Automatischer Chrysler Voyager verlangt Mut

Äußerlich hat sich der Voyager nur leicht verändert. ©

Der überarbeitete Chrysler Voyager erfüllt alle Bedingungen, die an an einen Van gestellt werden. Die Automatikversion ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig.

Stefan Grundhoff

Der Chrysler Voyager ist auf dem Vanmarkt seit Jahren ein Verkaufsschlager. In den 80igern war er der Begründer einer neuen Fahrzeug-Ära - den mittlerweile nicht mehr aus dem Markt wegzudenkenden Vans. Doch der Pionier von einst ist in die Jahre gekommen. Qualitätsmängel und eine bärenstarke Konkurrenz machen dem großen Amerikaner mittlerweile das Leben schwer. Chrysler lenkt gegen und legt nach: Besonders der überarbeitete Commonraildiesel soll Dank Komfortautomatik und sparsamem Verbrauch den Verkauf ankurbeln.

Der neue Voyager sieht gut aus wie eh und je. Das jüngste Facelift hätte etwas mutiger ausfallen dürfen, aber der Familienfreund mit dem Produktionsstandort Graz gehörte schon immer zu den attraktivsten Vertretern seiner Klasse. Die wichtigste Neuerung ist die Viergangautomatik, die ab sofort mit dem 2,8-Liter großen Dieselmotor zu haben ist. Der Vierzylinder leistet 110 kW/150 PS und kraftvolle 360 Nm Drehmoment, die bereits bei 1800 U/min zur Verfügung stehen.

Schaltstufen können leicht verwechselt werden

Die Heckansicht.

Genau das richtige für eine Automatikversion. Der Fahrer wundert sich zunächst über die Getriebebedienung. Wie in einem US-Straßenkreuzer oder dem Strich-8-Taxi aus den 70er Jahren werden die Gänge über einen klobigen Lenkstockhebel eingelegt. Über die getroffene Wahl informiert nur eine kleine Ganganzeige im Kilometerzähler. Beim Einlegen der einzelnen Stufen geht es rustikal zu. Die Schaltung ist wenig präzise. Gerne verwechselt man die Schaltstufen D und L.

Auch technisch macht die Viergangautomatik einen betagten Eindruck. Besonders in den Gängen zwei und drei könnte das Getriebe besser auf den drehmomentstarken Motor abgestimmt sein. Die Automatik nimmt dem Motor viel an Dynamik. Überholen auf der Autobahn verlangt Mut. Doch 180 km/h Spitze sind allemal drin. Im Praxistest verbrauchte der Voyager 2.8 CRD durchschnittlich 9,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer - eine Menge in dieser Klasse. Zudem schafft er ohne Partikelfilter nicht die Euro-4-Abgasnorm.

Überzeugender ist die Vorstellung des 4,81 Meter langen Fronttrieblers im Innenraum. Das Platzangebot ist mächtig. Wer noch mehr möchte, entscheidet sich für den 5,10 Meter langen Grand Voyager. Doch bereits die kurze Version kann mit komfortablen Abmessungen glänzen. Besonders mit sechs Einzelsitzen (440 Euro Aufpreis) ist der Amerikaner die ideale Reiselimousine. Vorne gibt es viel Raum und ein übersichtliches Armaturenbrett. Allein die billigen Plastikarmlehnen und die fehlenden Verstellmöglichkeiten auf der Beifahrerseite bringen Punktabzug.

Kofferraum kann stark vergrößert werden

Im Voyager kann man es sich dank großer Variabilität gemütlich machen.

Praktisch ist die große Box zwischen den Sitzen, die auch in die zweite Reihe versetzt werden kann. Neben verschiedenen Ablagen gibt es Beleuchtung und einen weiteren 12-Volt-Anschluss. Wir vermissen allein eine Kühlmöglichkeit. Im Fond erfreuen die großen Schiebetüren. Sie öffnen ab der hochwertigen LX-Version elektrisch. Dunkle Scheiben (425 Euro) sind angesichts der großen Fensterflächen ebenfalls zu empfehlen.

Neben den bequemen Einzelsitzen verfügt der Vater aller Vans über viel Variabilität und einen mächtigen Kofferraum. Je nach Sitzkonfiguration stehen zwischen 660 und 3640 Liter zur Verfügung. Die lassen sich über die mächtige Heckklappe mit niedriger Ladekante problemlos beladen. Der Ausbau der Sitze könnte dagegen leichter von der Hand gehen.

Mit "Stow and Go" wird im Voyager Platz geschafft.

Der neue Grand Voyager macht es einem einfacher. Mit dem System «Stow and Go» lassen sich die Sitze spurlos im Boden versenken.

Serienausstattung ist gewaltig

Die Serienausstattung des Chrysler Voyager 2.8 CRD SE ist mit Klimaautomatik, CD-Soundsystem, elektrischem Fahrersitz und Tempomat standesgemäß. Sinnvolle Extras sind ein Navigationssystem (1550 Euro) und die nicht serienmäßigen Nebelscheinwerfer. Ansonsten ist die Sicherheitsausstattung mit Front- und durchgehenden Seitenairbags, Knieairbag, ABS und Traktionskontrolle auf der Höhe. ESP ist nicht lieferbar und fehlt dem überaus komfortabel abgestimmten Amerikaner nicht wirklich.

Die Bremsen wurden verstärkt. Störend zeigen sich die Wankbewegungen der Karosserie und die unpräzise Lenkung. Der Chrysler Voyager 2.8 CRD kostet inklusive Automatikgetriebe 29.900 Euro.