Berauschendes Rauschen

Tesla Roadster

Elektrisch und schnell: der Tesla Roadster © Foto: Tesla

Das momentan imposanteste Elektroauto der Welt ist der Tesla Roadster, den wir in Berlin für einen ersten Fahreindruck schon mal um die Blocks schicken konnten. Um ein einerseits und andererseits zu entdecken.

Von Martin Woldt

Da steht sie also, die elektro-getriebene Zukunft des Automobils. Das letzte Mal, dass ich ein Tesla-Gerät in den Händen hatte, liegt wohl an die 25 Jahre zurück. War ein tschechisches Spulentonband, häufig in der Reparaturwerkstatt und verrauschte meine Led-Zepplin-Aufnahmen entsetzlich. Rauschen ist es diesmal auch, was mich an diesem, allerdings aus Kalifornien stammenden Tesla, befangen macht. Zudem ist es eher berauschendes Rauschen, das mit dem ansatzlos zupackenden Drehmoment von fast 300 Newtonmeter einsetzt, als ich das schmale Alu-Gaspedal des Roadsters auf der Straße des 17. Juni in Berlin berühre. Die Drehzahlnadel stürmt schlagartig ihrem roten Sektor bei 13.000 Touren entgegen.

Kein akkustischer Wutausbruch

In diesem Augenblick, da sich ein Porsche oder ein Nissan Z 350 brüllend in die Meute werfen würden, ist der über die Frontscheibe wirbelnde Luftstrom alles, was man hört. Und so sehr man den akustischen Wutausbruch eines Sportwagens mit Ottomotor als eine Art Kernsequenz betrachten mag, dem Tesla-Roadster fehlt er nicht die Bohne.

Wie ein Pfeil huscht die nur 1,13 hohe Maschine die Heerstraße hinauf und man muss sich, in den unnachgiebigen Sportsitz gepresst, einige Momente an diese tiefe Fahrerposition erst gewöhnen. Knapp über der Höhe einer Reparaturpritsche und unterhalb einer E-Klasse-Ladekante positioniert, entdeckt man den Reiz neuer Perspektiven.

375 Kilometer Reichweite

Der Tesla an der Steckdose Foto: Tesla

Ist das Rost da im Radhaus des Touareg nebenan, dieser Minirock nicht eher ein Hüftwickel? Was es im Auto zu sehen gibt, wirkt nicht unbedingt interessanter. Ein schmaler Bildschirm hinter dem Lenkrad, in der Größe eines Handydisplays und dessen Darstellungsqualität von vor fünf Jahren signalisiert den Ladezustand der Batterie.

Dafür, dass andere Elektrokonzepte derzeit schon nach wenigen Kilometern die Segel streichen, tut sich da nach fast 30 Kilometern wenig. 375 Kilometer soll die Batterieladung des Roadsters reichen, ehe sie wieder für 3,5 Stunden an den Stecker muss. Der schwarze Anzeigebalken hat sich eigentlich nicht bewegt, als wir das Auto den Tesla-Leuten wieder übergeben.

Bewunderswerte Technik

Dynamische Linien Foto: Tesla

Wie war’s? «Great», antworte ich und weiß zugleich, dass ich eher diese unwiderstehliche lineare Beschleunigung (in 3,9 Sekunden von null auf hundert) meine und das unbestimmte Gefühl, dass man den Verbrennungsmotor dereinst wohl kaum vermissen wird. Ob man aber für diesen Tesla bereits 120.000 Euro, davon knapp die Hälfte in Vorkasse, ausgeben will, ist eine sehr persönliche Frage.

Die Technik ist bewundernswert. Ohne die 450 Kilogramm schwere Batterie, die eine Leistung von 45 Kilowattstunden speichern kann, würde das Auto nur 770 Kilogramm wiegen. Aber die 99 Akkumodule mit ihren fast 7000 Lithium-Ionen-Zellen drücken das Gewicht in etablierte Regionen. Einer Lithium-Ionen-Batterie dennoch diese Reichweite und eine Zuverlässigkeit von etwa 160 000 Kilometer abgetrotzt zu haben und einen Wirkungsgrad des Antriebs von 87 Prozent vorzulegen, ist ein ingenieurtechnisches Meisterstück und die eine Seite.

Knarzende Verpackung

Puristischer Innenraum Foto: Tesla

Die andere, wie man die elektrische Seele verpackt. Die 3,95 Meter lange Aluminium-Carbon-Karosse knarzt und knackt noch auffällig oft im Stadtverkehr. Die Schaltung des einstufigen Getriebes wirkt wie aus dem Modellbausatz, das Lenkrad wie von einer Computerkonsole. Die schmale Mittelkonsole mit der Haptik einer Stereoanlage aus den 80ern ist ziemlich wackelig verschalt. Das rechte Zutrauen, dass die Bremsen die gigantische Beschleunigung im Zweifelsfall in null Komma nix auch wieder einfangen, entstand nicht.

Enge Kurven ohne Traktionskontrolle würde man gern mal intensiver testen. George Clooney und Matt Damon mögen mit ihrem Fahrzeug vor allem die Vision bezahlt haben, aber es gibt noch ausreichend am Auto zu tun, selbst wenn man den Vorseriencharakter der in Berlin gezeigten Fahrzeuge berücksichtigt. Das scheint Tesla mit Blick auf die Vorkasse auch zu wissen.

Auslieferung ab 2009

3,5 Stunden Pause, dann geht es weiter Foto: Tesla

2000 Fahrzeuge will Tesla vom Roadster, der im britischen Hethel hergestellt wird, demnächst diesseits und jenseits des Atlantiks verkaufen. 2009 werden die ersten 250 an europäische Kunden ausgeliefert.

Bestellen muss man sie noch bei Tesla direkt in Los Angeles in Kalifornien, ehe dann in Deutschland demnächst mindestens in München auch eine deutsche Zweigstelle entsteht. Dort kann dann womöglich auch mehr über die Tesla-Fahrzeugfamilie erfahren, die der amerikanische Hersteller gegenwärtig plant. 2010 ist etwa eine viertürige Elektro-Limousine vorgesehen, die auch auf der jetzigen Lotus-Plattform fahren soll.