Audi SQ7: Ein Dickschiff tänzelt durch die Kurven

Der Audi SQ7 ist leichtfüßig unterwegs, selbst in Kurven. © Audi

Der Audi Q7 ist ein Trumm auf Rädern. Nun fährt er als SQ7 mit Benziner und als besonders sportlicher Vertreter seiner Zunft vor.

Vor rund einem Jahr hat Audi dem A4 ein Facelift spendiert – und damit, zumindest in Europa, das bisherige Sportmodell S4 ersetzt. Der Name ist geblieben, doch statt des Sechszylinder-Benziners sorgt nun ein V6-Diesel für Dynamik in der Mittelklasse.


Bei seinen großen SUV, dem bulligen Q7, geht Audi jetzt genau den umgekehrten Weg: Der TDI fliegt aus dem SQ7 raus und wird durch einen Benziner ersetzt. Und der hält gleichzeitig auch noch im Coupé-Ableger Q8 Einzug. In den USA, wo das Gros der Kundschaft wohnen dürfte, sind die beiden Wuchtbrummen bereits erhältlich, hierzulande gehen sie jetzt an den Start, für mindestens 93.287 beziehungsweise 101.086 Euro.

USA steht auf hochmotorisierte Dickschiffe

Gerade weil die Nachfrage nach hochmotorisierten Dickschiffen in den USA am stärksten ist, hat sich Audi für die Rochade entschieden. Der Diesel spielt dort traditionell keine große Rolle, und die Diesel-Gate-Affäre hat dem Ruf des Selbstzünders nicht gerade gutgetan. Und für Europa allein lohnt sich das Diesel-Modell auch nicht, also musste er weichen. Immerhin: Gleich geblieben sind die Zylinderzahl, derer acht, der mit vier Litern ordentlich bemessene Hubraum und die doppelte Turboaufladung.

Einen ordentlichen Sprung macht das S-Modell bei der Leistung, statt 435 werden jetzt 507 Pferdchen eingespannt. Gestiegen ist allerdings auch der Verbrauch: Statt unter zehn Liter Diesel veranschlagt Audi jetzt über zwölf Liter Benzin pro 100 Kilometer.

Weniger Drehmoment

Der Innenraum des SQ7 präsentiert sich nobel und sportilch zugleich. Foto: Audi

Federn lassen musste das S-SUV dagegen beim Drehmoment. Fielen einst bärenstarke 900 Newtonmeter bei nur 1.250 Umdrehungen über die Kurbelwelle her, liegen nun, bauartbedingt, bei 2.000 Touren „nur noch“ 770 Newtonmeter an. Das sorgt für einen interessanten Umstand: Mit 4,1 Sekunden sprintet der neue SQ7 TFSI zwar acht Zehntel schneller auf Tempo 100 als sein Vorgänger. Und doch fühlt er sich irgendwie weniger durchzugsstark an. Das liegt eben daran, dass einem etwas weniger Kraft erst bei etwas höherer Drehzahl ins Kreuz tritt.

Heißt konkret: Wer zum Überholen ansetzt und voll aufs Gas tritt, muss eine kleine Gedenksekunde hinnehmen, bis sich Turbolader und Achtgang-Automatik arrangiert haben. Danach freilich kennen beide 2,3-Tonner kein Halten mehr und brausen wie von der Tarantel gestochen davon. Nicht ohne der Umwelt durch tiefes Achtzylinder-Grummeln davon Kund zu tun.

Der Sound lässt sich über das Fahrprogramm genauso beeinflussen, wie beispielsweise die Sport-Luftfederung. Die ist ebenso serienmäßig an Bord wie die Allradlenkung, die bei niedrigem Tempo durch gegenläufiges Einschlagen der Hinterräder für besseres Handling und einen kleineren Wendekreis sorgt. Bei höheren Geschwindigkeiten ab circa 60 km/h werden die hinteren Räder parallel zu den vorderen gelenkt, dadurch erhöht sich die Fahrstabilität.

Aktive Wankstabilisierung an Bord

Wem das noch nicht reicht, der kann das Fahrwerkspaket „Advanced“ ordern und sich über ein Hinterachs-Sportdifferenzial freuen, das die vom Allradantrieb nach hinten geschickte Kraft zusätzlich zwischen den Rädern verteilt und so dem kurvenäußeren Rad, das mehr Grip hat, mehr Drehmoment zukommen lässt. Außerdem spendiert Audi den SQ-Modellen von Nummer 7 und 8 dann auch noch eine aktive Wankstabilisierung, die sich das 48-Volt-Bordnetz zu Nutze macht und mit Hilfe von E-Motoren an Achsen die Seitenneigung der Schwergewichte reduziert, was der Kurvendynamik zuträglich ist.

Braucht man das alles? Sicher nicht. Aber um es kurz zu machen: Es ist faszinierend, welche Agilität sich dank moderner Technik selbst solchen Kolossen mit auf den Weg geben lässt. Überraschend kommt das freilich nicht, schließlich war zum einen schon das TDI-Modell hervorragend durchtrainiert, zum anderen gibt’s vom SQ8 ja auch ein noch sportlicheres RS-Modell mit 600 PS. Das hat uns bereits gelehrt, dass die Audi-Ingenieure in der Lage sind, die Grenzen der Physik scheinbar ein wenig zu verschieben.

Dickschiff im Trainingsanzug

Der 2,3-Tonner könnte noch schneller, doch bei 250 km/h ist Schluss. Foto: Audi

Trotzdem ist es ein ums andere Mal faszinierend zu spüren, wie nachdrücklich die Blech-Masse vom Motor – wenn das Turboloch einmal überwunden ist – nach vorne und man selbst in die großen Ledersessel gedrückt wird. Und auch die Leichtigkeit, mit der SQ7 und erst recht der wie üblich noch einen Tick straffer abgestimmte SQ8, durch die Kurven tänzeln, ist und bleibt beeindruckend.

Dass sich am Ende das Gewicht doch nicht ganz kaschieren lässt, merkt, wer es zu stürmisch angeht – dazu animieren beide Sportmodelle. Dann aber kommt der Punkt, wo die Masse zum äußeren Kurvenrand drängt, recht plötzlich. Freilich greifen sofort die entsprechende Assistenzsysteme ein und regeln den Übermut runter – und auch man selbst wird schnell wieder zurück in die Realität geholt: Die besagt nun mal, dass ein sackschweres Fünfmeter-SUV eigentlich kein Sportwagen ist – auch wenn man ihm einen schicken Trainings-Anzug anzieht. (SP-X)

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