Audi A1 Sportback: Emotionale Distanz

Der Audi A1 Sportback hat 200 PS. © Audi

Der Audi A1 Sportback 40 TFSI wartet mit einer Leistung von 2´0 PS auf. Doch letztlich begeistern kann der Kleinwagen nicht.

Früher war ja alles viel besser, natürlich: So gab es ja unter anderem mal einen Audi S1, ein knackiges Auto mit etwa 230 PS, vor allem aber mit Allradantrieb und Handschaltung. Das alles in eine eher feminin wirkende Kleinwagenstruktur gepresst.


Vorbei, der berühmte Modulare Querbaukasten lässt etwa einen Allradantrieb nicht mehr oder nur mit hohem Aufwand zu. Der stärkste A1 – jetzt immer mit dem Zusatz „Sportback“ – hat noch 200 PS und immer ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe an Bord. Wir dachten: Besser als nichts – her damit.

Scharfe Kanten statt Rundungen

Erster Gedanke beim ersten Kontakt: Mensch, A1, haste Dir verändert. Obwohl ja motor- und getriebeseitig domestiziert, wirkt die Optik eher so, als wären da mehr Pferdestärken denn je unter der Haube. Wo früher angenehme Rundungen dominierten, hat Chefdesigner Marc Lichte scharfe Kanten und einen für einen solchen Wagen echt großen Grill verbunden mit einer sehr auf Dynamik getrimmten Frontschürze kreiert.

Zudem blickt der stärkste A1 böse aus seinen LED-Scheinwerfern (1000 Euro). Die breite schräge C-Säule und die Lüftungsschlitze zwischen Kühler und Motorhaube sollen wohl an die Sport Quattro-Modelle erinnern. Wobei die Lufteinlässe nur Fake sind. Da könnte man fast vergessen, dass es sich hier technisch ja letztlich nur um eine Art Edel-Polo-GTI handelt, ist doch der Volkwagen natürlich ein Kind aus dem gleichen Baukasten und wird vom identischen Motor angetrieben.

Feiner Innenraum

Der fein gestaltetet Innenraum des Audi A1. Foto: Audi

Die fast 4000 Euro Differenz (Polo GTI: 25.520 Euro – Audi A1 29.450 Euro) stecken bei einem Fahrzeug aus Ingolstadt natürlich nicht nur in der Außenschale, sondern auch im feineren Innenraum, wobei die Kunststoffe und das Kunstleder doch nicht ganz so edel daherkommen, wie es der Preis erwarten lassen könnte. Hinzu summieren sich trotz des hohen Basispreises, in diesem Fall sogar 31.890 Euro für das Sondermodell „Edition 1“, viele teure Optionen, zum Beispiel knapp 1.500 Euro für „Navigation Plus“, 790 Euro für den (eigentlich überflüssigen) Parkassistenten oder 535 Euro für die Smartphone-Anbindung. Premium-Preise eben. Insgesamt summierte sich unser Testwagen auf knapp 41.100 Euro, dafür kann man schon zwei Segmente höher, also in der Mittelklasse, zuschlagen.

Aber dann hat eben nicht diesen bissigen Kleinwagen, auch wenn „klein“ bei inzwischen über 4 Meter Länge relativ ist. Der 2,0-Liter-Turbo ist schon eine Pracht, hat mit dem immerhin 1.350 Kilo schweren Kleinwagen keinerlei Mühe. Zwar wird er in gewissen Drehzahlbereichen manchmal etwas dröhnig und ja, die Doppelkupplung könnte manchmal etwas fixer reagieren – warum gibt es auch keine Handschaltung mehr? – aber ansonsten ist die Fahrt im 40 TFSI ein großer Spaß.

Das Fahrzeug liegt so satt auf der Straße, wie man es von einem Sport-Flitzer nur erwarten kann. Dazu sitzt der Fahrer in passendem Gestühl, hat eine präzise Lenkung zwischen den Händen und eine exakte zu dosierende, kräftige Bremse unter dem rechten Fuß. Wobei dieser, also der Fuß, natürlich weit überwiegend auf dem Gaspedal liegt. Kleiner Nachteil des fehlenden Allradantriebs: Die 320 Newtonmeter Drehmoment, schon sehr früh bei 1.500 Umdrehungen und dann praktisch über den gesamten genutzten Drehzahlbereich anliegend, zerren dann schon mal etwas aufdringlich an den Vorderrädern.

Radstand bei 2,56 Meter

Das knackige Heck des A1 Sportback von Audi. Foto: Audi

Angesichts des zwar für ein Fahrzeug dieser Klasse normalen, aber natürlich absolut gesehen knappen Radstands von 2,56 Meter bietet der ja zudem auch sportlich abgestimmte Audi überraschend viel Komfort und bügelt so manche Unebenheit auf der Straße relativ souverän weg. Einen Rückenschaden sollte man natürlich nicht mitbringen, kommen kurz nacheinander Querfugen, ist das schon deutlich zu spüren. Trotzdem gibt der A1 auch in dieser Konfiguration noch einen passablen Alltagsbegleiter ab.

Da man sich aber nicht 200 PS zulegt, um auf der Autobahn ständig zu zuckeln, bleibt es natürlich nicht bei den genormten 6,0 Liter für 100 Kilometer. Wer mal ausprobieren möchte, ob und wie schnell der Kleinwagen die 235 Spitze erreicht, tut angesichts von dann schnell zweistelligen Verbräuchen weder der Umwelt noch seinem Geldbeutel einen Gefallen. Wir benötigten bei weit überwiegendem Gebrauch in der Stadt und moderatem Autobahntempo über den Testzeitraum 7,8 Liter. Kein Ruhmesblatt für den Turbomotor, aber auch noch erträglich.

Kofferraum fasst 335 Liter

Nach der Emotion noch ein paar Worte zum Nutzwert: Wir sprechen über einen Kleinwagen. Das heißt vorne sitzt man auch als großer Fahrer sehr gut, hinten wird es selbst für mittelgroß gewachsene Menschen schnell eng und in den Kofferraum passen 335 Liter. Das ist übrigens gar kein so schlechter Wert, hatte der Vorgänger doch 65 Liter weniger zu bieten. Und da es wie gesagt hinten eher eng zugeht, kann man die Rücksitze auch umlegen, die dann zur Verfügung stehenden knapp 1.100 Liter intelligent nutzen und sich zu zweit auf größere Fahrt in den Urlaub aufmachen. Doch, das können wir uns durchaus vorstellen. Und so viel Vernunft und Nutzwert bieten ja auch ein gutes Kaufargument für einen ansonsten doch eher unvernünftigen Kleinwagen.

Ja, aber da liegt auch ein Problem. Unser Herz hat der A1 Sportback 40 TFSI nämlich nicht erobert. Und vielleicht liegt es gerade an dieser etwas widersprüchlichen Mischung als Sportgerät mit Nutzwertanspruch, der uns zu diesem coolen Kleinwagen emotional immer etwas auf Distanz ließ. (SP-X)