BMW Z4: Offen durch den Sommer

Offen durch den Sommer: der BMW Z4. © Axel F. Busse

Ein spezielles Versöhnungsangebot hat BMW den Freunden klassischer Roadster gemacht: Der neue Z4 hat wieder ein Stoffdach. Zumindest sieht es so aus.

Dass unter der Zeltbahn bewegliche Formspriegel die Haube halten und spannen, sieht man nicht. Porsche macht das schon lange so und auf diese Weise lassen sich die Vorteile des ungeliebten Stahlklappdachs mit der traditionellen Optik verbinden.


Und auch sonst ist alles nur eine Frage der richtigen Verpackung: Obwohl zusammen mit Toyota entwickelt (wo das Coupé Supra aus der gemeinsamen Basis entstand), fehlt es dem BMW Z4 nicht an Eigenständigkeit. Seine Linien sind extrovertierter, markanter und dynamischer als beim Vorgänger, trotz leicht verkürzten Radstands ist der Zweisitzer insgesamt acht Zentimeter länger geworden. Zwar etwas wuchtig mag das Heck mit dem integrierten Spoiler erscheinen, doch jetzt verdienen 281 Liter Ladevolumen – bei geschlossenem und offenem Dach – tatsächlich die Bezeichnung „Kofferraum“. Mehr kann auch die Konkurrenz von Porsche (Boxster) oder Audi (TT) nicht bieten.

Erstaunlich niedrige Ladekante

Das Gepäckabteil ist immerhin 81 Zentimeter tief und bis zu 1,20 Meter breit, das sollte für die Standardladung solcher Spaßmobile – die Golfbags – reichen. Überraschend ist, dass die Ladekante mit 70 Zentimetern so niedrig wie bei manchen Limousinen ausfällt. Das elektrische Dach kann in beide Richtungen bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h bewegt werden. Bei Testwagen dauerte das Öffnen 11,9 Sekunden, das Schließen 12,3, wo jeweils noch fünf Sekunden hinzuzurechnen sind, bis die Seitenscheiben ihre Ruhestellung erreichen.

Der BMW Z4 ist wieder mit Stoffdach unterwegs. Foto: Axel F. Busse

Die Strömungsverhältnisse bei geöffneter Fahrt sind erstaunlich komfortabel, denn obwohl in Höhe der integrierten Kopfstützen zwischen Fensterscheibe und Überrollbügeln eine Lücke klafft, sind störende Luftwirbel auch bei höheren Geschwindigkeiten kein Thema. Der Bereich zwischen den Überrollbügeln ist durch ein transparentes Windschott verschlossen. Es kann abgenommen werden, will man sich mal so richtig den Wind um die Nase wehen lassen. Zur Ausstattung des Testwagens gehörte das so genannte M Lederlenkrad, des sehr wulstiger Kranz über keine erkennbaren Vorteile fürs Handling bringt.

1,5 Tonnen Eigengewicht

Tief herunter gezogen sind Doppelniere und Lufteinlässe, darüber wölbt sich die angeblich größte Motorhaube im ganzen BMW-Programm. Damit der für die Fahrdynamik bedeutsame Schwerpunkt dicht über der Straße bleibt, ist auch die Sitzposition tief angebracht. Jeweils die Hälfte der 1500 Kilogramm Eigengewicht lasten auf den beiden Achsen – ebenfalls eine gute Voraussetzung für agiles Handling.

Eine andere Voraussetzung sind Heckantrieb und ein kräftiger Motor. Im Falle des Testwagens handelte es sich um den aufgeladenen Zweiliter-Motor, der 258 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment mobilisiert. Schon ab 1550 Umdrehungen ist die volle Schubkraft verfügbar, was für 5,4 Sekunden auf 100 km/h reicht. Mit 7,4 Liter Testverbrauch lag der Z4 akzeptabel über dem Normwert.

Kurvenhatz und Cruisen vereint

Unter den Bedingungen von mehr als 250 PS lassen sich je nach Laune bissige Kurvenhatz und entspanntes Cruisen erleben. Ist per Taste auf der Mittelkonsole der sportliche Fahrmodus aktiviert, ändert sich außer der Schaltcharakteristik auch die Dämpfer-Kennlinie, doch zum Berserker wird der Z4 dadurch nicht. Flüssig und harmonisch durchzieht er die Kehren, immer in ausgezeichneter Balance zwischen Längs- und Querdynamik.

Man müsste schon mit der Deaktivierung des Stabilitätsprogramms nachhelfen, wollte man ihn zu einem Ausbruchsversuch mit dem Heck provozieren. Den Status eines jungen Wilden hat dieser Z4 offenbar hinter sich gelassen, zu perfekt getrimmt auf sportlichen Komfort, als dass noch Platz für etwas Ungezogenheit bliebe. Dazu passt allerdings, dass die Soundkulisse, die Motor und die zweiflutige Abgasanlage erzeugen, für ruhebedürftige Menschen nicht zum Aufreger taugen.

Ausreichend Platz

Der BMW Z4. Foto: Axel F. Busse

Die beiden Insassen müssen sich auf 1,41 Metern Breite zwischen den Türverkleidungen nicht einschränken, sie umgibt die BMW-typische Wohnlichkeit. Klimaautomatik, Sitzheizung, automatisch abblendender Innenspiegel sind serienmäßig an Bord, die aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion wird mit 440 Euro extra berechnet. Das Head-Up-Display verteuert die Anschaffung um 980 Euro, das Harman-Kardon-Sounssystem um 400 Euro. Während andere Hersteller trotz der Verwendung von TFT-Displays weiterhin Rundinstrumente im Sichtfeld des Fahrers simulieren, hat BMW nunmehr auf eine Art Zangengrafik umgestellt. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber immerhin individuell.

Einen BMW Z4 muss man sich gönnen können. Zweisitzer haben naturgemäß eine eingeschränkte Praxistauglichkeit, weshalb sie oft nicht der einzige Pkw im Haushalt sind. Dafür bieten sie bei schönem Wetter umso mehr Fahrspaß. Komfort und Kultiviertheit, Leistungsbereitschaft und hohen Wiederverkaufswert bietet der Z4 nun wieder in klassischer Optik. Und das ist auch gut so.

1 Kommentar

  1. Juhu, endlich wieder ein Stoffdach. Gaaanz toll. Dafür nehme ich dann in Kauf, dass der Radstand trotz größerer Gesamtlänge kürzer ist, dass er trotz dem „leichten“ Stoffdeckel schwerer ist als der Vorgänger, dass das Heck laut „Design made in Japan“ schreit und dass die Nieren keine Rippen mehr haben sondern den eher Mercedes typischen „Diamantengrill“
    Und das alles für ein Publikum, dass bei 18°C genau so mit geschlossenem Verdeck fährt wie bei 28°C weil zu kalt bzw. zu heiß. Ich war von jeher schon Fan von Coupe und Cabrio und deshalb liebe ich meinen E89. Praktisch zwei Autos zum Preis von einem. Und ja, ich hatte schon ein Auto mit echtem Stoffverdeck (BMW Z3) und das Dach war ok. Aber das Blechdach ist objektiv einfach besser.

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