Porsche 911 GT3: Gänsehautfeeling inklusive

Porsche 911 GT3: Gänsehautfeeling inklusive
Der Porsche 911 GT3 ist mit 510 PS unterwegs. © Porsche

Der Porsche GT3 lässt keinen kalt. Dieser Sportwagen weckt Emotionen. Vor allem in der neuen Generation, die nun mit 510 PS vorfährt.

Der Name GT3 reicht eigentlich schon, man muss nicht einmal das dazugehörige Modell oder die Marke erwähnen, Kenner der Szene wissen trotzdem sofort, um welches Fahrzeug es sich hier handelt: Porsche GT3, einer der berühmtesten Sportwagen der Welt und eines der vielen Derivate der legendären 911-Baureihe. Präziser gesagt: es ist die 992-Baureihe. Sie ist seit 2019 auf dem Markt. Und traditionell etwa zwei Jahre später schickt Porsche dann jeweils die Hochleistungs-Variante GT3 an den Start. Zwölf Monate später folgt dann der GT3 RS.


Der GT3 ist zweifellos ein Ausnahme-Athlet, ein Hochleistungssportwagen, der sich ohne Gänsehaut kaum fahren lässt. Fernab aller Hybridisierung und Turboaufladung bleibt er „Old School“ und hält am Hochdrehzahl-Saugmotorprinzip fest. Nun war schon das Vorgängermodell eine Fahrmaschine erster Wahl und mit 500 PS alles andere als untermotorisiert.

Etwas mehr Leistung

Der Innenraum des Porsche 911 GT3 wurde für die sportliche Nutzung optimiert. Foto: Porsche

Aber es entspricht nicht der schwäbischen Tüftlerseele, sich darauf auszuruhen. Ein bisschen mehr geht ja bekanntlich immer, um noch agiler ums Eck zu fegen. Auf der anderen Seite darf bei so viel Sportlichkeit die Alltagstauglichkeit nicht leiden. Genau diesen Spagat beherrscht ein Porsche GT3 wie keiner seiner Konkurrenten. Nicht umsonst nutzen viele GT3-Kunden ihr Sportgerät täglich ins Büro und fahren am Wochenende mit ihm zur Rennstrecke.

Die Leistungsfähigkeit, die in diesem Elfer steckt, ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen den Technikern der Serienentwicklung und den Spezialisten der Motorsportabteilung. „Das geht Hand in Hand“, sagt Andreas Preuninger, bei Porsche der Leiter GT-Fahrzeuge, „direkter lässt sich Racing-Technik praktisch nicht transferieren.“ Allein dem Thema Aerodynamik widmete man 160 Stunden Feinschliff im Windkanal. Die größte Optimierung erhielt dabei der Heckflügel. Erstmals bei Porsche wurde er hängend montiert, was ihm gleich den Spitznamen „Schwanenhals“-Spoiler einbrachte.

Doch der Vorteil ist enorm: Die Luft strömt deutlich harmonischer übers Heck und erhöht entsprechend den Anpressdruck auf die Hinterräder. Der Spoiler ist in vier Stufen einstellbar und hat schon in der Grundeinstellung 50 Prozent bessere Werte als beim Vorgängermodell. In der extremen Renneinstellung sind es sogar 150 Prozent mehr. Dieser zusätzliche Druck auf dem Heck, in Abstimmung mit dem ebenfalls verstellbaren Frontspoiler, balanciert den GT3 extrem gut aus. Agilität und Kurvengeschwindigkeit nehmen zu.

Erstmals mit Doppelquerlenker-Vorderachse

Einen beträchtlichen Beitrag hierzu liefert auch das Fahrwerk. Zum ersten Mal in ein Serienmodell von Porsche überhaupt verpflanzten die Ingenieure eine Doppelquerlenker-Vorderachse, wie sie unter dem Le-Mans-Rennwagen 911 RSR steckt. Hinzu kommt die serienmäßige Hinterachslenkung. Sie schlägt die Hinterräder je nach Fahrgeschwindigkeit um bis zu zwei Grad in oder entgegen der Lenkrichtung der Vorderachse ein.

Damit steht der GT3 so fit wie nie auf seinen Rädern. Wie fit, lässt sich natürlich am besten auf einer abgesperrten Rennstrecke erfahren, in diesem Fall der Bilster Berg bei Paderborn. Die Präzision und das Tempo, mit der sich Wagen um den anspruchsvollen Kurs scheuchen lässt, überrascht immer wieder. Selbst im extremen Grenzbereich bleibt der GT3 gutmütig und berechenbar, so dass auch Nicht-Profis exzellente Zeiten in die Stoppuhr hämmern können. Porsche-interne Tests haben ergeben, dass der neue GT3 die Nordschleife des Nürburgrings 17,5 Sekunden schneller umrundet als sein Vorgänger. Damit wird erstmals mit einem Serien-Elfer die 7-Minuten-Marke unterboten. In der Rennszene sind das Welten.

Auch Drehmoment wurde gesteigert

Der Heckflügel des neuen 911 GT3 wurde aerodynamisch optimiert. Foto: Porsche

Ein für „Petrol-Heads“ akustischer Ohrenschmaus bleibt dabei der Hochdrehzahl-Vierliter-Boxermotor. Porsches Ingenieure haben ihn gegenüber der Vorgängerversion weiter optimiert und verfeinert. Im Ergebnis dreht der Sechszylinder bis zu 9.000 Umdrehungen pro Minute, liefert mit 510 PS einen neuen Höchstwert. Sein Drehmoment kletterte von 460 auf 470 Newtonmeter. Neu sind auch die aus dem Rennsport übernommene Einzeldrosselklappen. Beim Getriebe wählt die große Mehrheit der Kunden die Siebengang-Doppelkupplungs-Automatik, die durch ihre blitzschnellen und intelligenten Gangwechsel die Fahrfreude zweifellos auf die Spitze treibt. Doch es gibt vermehrt Puristen, die die manuelle Schaltung bevorzugen. Der Stuttgarter Sportwagenbauer reagierte auf den Wunsch und bietet den Getriebeklassiker weiterhin für den GT3 an.

Dass der typische GT3-Kunde auch einen ausgeprägten Hang zum Individualismus hat, zeigt eine neue Besonderheit: Wer die mindestens 167.518 Euro für seine Hochleistungs-Fahrmaschine überwiesen hat, erhält die Möglichkeit, einen auf seinen GT3 speziell abgestimmten Chronographen zu erwerben. Preis: ab 7.750 Euro. Auf ihm ist beispielsweise die Fahrgestellnummer eingraviert, das Gehäuse besteht aus dem Titan der Pleuel. Angetrieben wird die Uhr von einem Aufzugsrotor, der den Leichtmetallrädern nachempfunden ist und der Ziffernblattring ist in Wagenfarbe erhältlich. Perfektes Porsche Marketing – so professionell wie das gesamte Auto. (SP-X)

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