EU forciert Ausbau von Erdgastankstellen

Beschluss des Europaparlaments

Benzin ist so günstig wie zuletzt im Jahr 2010. © dpa

Die EU forciert den Ausbau des Tankstellennetzes für Alternative Antriebe wie beispielsweise Erdgas oder Bio-Erdgas. Das hat das Europaparlament am Dienstag in Straßburg beschlossen.

Wer sein Auto mit Erdgas, Strom oder Wasserstoff befüllt, soll künftig in Europa mehr Tankstellen finden. Das hat das Europaparlament in Straßburg am Dienstag beschlossen und damit eine informelle Einigung mit den EU-Staaten bestätigt.

Derzeit stockt der Absatz von Wagen, die von solchen alternativen Kraftstoffen angetrieben werden - auch, weil es an der nötigen Infrastruktur mangelt. Neben einem besseren Tankstellennetz soll es künftig auch einen einheitlichen Ladestecker für Elektroautos geben, den die deutsche Firma Mennekes entwickelt hat.

Keine festen Zahlenziele für Tankstellen

Feste Zahlenziele für den Tankstellen-Ausbau - wie ursprünglich von der EU-Kommission vorgeschlagen - soll es allerdings nicht geben. Der SPD-Europaabgeordnete Ismael Ertug bedauerte das: «Gerade für alternative Antriebe wie Elektrizität und Flüssigerdgas wären durchaus anspruchsvollere Ziele erforderlich, um die Ölabhängigkeit im Verkehrssektor zu verringern», teilte er mit. Die Marktentwicklung alternativer Kraftstoffe sei aber schwer vorherzusagen.

Allerdings sorgen nicht nur fehlende Tankstellen, sondern auch der hohe Preis für Wagen mit alternativem Antrieb und geringe Akzeptanz beim Verbraucher derzeit nach Auskunft der EU-Kommission für schwache Nachfrage. Der deutsche Europaabgeordnete Peter Liese (CDU) erklärte, besonders Elektroautos müssten gefördert werden. «Elektromobilität kann ein wesentlicher Beitrag für die Reduktion von CO2-Emmissionen sein».

Absatz von Erdgasfahrzeugen fördern

Nach dem Beschluss soll es nun bis zum Jahr 2020 in allen Mitgliedstaaten möglich sein, in Städten und Ballungszentren flächendeckend Erdgas zu tanken. Darüber hinaus soll bis 2025 eine angemessene Anzahl an Erdgastankstellen entlang des europäischen Verkehrsnetzes zur Verfügung stehen. Als Entfernung zwischen den einzelnen Erdgastankstellen empfiehlt die Richtlinie einen Abstand von 150 Kilometern. In Deutschland gibt es derzeit rund 900 Erdgastankstellen.

„Wir begrüßen, dass nun endlich eine Richtlinie für alle EU-Länder existiert, die den Rahmen für den Tankstellenausbau und die Preistransparenz für alternative Kraftstoffe festlegt“, sagte der Geschäftsführer von Erdgas Mobil, Timm Kehler.

Wie er sagte, bedürfe es „europaweit mehr Erdgastankstellen und einer besseren Vergleichbarkeit der Kraftstoffpreise, um für Erdgas und Bio-Erdgas als Kraftstoff eine höhere Akzeptanz im Markt zu erzielen“. Wie der Verband mitteilte, würde durch die Zahl steigender Erdgastankstellen die Entscheidung für ein Erdgasfahrzeug einfacher gemacht. Da die EU-Richtlinie auch eine transparentere Preisauszeichnung für alternative Kraftstoffe vorsehe, derzeit wird der Preis von Erdgas in Kilogramm angegeben, sei es zukünftig auch möglich, einen Vergleich zum Literpreis von Benzin herzustellen. Erdgas wird, wenn auch auf niedrigem Niveau, bei den Kunden immer beliebter. Im Vorjahr stiegen die Neuzulassungen in Deutschland um mehr als 50 Prozent im Vergleich zu 2012 auf mehr als 7800 Fahrzeuge an. (AG/FM/dpa)