BMW 750i: Zu schade, um nur chauffiert zu werden

Der BMW 750i. © Foto: Werk

BMW hat dem 7er ein Facelift verpasst. Das hat der Luxuslimousine ebenso gut getan, wie die Erneuerung des Motorenangebots. Die neuen Aggregate beeindrucken durch ihre Leistungsentfaltung.

Frank Mertens

Endlich durften sich die Produktplaner von BMW an die Modellüberarbeitung des 7er machen. Schließlich hatte die Luxuslimousine gleich nach der Vorstellung der vierten Generation Ende 2001 mit ihrem behäbigen, ans Barocke erinnernden Design die Kritiker auf den Plan gerufen. Wohl auch deshalb haben die Bayern mit 160.000 Fahrzeugen des aktuellen Modells in den zurückliegenden 38 Monaten nur acht Prozent mehr Einheiten abgesetzt als vom Vorgänger.

Modifizierung am Design

Doch das, was vor über drei Jahren für Unmut sorgte, wurde nun erfolgreich ausgebügelt. Im Frontbereich wurden neben dem Powerdome in der Motorhaube auch Niere, Scheinwerfer und Frontschürze einer dezenter Überarbeitung unterzogen. Im Heckbereich wurde die Heckklappe samt Rückleuchten modifiziert und mit einer Chromleiste versehen. Seitlich wurde die Lichtkante im Schweller-Bereich stärker ausgebildet. Im Zusammenspiel mit der etwas steiler zur Windschutzscheibe zulaufenden Motorhaube hat der 7er damit endlich das bekommen, was man sich von ihm schon zum Marktstart gewünscht hätte: Mehr Sportlichkeit und Dynamik im Erscheinungsbild. Aber lieber spät als nie! Zumindest sein Äußeres wird die Kritiker des 7er zum Schweigen bringen. Hier liegt im Rückschritt der Fortschritt.

Auf den Innenraum trifft dies indes nicht zu. Dort ist fast alles so geblieben, wie man es von dem Vorgänger kennt - und was man nicht nur schätzen gelernt hat. Weiterhin für geteilte Meinungen sorgen wird deshalb die seitlich an der Mittelkonsole angebrachte Verstellung des Fahrer- und Beifahrersitze mittels eines kleiner Drehknopfes und Drucktasten auf jeder Seite.

An der Mittelkonsole sind die Bedientasten für die Sitzeinstellungen zu finden. Foto: Werk

Wieso eigentlich? Die Sitze lassen sich damit weitaus bequemer einstellen als mit einem seitlich am Sitz angebrachten Verstellmechanismus. Außerdem: Aus ergonomischer Sicht macht die Position an der Mittelkonsole Sinn. Wenn der Arm dort abgelegt ist, lässt sich der Sitz bequem verstellen - und wenn es denn sein muss, dann lässt sich so auch schnell der Beifahrersitz vom Fahrer einstellen. Apropos Sitze: Sie sind ohne Frage so bequem, wie man es in einer Oberklasselimousine erwarten kann - allerdings auch so teuer: Für die elektrisch verstellbaren Komfortsitze vorn mit Lehnenbreitenverstellung, Lordosenstütze etc. werden 2200 Euro (Serie im 760i/760iL) extra fällig. Doch diese Sitze gibt es nur mit der Lederausstattung, für die man im 740i, 750i, 730d und 745d noch einmal 2620 Euro auf den Tisch legen muss. Es versteht sich in einem Fahrzeug dieser Klasse von selbst, dass die Passagiere sowohl vorn als auch hinten über fehlenden Platz nicht zu klagen haben.

«iDrive» überfrachtet

Das Cockpit im 7er. Foto: Werk

Was nicht optimal gelungen ist, ist die Anordnung der Instrumente. Während der Start-Stop-Knopf links von der Öffnung des «Schlüssels» angebracht ist, verbirgt sich dahinter der Schalter für die Park-Distanz-Kontrolle. Dieser Knopf ist nicht nur schwer zu sehen, sondern auch nicht intuitiv zu erreichen, ohne dass man leicht an den Hebel für die Scheibenwischer anstößt. Bedienfreundlichkeit sieht anders aus! Doch da BMW den 7er gerne selbst als Chauffeurslimousine bezeichnet, braucht man sich um solche störenden Kleinigkeiten ja nicht zu scheren...

Bleiben wir noch kurz bei der Bedienerfreundlichkeit - und landen entsprechend beim iDrive. Gerne schreibt sich BMW hier die Vorreiter-Rolle auf die Fahnen und verweist darauf, dass die Mitbewerber ähnliche Bedienkonzepte auf den Markt gebracht haben. Doch ob das BMW-System wirklich die Ablenkung des Fahrers vom Straßengeschehen auf ein Minimum reduziert, muss aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in Abrede gestellt werden. Neben Einstellungen in den Hauptmenüs Klima, Entertainment, Kommunikation und Navigation findet sich hier auch Untermenüs zu den Borddaten oder BMW Assist-Bereich. Weniger wäre hier sicherlich mehr gewesen. Aber: iDrive ist keineswegs so schwer zu betätigen, wie viele das immer gebetsmühlenartig wiederholen. Mittels des lederbehüteten Controllers auf der Mittelkonsole lassen sich die Funktionen per Druck beziehungsweise Drehen ansteuern. Und sollte man mal nicht weiterkommen, dann drückt man den vorhandenen Menüknopf, um zum Ausgangsmenü zurück zu gelangen. Wer sich mit dem System vor Fahrtantritt beschäftigt hat, kommt damit zurecht.

Deutliche Gewichtsreduzierung

Entscheidend geändert hat sich der 7er indes unter der Motorhaube: Bis auf das V12-Top-Triebwerk im 760i/Li (327kw/445 PS) sind fünf weitere Motorenvarianten komplett neu oder wurden von den Ingenieuren überarbeitet und mit mehr Hubraum und Power versehen. Ein wahrer Technologiesprung vollzog sich dabei bei den Dieselaggregaten: Der 745d wurde neu entwickelt und leistet bei 220 kW/300 PS ein maximales Drehmoment von 700 Nm bei 1750 bis 2500 U/min. Der 730d bringt es auf 170 kW/231 PS und liefert ein maximales Drehmoment von 520 Nm bei 2000 bis 2750 U/min. ab. Dank der Verwendung eines Vollaluminium-Kurbelgehäuses konnte das Gewicht um 30 beziehungsweise 25 Kilogramm reduziert werden. Im Einstiegsmodell 730i kommt der bereits aus dem 330i bekannte Reihensechszylinder-Benzinmotor mit 190 kW/258 PS zum Einsatz: Er schafft ein maximales Drehmoment von 300 Nm bei 2500 bis 4000 U/min. Laut Werksangaben soll er 10,1 Liter verbrauchen.

Daneben gibt es noch den von uns gefahrenen 750i/Li: Er löst den 745i/Li ab. Das Achtzylinder-Triebwerk mit seinem Hubraum von 4,8 Liter verfügt über satte 270 kW/367 PS und weist ein maximales Drehmoment von 490 Nm auf, das bei 3400 U/min. zur Verfügung steht. Deutlich anzumerken ist dem neuen Motor sein Kraftzuwachs von satten 44 PS gegenüber dem 745i/Li. Er beschleunigt das Zwei-Tonnen-Auto in geradezu sportlichen 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Verbrauch liegt laut Werk bei rund 11,4 Litern auf 100 Kilometern.

In die Sitze gepresst

Im Fond gibt es ausreichend Platz. Foto: Werk

Und die Fahrleistungen des 750i/Li sind beeindruckend. Ein Tipp auf das Gaspedal genügt und die Passagiere werden mit Vehemenz in die Sitze gedrückt. Dieser Schub beeindruckt in jedem Drehzahlbereich. Und diese Leistungsentfaltung findet seine Entsprechung in den Fahreigenschaften: Sie lassen sich mit einem Wort beschreiben: Exzellent. Egal, ob man nun in der Langversion (Li) mit einer Länge von 5,18 Metern oder der Normalversion mit 5,04 Metern unterwegs ist: Der 750i zieht präzise seine Bahnen. Trotz seiner Länge kann man ihn wie einen schnittigen Sportwagen um die Kurven peitschen. Von Trägheit kann bei dieser Luxuslimousine keine Rede sein. Dank seines hervorragend abgestimmten Fahrwerkes und der um 1,4 Zentimeter verbreiterten Hinterachse bringt den 7er nichts aus der Ruhe. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der 750i bei abgeriegelten 250 km/h. Der Innenraum ist so gut von der Außenwelt abgeschirmt, dass man gar nicht mitbekommt, dass man weit jenseits der 100 km/h unterwegs ist. Angesichts dieser Leistungsdaten und Fahreigenschaften ist der 7er eigentlich zu schade, um sich nur zu chauffieren zu lassen.