Reserven beim VW Passat Variant BlueMotion

Spritsparmodell

Besonders beliebt ist der VW Passat Variant. © VW

Anders als bei Polo oder Golf verlangt VW beim Passat Variant BlueMotion keinen Aufschlag gegenüber der sonstigen Baureihe. Doch wirklich ernst mit dem Sparen macht das Auto nicht.

Von Martin Woldt

Etwas verunsichert fährt man mit einem BlueMotion-Modell seit einiger Zeit vielleicht doch durch die Gegend. Denn Greenpeace hat sich seit Monaten in Volkswagens Spritsparkarossen ziemlich verbissen. BlueMotion gehört demnach auf "die dunkle Seite" der (Konzern-)Macht. Als überteuerte Sonderausstattungsvariante führe Volkswagens Verkaufspolitik ("Greenwashing") dazu, dass nur wenige Kunden sich für die klimaschonendsten Autos aus Wolfsburg entscheiden. Schlussfolgerung: VW nimmt das CO2-Thema nicht ernst. Was der Konzern natürlich bestreitet. Gemeinsam ist beiden Seiten nur: Mit Verkaufszahlen stützen sie ihre Sicht der Dinge leider nicht.

Günstigster Diesel

Ihren Vorwurf gründen die Umweltaktivisten auf die Preispolitik beim Golf, dessen 1.6 TDI BlueMotion-Variante in der Tat gut 1000 Euro teurer ist als die gleich motorisierte Normalversion. Was so gesehen auch beim Polo BlueMotion (+ 1650 Euro) zutrifft.

Vom Passat hingegen, Kombi oder Limousine, lässt sich das wiederum nicht behaupten. Mit 27.800 Euro ist unser Testwagen, der Variant TDI BlueMotion, nicht nur fast 2000 Euro günstiger als jene vergleichbare mit fast identischem 1.6 TDI Aggregat, sondern sogar der preiswerteste Diesel der Angebotspalette. Immerhin, beim 2010 abgelösten Vorgängermodell pokerte VW noch ähnlich hoch wie bei Golf oder Polo. Greenpeace bohrt offensichtlich an der richtigen Stelle.

Neujustierter Preis

Der Passat Variant misst 4,77 Meter. Volkswagen

Wenig überraschend waren 2011 neun von zehn der neu zugelassenen 104.000 Passat Dienstfahrzeuge. Gewiss den Golf mag jeder, der Passat allerdings ist vor allem Vertreters Liebling. Offensichtlich hat VW mit der Neupreisjustierung auf den wachsenden Kosten- und CO2-Spardruck bei Vermietern und Firmenfuhrparks reagiert.

Mit 113 Gramm pro Kilometer CO2 oder 4,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer ist der BlueMotion-Kombi in diesem Zusammenhang ein herausragendes Angebot. Die windschlüpfrige Karosse, verringerter Reibungswiderstand im Antrieb, rollwiderstandsarme Reifen und lang übersetzte höhere Gänge machen die BlueMotion-Rezeptur aus, zu der nun auch ein serienmäßiges Start-Stopp-System gehört.

Ohne Verzicht?

In der Mittelkonsole lässt sich das Start-Stopp-System abschalten. Volkswagen

Den Autobauern unter gleich welchem Effizienzlabel ist wichtig, dass man ihren Spritsparaspiranten den Verzicht nicht anmerkt. Das ist Volkswagen bei der Kombiversion des BlueMotion-Passat grundsätzlich gelungen. Bei straffer Lenkung und präziser Schaltung wird man ihn kaum von anderen Modellen der Baureihe unterscheiden können.

Sein Fahrverhalten ist erwachsen und tadellos. Gibt es einen Verzicht? Aber natürlich. 12,5 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h sind bereits ein kleiner Kompromiss. Vergleichbar teure Wettbewerber wie der Ford Mondeo 1.6 Econetic oder Opels Insignia Sport Tourer 2.0 CDTi gehen da deutlich flotter (12,1 bzw. 11,6 Sekunden) zu Werke.

Sekundenhuberei

603 Liter beträgt das Stauvolumen im VW Passat Variant. Volkswagen

Und erst recht können sich 14,5 Sekunden für den Geschwindigkeitsaufbau von 80 auf 120 km/h in den länger übersetzten Gängen 5 und 6 des Schaltgetriebes hinziehen, wenn man weiß, dass ein Passat mit einem 2.0 TDI (170 PS/125 kW) gut zweieinhalb Sekunden schneller sein kann. Gleichwohl kommen einem am Steuer solche Zahlenvergleiche wie Sekundenhuberei vor.

Weil das Auto sich fern allen akustischen Drängens vorstellt und von selbst keine Hektik provoziert. Die wohltuend verhaltene Geräuschkulisse trägt die Gelassenheit am Steuer und bildet die Basis der Sparidee.

Das Machbare

Denn Spritsparen ist längst nicht nur ein technisches Konzept. Nach Tests der Dekra lassen sich mittels Einspartechnik ala BlueMotion im Schnitt etwa acht Prozent Kraftstoff einsparen. Verbesserungen des eigenen Fahrstil könnten aber mehr als 20 Prozent bewirken. Dieses Potenzial unterstützt auch der BlueMotion-Passat noch viel zu wenig. Die unauffällig blinkende Schaltpunktanzeige im Armaturenfeld ist nur ein schwaches Alibi. Intelligente Auswertung zum Streckenverbrauch, Hinweise zur wiedergewonnenen Bremsenergie (Rekuperation), auf den Fahrerbeitrag zur Reichweitenverlängerung – alles ohne großen technischen Aufwand machbar – sucht man vergebens. Wem das zu pädagogisch erscheint, könnte ein solches Bordmenü ja abschalten.

Aber der braucht dann auch kein BlueMotion-Modell, das seinen Sinn verliert, wenn es nicht das Machbare anstrebt. Den Unterschied haben die Tester von "AutoMotorSport" mal exakt gemessen. Im normalen Testbetrieb verbrauchte der Passat Variant BlueMotion 6,7 Liter auf 100 Kilometer. Im bewusst gefahrenen Spareinsatz waren es fast drei Liter weniger. Das zeigt die Möglichkeiten, die man heben könnte.

Fast alle Ausstattungsoptionen

An Ausstattung muss man beim Sparmodell übrigens nicht sparen. Zwar ist BlueMotion im Unterschied zu den BlueMotion Technology-Versionen nicht mit einem Doppelkupplungsgetriebe erhältlich. Aber sonst stehen etwa alle Fahrassistenten der Baureihe zur Verfügung. Für Vielfahrer vielleicht nicht unwichtig könnte der relativ neue Müdigkeitswarner (+255 Euro) sein. Die Betriebskosten bei dreijähriger Haltedauer inklusive 45.000 Kilometer Laufleistung betragen laut Schwacke 3766 Euro pro Jahr.