Astra OPC: Rüsselsheimer Rennmaschine

Astra OPC: Rüsselsheimer Rennmaschine
Der Opel Astra OPC © Foto: Werk

Der Opel Astra OPC hat sich hohe Ziele gesetzt. Mit seinen 240 PS will er ins «Hoheitsgebiet etablierter Sportwagen» vorstoßen. Sein Frontantrieb hat jedoch Mühe, die Kraft umzusetzen.

Von Frank Mertens

Opel arbeitet kräftig an seinem Image als sportliche Marke. Dazu präsentieren die Rüsselsheimer am 25. November gleich vier neue OPC-Modelle: Den Astra, den Zafira, den Vectra und den Vectra Caravan. Das Opel Performance Center - die hauseigene Tuning-Firma der Rüsselsheimer - hat dieses Sportwagen-Quartett mit einem Zweiliter-Turbomotor mit 177 kW/240 PS (Astra und Zafira) und die Vectras mit einem neu entwickelten 2,8-Liter-V6-Motor mit 188 kW/255 PS ausgestattet.

Hohe Messlatte

Nachdem BMW mit dem 265 PS starken 130i und VW mit dem 250 PS starkem Golf R32 die Messlatte für Sportwagen in der Kompaktklasse bereits hoch angelegt haben, haben wir den Astra OPC getestet. Schließlich haben sich die Rüsselsheimer nicht weniger zum Ziel gesetzt als «ins Hoheitsgebiet etablierter Sportwagen

im Kompaktformat» vorzustoßen. Ein hoher Anspruch. - dem der Astra OPC zunächst einmal von außen gerecht wird.

Das Das Auspuffendrohr des OPC Foto: Werk

Das Designteam von Ulli Hochmuth hat ganze Arbeit geleistet: Die coupehafte Karosserie mit der tief herunter gezogener Frontschürze mit großen Lufteinlässen sowie die 18-Zoll-Leichtmetallreifen und das mittig sitzende Auspuffendrohr vermitteln ein klare Botschaft: Dieses Auto setzt auf Sportlichkeit. Das setzt sich auch im Innenraum fort: Die Recaro-Sportsitze erfüllen nicht nur ihren Zweck, sondern sehen auch verdammt gut aus. Die Materialien sind, wie von Opel bekannt, absolut wertig.

Geschmackssache ist allerdings die blau umrandete Instrumententafel. Sie wirkt für meinen Geschmack nicht nur billig, sondern ist im Vergleich zu den ansonsten von Opel verwendeten Grundinstrumenten - die deutlich besser ausschauen sind - auch nicht so gut abzulesen. Sei es drum. Das ist eine Marginalie.

Willige Gasannahme

Die blau umrandeten Instrumente Foto: Werk

Viel wichtiger ist, wie sich der Astra OPC fährt. Und auch hier hinterlässt der Opel mit seinem maximalen Drehmoment von 320 Nm auf den ersten Kilometern bei noch gemächlichem Tempo einen guten Eindruck. Der Vierventiler hängt willig am Gas und kann damit ausgesprochen schaltfaul gefahren werden: Der Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit ist den Entwicklern gut gelungen. Doch wie verhält sich der Astra OPC, wenn er das machen soll, für was er vor allem gemacht ist: Sportliches Fahren? Da wird es problematisch, aber nur hier: Wer die 240 PS voll ausschöpfen will und ihn in den angegebenen 6,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h treiben will, merkt schnell die Nachteile des Frontantriebes. Der Astra hat merklich Mühe, seine Kraft auf den Asphalt zu bringen. Die Räder zerren mächtig an der Vorderachse. Beim Beschleunigen tut man gut daran, seine Hände nicht vom Lenkrad zu nehmen. Dieses Auto braucht eine feste Hand.

Der Innenraum mit den Sportsitzen Foto: Werk

Und wer mit dem Astra wirklich nah an den Grenzbereich geht, wird feststellen, dass der 1319 Kilogramm schwere Wagen bei flott genommenen Kurvendurchfahrten leicht, aber merklich zum äußeren Kurvenrand schiebt. Wer schon einmal mit dem heckangetriebenem BMW 130i oder dem allradangetriebenem Golf R32 unterwegs gewesen ist, der weiß, dass sportliches Fahren nahe dem Grenzbereich souveräner zu meistern ist. Ein Allradantrieb würde dem Astra OPC also gut zu Gesicht stehen. Doch das ist für die Opelaner kein Thema. Schade, aber vielleicht überlegt man es sich in Rüsselsheim irgendwann noch einmal anders.

Das Heck des OPC Foto: Werk

Denn ansonsten ist der Astra OPC ein überzeugendes Auto. Der Antrieb ist ausgesprochen agil, die Sechsgangschaltung arbeitet perfekt, die Lenkung vermittelt eine gute Rückmeldung und das Fahrwerk mit der Fahrdynamik-Regelung IDS Plus lässt nur wenig Wünsche offen. Wer Wert auf Topspeed legt - und das dürften bei diesem Fahrzeug das Gros der Kunden sein - für den endet der Spaß bei 244 km/h. Genug, um sich von der Konkurrenz zumindest hier nicht abhängen zu lassen. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von 9.2 Litern SuperPlus ist dann auch nur noch ein theoretischer Wert. Absolut konkurrenzfähig ist auch der Preis des neuen Opel Astra OPC: Er steht mit 28.000 Euro in der Preisliste.

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