Land Rover Discovery 4: Keine Kompromisse im Gelände

Jetzt mit acht Gängen

Der Land Rover Discovery 4 fühlt sich im Gelände sehr wohl © Busse

Er ist ein Klassiker von ganz besonderem Geblüt – der Land Rover Discovery. Auch wenn diverse Facelifts kaum die Wahrnehmbarkeitsschwelle erreichten, beim Antrieb wird jetzt vorne mitmarschiert: Erstmals kommt ein Achtgang-Getriebe zum Einsatz.

Von Axel F. Busse

Die britischen Offroad-Spezialisten von Land Rover gehen sehr behutsam mit ihren Kunden um. Steht eine Modellpflege an, fällt sie meist so aus, dass die Vorgängermodelle ganz und gar nicht "alt aussehen". Der Discovery mit der Kennziffer 4 breitet die ganze Pracht englischen Landadels in gewohnten Dimensionen aus. Die kantige Form wird ebenso wenig angetastet wie die uneingeschränkte Geländetauglichkeit. Fahrzeuge mit nur einer angetriebenen Achse sind den Freelander-Käufern vorbehalten.

Dennoch markiert das Modelljahr 2012 einen besonderen Einschnitt. Gleich zwei Gänge mehr bietet die neue Kraftübertragung. Das Getriebe stammt von ZF und ist technisch weitgehend identisch mit der Schaltbox, die zum Beispiel auch von Audi und BMW benutzt wird. In zwei Leistungsstufen wird der drei Liter große Dieselmotor angeboten, und zwar mit 211 oder 256 PS. Erstaunlicher Weise kam der "kleine" Motor mit der 2,5-Tonnen-Wuchtbrumme in diesem Praxistest recht gut zurande.

Mehr Eleganz beim Range Rover Discovery 4

"Wir verkaufen Abenteuer", hat Design-Direktor Gerry McGovern einst die Firmenphilosophie umrissen. Die etwas grobschlächtige Geländewagen-Attitüde wurde beim Disco 4 durch die Hinwendung zu mehr Eleganz und Premium-Ausstrahlung ergänzt. Um die bis dahin von vertikalen Elementen bestimmte Front optisch in die Breite zu ziehen, wurden zwei mit Rhombengittern versehene Streben eingesetzt, gleichzeitig verschwanden die unlackierten Kotflügelverbreiterungen und die Lampen wurden mit zwei Ringen von Leuchtdioden versehen, die als Tagfahrlicht fungieren. Serienmäßig rollt der Disco nun auf 19 Zoll großen Leichtmetallfelgen.

Die kompromisslose Stock-und-Stein-Tauglichkeit wird durch das bewährte Terrain-Response-System dargestellt. Lediglich die Handhabung änderte sich seit dem Vorgängermodell. Der einstige Drehknopf wurde durch Kippschalter ersetzt, weil analog zu Range Rover- und Jaguarmodellen nunmehr das Getriebe mittels Drehknopf zu bedienen ist. Neu am aktuellen Modell ist auch, dass die Luftfederung auf alle Modellvarianten ausgedehnt wurde. Mit ihrer Hilfe kann die Bodenfreiheit bis auf 240 Millimeter vergrößert werden. Gleichzeitig erhöht sich die maximale Wattiefe von 60 auf 70 Zentimeter.

Land Rover Discovery im Gelände unschlagbar

Der Land Rover Discovery hat keine Probleme im Gelände Busse

Wenn die Insassen reichen Kontakt mit Schotter, Sand, Matsch oder Wasser suchen, bietet das Terrain-Response-System zuverlässig die richtige Antwort. Zentral- und Hinterachsdifferenzial, jeweils mit einer Lamellensperre versehen, sowie das Reduktionsgetriebe sind gröbsten Geländeanforderungen gewachsen.

Gemeinsam mit Bergan- und –abfahrhilfe arbeitet die Elektronik so narrensicher, dass auch Offroad-Anfänger in der Lage sind, dorthin zu fahren, wo man selbst das Spazieren gehen lieber einstellt. Dank der übersichtlichen Karosserie und der präzisen, wenn auch nicht immer leichtgängigen Lenkung, ist der gewaltige Siebensitzer auch auf engstem Raum sicher zu dirigieren.

Land Rover Discovery ohne Stopp-Start

Acht Gänge hat die Automatik des Land Rover Discovery Busse

Das zupackende Wesen von 520 Newtonmetern Drehmoment lernt schnell schätzen, wer durch einen kräftigen Tritt aufs Gas das neue Getriebe zu Höchstleistungen anspornt. Die Übersetzungen sind eng abgestuft und im achten Gang bis auf ein Verhältnis von 0,66:1 gespreizt, so dass flottes Marschtempo auf der Autobahn im unteren Drehzahlbereich abläuft. Wird spontaner Schub gebraucht, schaltet die Automatik auch mal zwei Stufen zurück und das notfalls in 200 Millisekunden.

Nur eine Fähigkeit, und das ist der Wermutstropfen, hat die sanft und geschmeidig arbeitende Schaltbox bei Land Rover nicht mitbekommen: Obwohl vom Hersteller ZF ursprünglich darauf ausgelegt, kommt eine Stopp-Start-Funktion nicht zum Einsatz. Mit ihr wäre auf dem Prüfstand wohl noch ein besserer Verbrauchswert als 8,5 Liter je 100 Kilometer drin gewesen. In diesem Test waren es am Ende 9,6 Liter, was gemessen an hohem Kurzstreckenanteil und forscher Langstreckenfahrt hinnehmbar erscheint.

Sicheres Gefühl im Land Rover Discovery

Komfortables Sitzen im Land Rover Discovery Busse

Auch wenn der doppelt aufgeladene Motor seinen leicht rasselnden Grundton nie ganz ablegt, stellt sich doch eine eigentümliche Ruhe und Gelassenheit beim Fahrer ein, sobald er hinter dem Lenkrad Platz genommen und die Tür geschlossen hat.

Mindestens 85 Zentimeter über Geländeniveau thront der Gebieter über dieses Dickschiff, da hat er noch nicht einmal die elektrische Höhenverstellung des lederbezogenen Sessels benutzt. Das verleiht Souveränität, in Einzelfällen kann sie auch in Mitleid für andere Verkehrsteilnehmer umschlagen, denn das Herabblicken auf Kleinwagen ist unvermeidlich.

Komfortables Reisen mit dem Land Rover Discovery

Der Land Rover Discovery ist ein bequemer Reisewagen Busse

Großzügige Fensterflächen an den Seiten und auf Wunsch drei Scheiben im Dach sorgen für eine helle und freundliche Kabine. Da im Innenraum an Leder und edlem Holz nicht gespart wird, herrscht eine wohnliche Atmosphäre, die auch viel Praktisches zu bieten hat: Zum Beispiel zwei große Handschuhfächer und Getränkehalter, die auch Literflaschen aufnehmen können. Bereits die Standard-Audioanlage ist auf digitalen Radioempfang ausgelegt, wer mehr Hörgenuss sucht, wird sich das Soundsystem von Harman Kardon bestellen, das die Insassen aus 17 Lautsprechern mit 825 Watt Leistung beschallt. Lediglich die Grafikqualität des erneut überarbeiteten Navigationsgeräts lässt noch Wünsche offen.

Als bequemer Reisewagen, dessen Mindest-Gepäckvolumen schon der Maximal-Kapazität vieler Kombis entspricht, erfüllt der Disco alle Anforderungen nach bequemem und entspanntem Transport. Die Sitzplätze sechs und sieben verschwinden bei Nichtgebrauch unauffällig im Ladeboden. Nicht selten dienen Land Rover als Zugmaschine für Boots- oder Pferdeanhänger, und mit maximal 3,5 Tonnen Anhängelast empfiehlt sich das Fahrzeug für dieses Einsatzgebiet.

Land Rover Discovery als Vielzweckmobil

Fazit: Wer Zweieinhalbtonner mit grobstolligen Reifen für einen automobilen Anachronismus hält, hat das Recht, ernst genommen werden. Dennoch gibt es einen Markt für solche 4x4-Schwergewichte, allein der Disco 4 wurde 2011 in Deutschland mehr als 1300 mal neu zugelassen. Rustikale Optik, tadelloser Komfort und über jeden Zweifel erhabene Geländeeigenschaften verschmelzen zu einem hochwertigen Vielzweckmobil, bei dem man eigentlich nur einen Fehler machen kann: Es zu unterfordern.

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.