Abarth 695: Kleiner Spaßmacher zum Jubiläum

Der Abarth 695 ist mit 180 PS unterwegs. © Abarth

Abarth wird 70. Aus Anlass dieses Jubiläums legt Fiats Haustuner das Sondermodell Abarth 695 70 Anniversario auf.

Brumm, knatter, knurr. Wenn es so oder so ähnlich aus der Ferne hallt, rechnet kaum einer ernsthaft damit, dass kurze Zeit später ein Fiat 500 ums Eck geschossen kommt. Zwar spielt der italienische Kleinwagen im Retro-Look gerne den herzensbrechenden Macho, am Ende aber ist er eben doch ein knuffiger Romeo.


Zumindest, solange der hauseigene Tuner Abarth die Finger davongelassen hat. Die für zahlreiche legendäre Rallye-Versionen zuständige Sportwagen-Schmiede macht aus dem zahmen City-Flitzer einen kleinen Spaßmacher und hat ihr Angebot inzwischen auf zahlreiche Editions-Modelle erweitert. Pünktlich zum Firmenjubiläum kommt jetzt ein weiteres hinzu: Der Abarth 695 70 Anniversario, der in den kommenden Wochen für stolze 34.600 Euro zu den Händlern rollt.

Nur 1949 Exemplare werden gebraut

In Anspielung auf das Abarth-Gründungsjahr hat Fiat das Sondermodell auf 1949 Einheiten begrenzt, wie lange es erhältlich ist, entscheiden also die Käufer. Immerhin: Die Nachfrage nach den Sportmodellen ist groß, im vergangenen Jahr hat Abarth in Deutschland rund 3500 Einheiten der aufgemotzten Fiat 500 und veredelten 124 Spider verkauft.

Wie groß der explizite Run auf das Geburtstagsmodell ist, wird sich zeigen, im Grunde feiern die Italiener das Jubiläum lediglich mit einem neuen, zwölffach verstellbaren Heckspoiler. Dass die Kunden wirklich häufig zum Schraubendreher greifen und den Flügel neu justieren, ist unwahrscheinlich, die meisten werden ihn in der Regel am Anschlag, also bei 60 Grad Neigungswinkel, fixieren – damit die Hinterherfahrenden den aufgemalten Abarth-Schriftzug lesen können.

Bessere Aerodynamik

Der Innenraum des Abarth 695 70 Anniversario. Foto: Abarth

Natürlich wirkt sich der Spoiler auf die Aerodynamik aus, Fiat spricht von einem „Plus an Stabilität im Grenzbereich“ und von bis zu 42 Kilogramm mehr Anpressdruck bei 200 km/h. In den Fahrbereichen, in denen der Abarth normalerweise unterwegs sein wird, ist das allerdings eher vernachlässigbar. Zumal die Ingenieure weder an Motor, Fahrwerk noch Lenkung geschraubt oder sonst irgendwelche Anstrengungen unternommen haben, um den Kleinwagen noch etwas trainierter auf die Straße zu schicken.

Es bleibt unter der Haube beim 1,4-Liter-Turbo mit 180 PS, die für eine Vmax von 225 km/h reichen und 250 Newtonmeter Drehmoment, die erst bei hohen 3.000 Touren anliegen. Bis die erreicht sind, dauert es etwas, dann aber schlägt der Turbo-Punch kräftig zu und verpasst dem Abarth einen heftigen Tritt ins Kreuz – bis ihm kurz darauf der Drehzahlbegrenzer entgegenwirkt. Der Griff zum Schalthebel führt dagegen meist unweigerlich dazu, dass der kleine Motor wieder ins Turboloch fällt.

Zwar erreicht der Abarth die 100-km/h-Schwelle nach respektablen 6,7 Sekunden, etwas mehr Drehfreude würde aber noch mehr Fahrspaß bringen. Ähnliches gilt übrigens auch für das Fahrwerk, das ruhig etwas knackiger sein dürfte und die Lenkung, die im Sport-Modus zwar straffer, nicht unbedingt aber direkter wird und vor allem um die Mittellage bisweilen etwas gefühllos wirkt.

Ein bisschen Spaß

Das knackige Heck des Abarth 695. Foto: Abarth

Das Gros der Abarth-Fahrer stört das sicher nicht, sie wollen mit dem flotten Italiener schließlich keine famosen Rundenzeiten einfahren, sondern einfach ein bisschen Spaß haben – und vor allem im Straßenalltag auffallen. Das funktioniert mit dem Sondermodell prima, nicht nur wegen des markanten Spoilers und der laut knatternden Abgasanlage, sondern auch wegen der unter anderem erhältlichen exklusiven Lackierung in „Monza 1958“-Mattgrün mit grauen Akzenten, den roten Vierkolben-Sätteln des Brembo-Bremssystems, die hinter den 17-Zöllern hervor lugen, und dem großen, aufgemalten Skorpion auf der Motorhaube; dem Abarth-Maskottchen.

Der taucht natürlich auch im Innenraum auf, am prominentesten auf der Lenkrad-Nabe, wo das Abarth-Logo die sonst üblichen Fiat-Insignien ersetzt. Das sieht schick aus, praktischer wäre aber, wenn Fiat dem Sportwagen stattdessen ein auch in der Länge verstellbares Lenkrad spendiert hätte. Den gerade in Kombination mit den kaum beweglichen Schalensitzen, die der 70er-Abarth immer an Bord hat, ist eine optimale Sitzposition nicht ganz einfach zu finden. Dass sich die Fauteuils dazu so eng anfühlen, wie italienischen Lederschuhe, liegt in der Natur der Sache. Serienmäßig bringt das Sondermodell ein Infotainment-System mit 7-Zoll-Touchscreen, Digitalradio, Navi und Smartphone-Anschluss, eine Klimaanlage und ein Telemetrie-System, das die Rennstreckenperformance misst, mit. Außerdem gibt es eine Plakette mit der individuellen Fahrzeugnummer. (SP-X)