Chevrolet Orlando: Einer mit Familiensinn

Geräumiger Van

Chevrolet Orlando
Der Chevrolet Orlando macht einen rustikalen Eindruck. © AG/Mertens

Wer einen Familien-Van sucht, der sollte sich auch einmal den Chevrolet Orlando anschauen. Der Siebensitzer überzeugt nicht nur mit viel Platz, sondern auch mit einer guten Fahrdynamik.

Von Frank Mertens

Familien, die mit dem Auto in den Urlaub fahren, brauchen Platz, viel Platz. Schließlich soll sich der Stress der Reisevorbereitung im Rahmen halten und nicht in unendlichen Diskussionen enden, ob nun beispielsweise die Luftmatratze oder das Schwimmbrett der lieben Kleinen wirklich unbedingt ins Reisegepäck gehört.

Damit sich derartige Diskussionen zumindest im Rahmen halten, entscheiden sich viele Familien bei der Fahrzeugwahl für einen Van. Der verfügt nicht nur über ausreichend Platz im Kofferraum, sondern offeriert seinem Besitzer eine hohe Variabilität wie beispielsweise die Option von sieben Sitzen. Wer derzeit nach einem Auto mit viel Platz sucht, der sollte sich auch einmal den Chevrolet Orlando anschauen, der seit Anfang des vergangenen Jahres auf dem deutschen Markt unterwegs ist und mit seiner erhöhten Sitzposition und dem Unterfahrschutz einen Hauch von Geländewagen-Charme versprüht.

Absatzplus für Chevrolet Orlando

Seine Qualitäten scheinen sich mittlerweile auch bei den Kunden herumgesprochen haben, denn in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden vom Familien-Van der GM-Tochter 3064 Einheiten verkauft. Im Vergleich zu Vorjahreszeitraum ist dies ein Zuwachs von über 57 Prozent.

Doch welche Qualitäten bringt der Orlando mit? Ist er ein Auto, das wirklich für Familien geeignet ist, die mit ihm auch längere Strecken in den Urlaub zurücklegen wollen? Wir haben den Chevrolet Orlando als Zweiliter-Diesel mit 163 PS getestet – und sind als dreiköpfige Familie mit ihm von Berlin in die Hafenstadt Zadar in Kroatien gefahren, eine Strecke von rund 1350 Kilometer. Genug also, um seine Langstreckentauglichkeit zu testen.

Orlando mit anständigem Kofferraumvolumen

der Zweiliter-Diesel im Chevrolet Orlando
Der Zweiliter-Diesel leistet 163 PS AG/Mertens

Doch fangen wir dort an, womit jede Reise beginnt: Mit dem Verstauen des Gepäcks. Reicht das Kofferraumvolumen des immerhin 4,62 Meter langen Orlando aus, um hier auch die Dinge unterzubringen, die man meint, für einen zweiwöchigen Urlaub zu benötigen? Ja, wenngleich mit einer Einschränkung: Der Orlando bietet zwar die Möglichkeit, insgesamt 466 Liter Gepäck zu verstauen. Dabei bezieht sich diese Angabe jedoch bei einer Beladung bis zum Beginn der Fensterkante. Wer es nicht so gern hat, sein Gepäck ohne geschlossene Abdeckung zu transportieren, muss sich hier doch etwas bescheiden.

Die versenkbaren zwei hinteren Sitze in der dritten Sitzreihe im Kofferraum – die mit zwei kleinen Handgriffen aus einem Fünf- schnell einen Siebensitzer machen – sorgen für einen doch recht flachen Stauraum. Wer kein Problem damit hat, sein Gepäck auch sichtbar im Kofferraum transportieren zu können, dürfte mit dem Kofferraumvolumen indes kein Problem haben.

Bequemes Reisen im Fond

Chevrolet Orlando
Die Seitenansicht des Orlando von Chevrolet AG/Mertens

Und wie schaut es mit dem Platzangebot im Innenraum aus? Gut, sehr gut sogar. Der 1,83 Meter breite und 1,63 Meter hohe Familien-Van vermittelt seinen Passagieren ein luftiges Raumgefühl. Im Orlando brauchen sich weder Fahrer und Beifahrer noch die Mitreisenden im Fond beklagen. In Sitzreihe zwei können selbst Großgewachsene jenseits der 1,80 Meter bequem sitzen, ohne sofort irgendwo mit dem Kopf oder den Knien anzustoßen. Aufgrund der erhöhten Sitzposition im Orlando fühlt man sich fast wie in einem Geländewagen und freut sich über eine gute Sicht nach vorn. Das kommt auch Kindern entgegen: Unser zehnjähriger Sohn lobte die gute Sicht aus den Seitenfenstern und den Platz, den er auf der Rückbank hatte. Die straff gepolsterten Sitze im Orlando waren für den Filius und mich auf dieser Langstreckenfahrt kein Problem, wir fanden sie durchaus bequem.

Einzig das Fehlen einer Lordosestütze hätten das Kilometerschrubben auf der Autobahn noch bequemer gemacht. Von der Ehefrau bemängelt wurde indes die fehlende Möglichkeit, die Kopfstütze näher zum Kopf bewegen zu können. "So kann ich einfach nicht entspannt sitzen", kritisierte sie ein ums andere Mal. Ich selbst habe dies als unproblematisch erachtet.

Ablagemöglichkeit in Mittelkonsole

Chevrolet Orlando
Das Heck des Chevrolet Orlando AG/Mertens

Wenig zu beanstanden gab es für sie bei der Anmutung des Innenraums. Der sei vollkommen okay und funktional, stellte sie fest. Bei diesem Aspekt braucht sich der Orlando auch nicht hinter den Mitbewerbern verstecken. Die Materialien sind sauber verarbeitet, sehen wertig aus, auch wenn viel Kunststoff die Mittelkonsole dominiert. Ein nettes Feature ist der hochklappbare Deckel der Bedieneinheit des Radios. Hinter ihm befindet sich nicht nur ein USB-Anschluss, sondern auch ein tiefes Ladefach, in dem sich einiger Kleinkram verstauen lässt.

Doch kommen wir zu den Fahreigenschaften des Familien-Vans, der in drei unterschiedlichen Motorisierungen angeboten wird: einem Benziner mit 141 PS und zwei Dieseln mit 130 und den von uns getesteten 163 PS. Der Topdiesel erweist sich dabei als ausgesprochen dynamisches Aggregat, das den immerhin 1655 Kilo schweren Van flott auf Touren bringt. So beschleunigt der Orlando in anständigen zehn Sekunden auf Tempo 100 und seine Spitzengeschwindigkeit ist bei 195 km/h erreicht. Auf dem Weg dorthin macht der mit einem satten Drehmoment von 360 Nm ausgestattete Orlando eine gute Figur. Die Innengeräusche bleiben selbst bei hohem Tempo angenehm ruhig

Aktionsangebot für Familien-Van

Das manuelle Sechsgang-Getriebe ist dabei nicht zu beanstanden, die Gänge lassen sich ohne Hakeln gut einlegen. Die Lenkung ist reagiert direkt, was gut zum Charakter des Orlando passt. Mit seinen Maßen und seinem erhöhten Aufbau erwartet niemand von ihm sportliche Glanztaten, doch selbst bei schnellen Kurvenfahrten machte der Chevy überraschenderweise eine recht gute Figur. Wie schaut es mit dem Verbrauch aus? Die in Aussicht gestellten sechs Liter (CO2-Wert 159 g/km) auf 100 Kilometer hat der Orlando verpasst. Doch der Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern lässt sich durchaus sehen, auch wenn er positiv von den Geschwindigkeitsbegrenzungen in Österreich und Kroatien beeinflusst wurde. Wenn die GM-Tochter zukünftig ihren Van vielleicht noch mit einen Start-Stopp-System ausrüsten sollte, kann der Verbrauch doch noch etwas gesenkt werden.

Ist der Orlando nun ein Auto, das man sich als Familie kaufen kann? Ja, mit gutem Gewissen. Und derzeit ist der 1.8 Liter-Einstiegsbenziner mit 141 PS im Rahmen eines Aktionsangebots bereits für 15.765 Euro zu haben. Das liegt über 3200 Euro unter dem sonst üblichen Listenpreis. Wer indes im von uns gefahrenen Topdiesel in der Ausstattungsvariante LTZ unterwegs sein will, muss dafür mindestens 25.790 Euro auf den Tisch des Händlers legen. Dafür bekommt er dann aber auch bereits ein gut ausgestattetes Auto mit Klimaautomatik und Navigationsgerät vor die Tür gestellt.