Ford Mustang Mach-E: Ohne Reichweitenangst auf Tour

Ford Mustang Mach-E: Ohne Reichweitenangst auf Tour
Treffen an der Koppel: der Ford Mustang Mach-E. © Axel F. Busse

Der Ford Mustang Mach-E ist das erste reine E-Auto des Herstellers. Wir haben das Crossover-Coupé mit großer Batterie getestet.

In der so genannten „Extended Range“-Version kann der Mach-E ganze 98,7 kWh speichern. Für das Vorankommen stehen dann noch 88 kWh zur Verfügung. Im Gegensatz zum oktanverliebten „Pony Car“ der 60er und 70er Jahre kann sich der Stromer damit in einem Radius von wenigstens 500 Kilometern lokal emissionsfrei bewegen.


Zwar spricht der Hersteller für diese Variante sogar von einer Reichweite von 610 Kilometern, doch im Alltagsgebrauch ist es oft nicht anders als mit herkömmlichen Verbrennern: Theorie- und Praxiswerte weisen gewisse Unterschiede auf. Ein gefällig abgerundetes SUV-Design mit langer Haube, geschlossener Front und ausgestellten hinteren Kotflügeln unterstreicht den dynamischen Charakter, die in drei Balken aufgeteilten Heckleuchten sind als Reminiszenz an das heute noch erhältliche V8-Coupé und seine Vorgänger unverzichtbar. Natürlich will der Mach-E nicht nur in der Umweltwertung punkten, sondern mit innovativem Detail-Lösungen seinen Platz im 21. Jahrhundert behaupten.

Verzicht auf Türgriffe

Zu ihnen ist der Verzicht auf herkömmliche Türgriffe zu werten, was zwar optisch reizvoll, aber nicht unbedingt praktisch ist. Per Tastendruck oder mittels Eingabe eines Zahlencodes an der B-Säule springen die vorderen Türen auf, wo sich auch noch ein winziger Plastikwinkel zum Anfassen befindet. Die hinteren Zustiege haben so etwas nicht und es muss direkt ins Türblatt gefasst werden. Wie die Öffnung im Falle einer Karambolage mit verzogener Karosserie funktioniert, möchte man lieber gar nicht wissen.

Im Ford Mustang Mach-E gibt es einen großen Bildschirm. Foto: Axel F. Busse

Modern und funktional ist der Innenraum gestaltet, wenngleich die ausgedehnten Plastik-Oberflächen den Wunsch nach Kostenreduzierung nicht ganz verschleiern können. Geld wurde lieber in Technik investiert, was man an der reichlichen Ausstattung mit Komfort- und Assistenz-Systemen erkennen kann. Bestimmendes Element des Cockpits ist der fast DIN-A-4 große, hochkant stehende Monitor mit Touchscreen-Funktion, über den alle wesentlichen Fahrzeugfunktionen abgerufen bzw. gesteuert werden können. Die Bedienlogik ist einfach zu durchschauen und bedarf keiner zeitraubenden Lernphase. Die Fahrfunktionen aktiviert wie beim Modell Explorer ein Drehregler.

Detailarmer Bildschirm

Allerdings wurde im Navigationssystem die Chance vergeben, die Vorteile des großen Bildschirms für einen Informationsgewinn zu nutzen. Die Kartengrafik ist farblich schlicht, kontrast- und detailarm. Ab einer bestimmten Maßstabs-Einstellung verschwinden Ortsverbindungen minderer Bedeutung einfach aus der Abbildung. Wer zum Beispiel die Grafik nutzen will, bei Verkehrsstörungen durch Vergrößern und Verschieben Alternativ-Routen zu suchen oder „nach Karte“ zu fahren, stößt schnell an seine Grenzen.

In der 46.900 Euro teuren Basisversion bringt der Mustang Mach-E Leichtmetallfelgen und LED-Scheinwerfer, beheizbare Frontscheibe, Zweizonen-Klimaautomatik, induktive Ladeschale, beheizbares Lenkrad, Rückfahrkamera, Müdigkeitswarner, Verkehrsschild-Erkennung, Spurhalte-System und eine Reihe weiterer Annehmlichkeiten mit. Dazu gehört etwa die Drive-Assist-Funktion, die im Tempomat-Betrieb die Geschwindigkeit an auftretende Limits oder Ortschafts-Bedingungen anpassen kann oder auch der Stau-Assistent mit Stop&Go-Funktion. Beim Ausparken wird vor Querverkehr gewarnt, das Audiosystem verfügt über den bei Neuwagen inzwischen obligatorischen DAB-Empfang.

Die Platzverhältnisse sind recht ordentlich, die Kabinenbreite zwischen den Türverkleidungen beträgt vorn 1,46 Meter, hinten sind es noch 1,42 Meter. Ein variabler Ladeboden im Gepäckraum sowie die umlegbaren Rücksitzlehnen können das verfügbare Volumen von 322 bis auf 1420 Liter vergrößern. Es sind Verzurrösen zum Fixieren von Ladegut vorhanden und zusätzlich gibt es unter der Vorderhaube noch einmal 100 Liter Stauraum. Dort werden praktischer Weise schlammige Stiefel oder andere verschmutzte und nasse Gegenstände transportiert, denn die Wanne ist auswaschbar und mit einem Abfluss versehen.

Genügsam beim Verbrauch

Dynamisch durch die Kurve mit dem Ford Mustang Mach-E. Foto: Axel F. Busse

Während der Fahrt ist die Benutzung der „One-Pedal“-Funktion, aktiviert über den Zentralmonitor, unbedingt zu empfehlen. Sie erspart manchen Tritt auf die Bremse und erhöht gleichzeitig die Rekuperationsleistung. Ihrem Einsatz dürfte es zuzuschreiben sein, dass der Mach-E-Testwagen während der ausgedehnten Probefahrten im Schnitt laut Bordcomputer nur 14,8 kWh je 100 Kilometer verbrauchte und damit die Herstellerangabe um 1,7 kWh unterschritt. Für ein Fahrzeug, dessen gemessenes Leergewicht 2090 Kilogramm betrug, ist das ein erstaunlicher und respektabler Wert.

Mit der 216 kW starken Antriebsmaschine und dem batteriebedingt niedrigen Schwerpunkt vermittelt der Mustang Mach-E ein agiles und komfortables Fahrgefühl. Die Höchstgeschwindigkeit ist aus Rücksicht auf eine möglichst dauerhafte Batterieleistung bei 180 km/h abgeregelt.

Die anwendbare Schnellladung mit 150 kW wurde während dieses Tests nicht in Anspruch genommen, sondern der Mustang mittels Haushaltsstrom für den nächsten Ausritt gefüttert. So konnten im Anschluss an eine Nacht an der Steckdose mehr als 500 Kilometer Reichweite protokolliert werden, die im Vergleich zwischen gefahrener Strecke und angezeigter Rest-Reichweite absolut realistisch erscheinen. Bei optimierter Ladesituation verspricht Ford einen Reichweiten-Zuwachs von 100 Kilometern innerhalb von zehn Minuten.

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