Chevrolet Malibu: Auf Eroberungstour

Einstiegs ins D-Segment

Bei GM sind zahlreiche Modelle des Chevrolet Malibu betroffen.
Bei GM sind zahlreiche Modelle des Chevrolet Malibu betroffen. © Chevrolet

Chevrolet baut in Deutschland sein Angebot aus. Mit dem Malibu steigt die GM-Tochter ins D-Segment ein. Was die Mittelklasse-Limousine zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht mit dem Flaggschiff der Marke

Von Frank Mertens

Es sind schwere Zeiten für die Autobauer. Die Euro-Schuldenkrise ist auch an Chevrolet Deutschland nicht spurlos vorüber gegangen. Zwar konnte die GM-Tochter in den ersten sieben Monaten des Jahres nach den Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) noch einen Zuwachs von kumuliert 1,2 Prozent erzielen, doch das rückläufige Privatkundengeschäft setzt auch der Marke mit dem Bowtie zu, wie die Analyse der Zulassungszahlen zeigt.

Allerdings berücksichtigt das KBA bei seinen Zahlen nicht die Corvette, den Camaro und den Volt. Rechnet man diese Fahrzeuge hinzu, kommt Chevrolet kumuliert auf ein Plus von 4,5 Prozent.

Chevrolet mit 17.564 Zulassungen per Juli

Doch selbst wenn man nur bei den KBA-Zahlen bleibt, sieht es für Chevrolet gemessen an den Verlusten anderer Hersteller mit 17.564 Fahrzeugen per Juli auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht dar. Doch die Rückgänge im Juli mahnen zur Vorsicht. Mit 1948 neu zugelassenen Fahrzeugen lag das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat bei über 24 Prozent. Der August hingegen liegt bisher wieder auf Vorjahresniveau. Doch aufgrund der anhaltenden Konjunkturdiskussionen hält sich Deutschland-Chef Steffen Raschig mit Aussagen zu Absatzerwartungen zurück.

Raschig, der im Februar für dieses Jahr noch von einem deutlichen Zuwachs ausgegangen war, ist vorsichtiger geworden. Wer meint, dass Raschigs Absatzprognose für dieses Jahr doch arg vermessen gewesen sei, irrt. Der Manager hatte seine Prognosen immer mit dem Zusatz versehen, dass die Märkte nicht einbrechen dürfen. Eingebrochen ist der Markt in Deutschland zwar nicht – im Juli liegt er mit 0,1 Prozent nur knapp im Minus – doch die Konjunkturschwäche hat die Kunden verunsichert. Die Marktdaten zeigen, dass das Privatkundengeschäft in Deutschland allgemein rückläufig ist, merkt Raschig an. Losgelöst vom Marktgeschehen kann halt auch Chevrolet nicht agieren.

Malibu soll Gewerbekunden locken

Das Cockpit des Chevrolet Malibu.
Das Cockpit des Chevrolet Malibu Chevrolet

Fragte man Raschig nach seinen Prognosen für das Restjahr, mag er sich nicht festlegen. Nur so viel sagte er dann doch: Chevrolet Deutschland ist bisher jedes Jahr gewachsen - und das Marktumfeld war immer anspruchsvoll - und auch 2012 stehen die Chancen gut, dass wir das Jahr mit einem Plus abschließen." Wird es ein- oder vielleicht zweistellig ausfallen? Kein Kommentar. Dabei bringt Chevrolet derzeit die besten Voraussetzungen mit, der Marktschwäche zu begegnen. Die Modellpalette ist runderneuert und mit dem 1.4 Turbobenziner und dem 1,7 Liter Diesel hat der Autobauer effiziente Aggregate im Angebot, auf die viele Kunden lange gewartet haben. Zudem hat man mittlerweile mit Modellen wie dem Captiva, dem Familien-Van Orlando und den Neuzugängen Chevrolet Cruze Kombi und der Mittelklasselimousine Malibu Fahrzeuge im Portfolio, die die Schwäche auf dem Privatkundengeschäft zumindest etwas ausgleichen können: sie sollen Gewerbekunden zur Marke bringen.

Mit dem gerade auf den Markt gekommenen Malibu drängt Chevrolet jetzt auch ins D-Segment, einem Segment, in dem man seinen Kunden bislang nichts anzubieten hatte. Dass das Segment hart umkämpft ist, steht außer Frage. Hier, in der Mittelklasse, sieht man sich der Konkurrenz beispielsweise eines VW Passat, eines Skoda Superb, eines Opel Insignia (der Malibu basiert auf der gleichen Plattform) oder auch eines Hyundai i40 gegenüber. Das sind Mitbewerber, gegen die man sich erst einmal behaupten muss.

Doch Raschig gibt sich zuversichtlich, dass der Malibu das Zeug dazu hat, weitere Kunden zur Marke zu bringen, auch Kunden von Mitbewerbern. Wie die Corvette oder der Camaro sei auch der Malibu eine Auto-Ikone. Ein Modell, das man den Menschen nicht erst erkläre müsse.

Selbstbewusster Preis

Entsprechend selbstbewusst hat man den Malibu auch eingepreist. So steht der 2.4-Liter-Benziner mit 167 PS mit 29.900 Euro in der Preisliste. Das ist eine Ansage. Doch dafür, so betont Chevrolet, bekommt der Kunde auch eine Topausstattung. So fährt der Malibu in der Ausstattungsvariante LTZ serienmäßig unter anderem mit einer Klimaautomatik, 18 Zoll Leichtmetallfelgen, Ledersitzen, Sitzheizung, Sitzen mit Memory-Funktion, einem Glasschiebedach, Lederlenkrad, Navigationsgerät und Xenon-Scheinwerfern vor. Damit bietet er im Vergleich zur Konkurrenz ohne Frage ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Doch wer sich in der Oberklasse behaupten will, muss mit mehr überzeugen als dem Preis. Wie schaut die Qualität der Verarbeitung aus? Gut, sie ist – wie mittlerweile in allen neuen Modellen von Chevrolet - nicht zu beanstanden. Die Materialien sehen wertig aus, fühlen sich angenehm an – auch hier braucht sich der Malibu nicht verstecken.

Wer genauer hinschaut, der findet natürlich Kleinigkeiten, bei denen man sich einen größeren Hang zur Detailverliebtheit gewünscht hätte. Beispielsweise bei der Mittelkonsole. Öffnet man den Deckel, wünscht man sich darunter doch etwas wenig Kunststoff. Klar, das ist eine Kleinigkeit, aber in der Mittelklasse darf man halt etwas mehr erwarten. Auch der Platz im Handschuhfach ist arg klein ausgefallen, ebenso die Ablagemöglichkeiten in den Türen: Mehr als Kleinkrams lässt sich hier nicht unterbringen.

Straffe Sitze

Die Seitenansicht des Chevrolet Malibu.
Seitenansicht des Malibu. Chevrolet

Aber das war es dann auch schon mit der Kritik im Innenraum. Der Rest ist anständig. Das Cockpit – das mit seiner Optik Anleihen beim Camaro genommen hat - ist übersichtlich gestaltet, die Mittelkonsole nicht mit Knöpfen überfrachtet. Und auch die Sitze hinterlassen einen guten Eindruck. Sie sind zwar ausgesprochen straff, aber keineswegs unbequem. Großgewachsene können auf Fahrer- und Beifahrersitz bequem Platz nehmen – und auch im Fond muss man sich auch jenseits der 1,80 Meter nicht über zu wenig Kopf- und Kniefreiheit beklagen. Der Kofferraum ermöglicht die Mitnahme von immerhin 545 Liter Gepäck – und legt man die Rückenlehne um, entsteht eine fast plane Ladefläche.

Aber kommen wir zum Fahrverhalten des Malibu, den wir als 2.0 Turbodiesel mit 160 PS getestet haben. Trifft es auch den Geschmack der europäischen Kundschaft? Ja, er macht seine Sache ordentlich. Mit seinem maximalen Drehmoment von 350 Nm sorgt er für einen guten Antritt. Okay, er bringt keine sportlichen Gene mit, aber das erwartet man von ihm auch nicht. Doch seine Sprintfähigkeiten von 0 auf Tempo 100 in 9,5 Sekunden lassen sich durchaus sehen. Das trifft auch auf das Fahrwerk zu: Es bietet einen guten Kompromiss zwischen Komfort und straffer Abstimmung. So unterwegs, präsentiert sich der Malibu als ein Auto, mit dem man gerne auch längere Strecken auf der Autobahn zurücklegt.

Laufruhiges Aggregat

Das Heck des Chevrolet Malibu.
Das Heck des Chevrolet Malibu Chevrolet

Dabei erweist sich der Vierzylinder-Turbodiesel als laufruhiges Aggregat. Er ist zwar im kalten Zustand durchaus vernehmlich, aber hat er erst einmal Betriebstemperatur erreicht, gibt er keinen Anlass zur Beschwerde. Selbst bei Tempo 220 auf der Autobahn ist die Geräuschkulisse im Innenraum angenehm. Die Lenkung passt übrigens gut zur Abstimmung des Fahrwerks: sie ist direkt abgestimmt, das trifft auch auf das manuelle Sechsganggetriebe zu. Als Verbrauch stellt Chevrolet 5,1 Liter auf 100 Kilometer in Aussicht. Ein Wert, der nach den Testfahrten bei 6,3 Litern lag. Ein Verbrauch, der dennoch für ein Auto dieser Klasse vollkommen in Ordnung ist. Schade nur, dass der Malibu nicht mit einem Start-Stopp-System angeboten wird. So etwas sollte in diesem Segment mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit gehören.

Welche Absatzerwartung Raschig vom Malibu hat, verrät er ebenfalls nicht. Man sei jedoch zuversichtlich, dass das gute Preis-Leistungsverhältnis die Kunden überzeugen werden. Insbesondere auch die, die bisher noch mit einem Fremdfabrikat unterwegs sind.