Porsche 911 GT3 Touring: Beflügelt auch ohne Spoiler

Porsche 911 GT3 Touring: Beflügelt auch ohne Spoiler
Den 911 GT3 bietet Porsche alternativ auch in der Touring-Version an, die auf einen Heckflügel verzichtet © Porsche

Macht erst das Heck-Brett den wahren Porsche? Kein bisschen. Der 911 GT3 Touring fährt auch in ziviler Ausstrahlung perfekt.

Seit mehr als 20 Jahren reizt der Porsche 911 GT3 die Fantasie von Motorsportfans, die bevorzugt auf eigener Achse zur Rennstrecke fahren. Hochdrehender Saugmotor und riesiger Heckspoiler sind seit den 1990er-Jahren die herausragenden Merkmale dieser speziellen Fahrmaschine, die sich über Generationen hinweg in vielerlei Hinsicht gewandelt hat. Dazu gehört neuerdings auch der Wegfall des feststehenden Heckflügels, was eingefleischte Fans besonders schmerzen dürfte. Doch wie sich bei einem Roadtrip in der Mosel- und Saar-Region entlang berüchtigter Schauplätze der Rallye Deutschland zeigt, gibt es keinen Grund, alten Zeiten nachzutrauern. Dafür fährt der neue GT3 einfach zu perfekt.


Bereits im Stand macht die Touring-Version eine beeindruckend gute Figur. Mit markantem Aero-Feinschliff, riesigen Schmiederädern und abgesenkter Karosserie sieht der GT3 auch ohne Heckflügel deutlich drahtiger aus als viele seiner Baureihen-Brüder. Auffällig sind die Leuchten mit ihren minimalistischen LED-Grafiken, welche der klassischen Elfer-Silhouette noch eine futuristische Würze verleihen

Für Südstadt wie Nordschleife

Das Heck des GT3 Touring kann sich auch ohne den großen Flügel sehen lassen. Foto: Porsche

Modern und klassisch präsentiert sich auch der Innenraum, der große Displays und Vernetzung gekonnt mit Sportwagen-Purismus in Einklang bringt. Die aufpreispflichtigen Vollschalensitze in Sicht-Carbon nehmen den Fahrer fest in ihre hohen Wangen, zugleich bleibt das sogar elektrisch in Höhe einstellbare Gestühl selbst auf langen Touren bequem. Der Wagen wirkt sogar alltags- und stadttauglich, zumal dank Touring Paket eben kein Brett die Sicht nach hinten versperrt.

„Touring-Paket“ klingt weichgespült, so als wäre dieser GT3 eher Reisemobil denn Sportgerät. Doch auf den Landstraßen der Moselregion mit ihren engen Serpentinen merkt man sofort, dass es sich um ein spitz ausgelegtes Tracktool für Fahrer mit sportlichen Ambitionen handelt. Die Präzision von Fahrwerk und Lenkung, die steife Karosserie, der gierige Saugmotor und seine reichlich vorhandenen Reserven verleiten immer wieder dazu, Kurven schneller als mit anderen Autos zu nehmen. Fehlender Anpressdruck aufgrund des fehlenden Heckflügels? Geschenkt! Der ist was für Zehntelsekunden-Fuchser. Das trifft auch aufs Schaltgetriebe zu – für viele GT3-Fans ein Muss. Doch das Doppelkupplungsgetriebe in unserem Testauto verrichtet seine Arbeit derart überzeugend, dass man auf Handarbeit leicht verzichten kann.

Klang-Magie des Sechszylinders

Der Arbeitsplatz im GT3 wirkt spartanisch, bietet aber alles, was man in einem Luxusmobil erwartet. Foto: Porsche

Trotz einiger Komfortdetails erlebt man den GT3 weiterhin auch als hart und laut. Da sind Pausen willkommen. Bei der ersten schildert Rallye-Ikone Walter Röhrl, wie die einstige Heckschleuder den Fahrer in extrem engen Spitzkehren forderte. „Porsche war in den Händen eines Könners gut, aber für den Laien war das Auto speziell.“ Doch neuzeitlichen Errungenschaften wie dem Schleuderschutz kann der Profi durchaus etwas abgewinnen. Bei extremen Manövern und schnellen Kurvenfahrten erlebe man die Eingriffe als Unterstützung statt als Bevormundung. Selbst die mittlerweile übliche elektronische Lenkunterstützung empfindet er gegenüber der früheren Hydraulik als ebenbürtig.

Eine besondere Magie versprüht auch heute noch der analoge Klang des neuen GT3. Hart, kernig und vielschichtig ist der Ohrenschmaus, den der bis zu 9000 Touren drehende Sechszylinder liefert. Zwar scheint der GT3 mit seinem rauen Sound und einem Verbrauch in stets zweistelligen Regionen angesichts der Turbo- und Hybrid-Realität und der elektrischen Autozukunft fast wie aus der Zeit gefallen, doch für Walter Röhrl zählen andere Werte: „Das erste ist natürlich der Saugmotor mit 510 PS.“ Der sei für Laien auf der Rennstrecke viel einfacher zu kontrollieren als ein Turbomotor. „Für Kunden, die mit einem 911er vor allem auf der Rennstrecke aber auch auf normaler Straße fahren wollen, ist der GT3 natürlich ein Traumauto.“ (SP-X)

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