BMW 8er Cabriolet: Offen für Unvernunft

Rechtzeitig zum Saison-Start erscheint das BMW 8er Cabrio. © BMW

BMW lässt das neue 8er Cabrio ins Freie: Mehr als zwei Tonnen und 100.000 Euro schwer, doch auf der Straße ist der offene 2+2-Sitzer ein leichtfüßiges Fahrvergnügen.

Sportwagen stehen in der Gunst der Käufer schon lange nicht mehr weit oben, und auch der Cabrio-Markt schrumpft zusehends. Das allerdings hat BMW nicht abgeschreckt, beides zu kombinieren: Der offene 8er, der nur wenigen Monate nach dem Coupé in die Schauräume rollt, ist ein veritabler Dynamiker, in dem man sich prima den Wind um die Nase pusten lassen kann. Mangelnde Nachfrage müssen die Münchner nicht fürchten. Für lustvoll-unvernünftige Fahrfreude finden sich schließlich immer noch genug Käufer. Und genau die soll das mindestens 108.000 Euro teure 8er Cabrio erobern.


Wer diesen Tarif akzeptiert, hat allerdings noch den Kopf und weniger den Bauch sprechen lassen. Denn in der Basis-Version fährt der 4,85 Meter lange Stoffdach-BMW als 840d „nur“ mit einem 320 PS Sechszylinder-Diesel vor. Der eigentliche Kracher dagegen, der M850i mit einem kräftig bollernden V8-Benziner unter der Haube, ist erst ab 133.700 Euro zu haben. Eine Investition, die mit Gänsehaut bei jedem Gasstoß belohnt wird – zumindest wenn man im Sportmodus unterwegs ist.

Zwei Personen und zwei Golfbags passen rein

Der Kofferraum fasst nur bescheidene 350 Liter. Foto: BMW

Dann reagiert der sonst ruhige Achtender direkt auf jeden Marschbefehl, braust laut blubbernd auf und reißt das Cabrio mit der vollen Wucht von 530 PS und 750 Newtonmetern Drehmoment nach vorne, während die beiden Insassen energisch in die straffen, aber nicht allzu großen Sitze gepresst werden. Zwei? Richtig. Zwar ist der offene 8er offiziell ein Viersitzer, doch die Rückbank eignet sich besser als edel belederte Ablage denn zum Reisen. Dafür lassen sich die Lehnen umklappen, so können lange Gegenstände von dem zwar nur 350 Liter kleinen, aber verdammt tiefen Kofferraum problemlos durchgeladen werden. Zwei Golfbags, verspricht BMW, gehen so in das Cabrio.

Den Weg zum ersten Abschlag kann man im Comfort-Modus ganz entspannt cruisen. Die Achtgang-Automatik schaltet früh hoch und lässt das massige Drehmoment bei niedrigen Touren gelassen seine Arbeit verrichten. Erfreulich: Anders als viele andere Sportler treibt der BMW seinen Fahrer nicht durch aggressives Auftreten zur Eile. Wer übers Land gondeln will, hat nie das Gefühl, zu langsam unterwegs zu sein. Wenn die Tee-Time aber näher rückt, kann man mit dem Münchner auch problemlos einige Minuten Wegzeit reinholen.

Dynamik-Modus wirkt wie Blitzdiät

Aufgeräumt, nobel und digital: Der Arbeitsplatz im 8er Cabriolet. Foto: BMW

Mit gestrafften Dämpfern fegt der 8er dann wieselflink um die Kurve und lässt bei jedem, der ein wenig Ahnung von Physik hat, Zweifel aufkommen. 2015 Kilogramm Leergewicht stehen im Fahrzeugschein, doch der Dynamik-Betrieb scheint auf den Münchner wie eine Blitzdiät zu wirken. Der V8 dreht hoch und schiebt spontan an, der serienmäßig allradgetriebene BMW krallt sich in den Asphalt, reagiert spitz auf die typisch-straffe Lenkung und lässt sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen. Und man versteht schon nach wenigen Kilometern, warum BMW als Wettbewerber neben dem Aston Martin DB11 auch den Porsche 911 aufzählt – wenngleich er mit dessen Agilität freilich nicht vollends mithalten kann.

„Hey BMW! Wo ist die nächste Tankstelle?“

Der 4,85 Meter lange 2+2-Sitzer mit Stoffverdeck. Foto: BMW

Dass am Ende einer solchen Spaß-Fahrt wirklich nur zehn Liter Verbrauch auf dem Bordcomputer angezeigt werden, hofft wohl kein Käufer wirklich. Dass aber mitunter fast das doppelte auf dem Display erscheint, erschreckt einen dann doch. „Hey, BMW! Wo ist die nächste Tankstelle?“ dürfte also einer der Sätze sein, die der neue, intelligente Sprachassistent recht häufig zu hören bekommt. Das immer schlauer werdende System soll aber nicht nur Routen finden, sondern kann zum Beispiel auch per Sprachbefehl die Innenraum-Temperatur verändern oder den Wetterbericht abrufen. Abgesehen von Regen kann man mit dem 8er übrigens fast immer offen fahren, denn der Nackenfön sorgt auch bei einstelligen Gradzahlen für mollige Wärme.

Rangieren per Tastendruck

Während Alexas Kollegin eine nette Spielerei ist, entpuppt sich der Rückfahrassistent dagegen als richtig praktisches Extra. Vor allem bei geschlossenem Dach ist die Sicht nach hinten stark eingeschränkt. Wer sich mit dem 8er in einer engen Gasse festgefahren hat, kann den Wagen dann per Tastendruck automatisch die letzten 50 Meter des Weges zurückfahren lassen – Gas und Bremse muss man allerdings selber noch bedienen. Aber auch beim Vorwärtsfahren denkt und lenkt der 8er natürlich mit. Er warnt den Fahrer sogar, wenn der sich flott einem Stopp- oder Vorfahrt-Achten-Schild nähert und mahnt ihn mit einem Hinweis im digitalen Kombiinstrument zur Vorsicht. (SP-X)