hervorragend aus. Unter der langen Motorhaube schlummert ein alter Bekannter: Das 3,2-Liter-Aggregat aus dem Mercedes-Regal hat konzernintern schon so ziemlich jedes Automodell angetrieben.

Motor passt gut zum schweren Chrysler

So sieht der Crossfire von innen aus.

Bulliger V6-Sound, 160 kW/218 PS und ein maximales Drehmoment von 310 Nm - das liest sich gut und fährt sich noch besser. Von 0 auf 100 km/h in gemessenen 7,2 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 244 km/h. Bei beidem blieb der sportliche Roadster damit zwar hinter den Werksangaben zurück, zauberte dem Fahrer jedoch allemal ein Lächeln ins Gesicht. Der Motor passt ausgezeichnet zu dem 1,5 Tonnen schweren Hecktriebler. Die optionale Fünfgang-Automatik überzeugt deutlich mehr als die hakelige Handschaltung. In der Praxis lag der Durchschnittsverbrauch bei knapp elf Litern Super auf 100 Kilometer.

Hausmannskost bei Mercedes

In der 40.000-Euro-Klasse gibt es beim Mercedes SLK nur vergleichsweise brave Hausmannskost. Der 200 Kompressor ist eine Mogelpackung. Der Reihenvierzylinder hat gerade einmal 1,8 Liter Hubraum, 120 kW und 163 PS. Für den Spurt auf 100 braucht er mit 8,7 Sekunden deutlich länger. Und die realistische Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h liegt naturgemäß auch unter den Crossfire-Werten. Da heißt es beim SLK eher Cruisen als Heizen.

Für zügiges Überholen und schnelles Vorankommen auf deutschen Autobahnen reicht das aber jederzeit. Und anders als der «aggressive» Crossfire setzt der SLK von seinem Wesen her ohnehin mehr auf gediegene Eleganz und komfortbetonte Sportlichkeit. Wer mit ihm unterwegs ist, will sportlich-souverän vorankommen - und keinen neuen Streckenrekord zwischen Stuttgart und München aufstellen. Insofern sind die 1796 Kubik unter der Haube völlig ausreichend.

Crossfire profitiert von Mischbereifung

Beim Fahrwerk zeigen beide ihre starken Seiten. Die sportliche Abstimmung des Crossfire stimmt. Er liegt satt auf der Straße und profitiert von der Mischbereifung (18-Zoll vorne, 19 Zoll hinten). Abstriche gibt es für die schwammige Lenkung und das teilweise ruppig regelnde ESP.

Der 4,08 Meter lange SLK fährt sich dagegen schon aufgrund der vergleichsweise schmächtigen Bereifung komfortabler als der Crossfire. Die Lenkung ist deutlich besser und die Handschaltung macht einen guten und für Mercedes ungewohnt knackigen Job. Nur Experten merken allerdings, dass der Crossfire auf der Konzeption des alten SLK beruht.

Mercedes hat innen Stil

Deutlicher wird der Unterschied im Innenraum. Hier hat der Crossfire keine Chance gegen den spürbar moderner wirkenden SLK. Schalter, Bedienelemente, Anmutung - der Unterschied ist deutlich. Beim Crossfire lässt sich das Lenkrad nur in der Tiefe verstellen. Auch der Verstellbereich der Sitze könnte besser sein. Das Kofferraumvolumen von 104 Litern liegt bei geöffnetem Dach auf der Größe eines großen Handschuhfachs. Bordcomputer, Licht-Regensensor, Klimaautomatik oder Xenonlicht - der schöne Amerikaner bietet nichts dergleichen.

Das Cockpit des Mercedes.

Der SLK hingegen bietet alles und noch mehr - vom alltagstauglichen Kofferraum bis hin zum «Airscarf» genannten Föhn in der Rückenlehne, der warme Luft in den Nacken bläst und so ein Cabrio-Fahren auch noch an kälteren Tagen erträglich macht. Für Roadster-Puristen ein Sündenfall, für bürostuhlgeplagte Mittfünfziger eine Wohltat. Und im Crossfire irgendwie unvorstellbar.

Sieger in Serienausstattung ist Crossfire

Der Nachteil solcher und anderer Annehmlichkeiten ist, Mercedes bittet wegen jeder Kleinigkeit teuer zur Kasse. Die Ausstattung des Crossfire dagegen lässt schon serienmäßig kaum Wünsche offen: Elektrische Ledersitze, 18-/19-Zoll-Alufelgen, Klimaanlage, Soundsystem, ESP und vier Airbags gibt es für 38.400 Euro. Sinnvollerweise sollte man sich für das Automatikgetriebe (1400 Euro) und das Radionavigationssystem (1550 Euro) entscheiden: Macht dann insgesamt 41.250 Euro.

Dafür gibt es beim SLK ebenfalls eine komplette Ausstattung - aber eben nur bestückt mit dem Vierzylinder. In der 33.524 Euro teuren Basisversion findet sich im Vergleich zum ungleichen Bruder nur geradezu spartanische Hausmannkost. Mit Annehmlichkeiten wie Ledersitzen, Xenonlicht, Navigation oder dem wärmenden Luftschal knackt man deutlich die 40.000er Marke. Will man vergleichbare V6-Power, dann kostet der Spaß mit dem Stern jedoch deutlich über 50.000 Euro.